Eine Ausstellung in der spanischen Sportsbar Peña Real Madrid zeigt, wie Stuttgarter Kunstschaffende mit KI umgehen – kritisch, überraschend und mit Blick auf bedrohte Jobs.

Stadtleben/Stadtkultur: Uwe Bogen (ubo)

Eine spanische Sportsbar als Ausstellungsraum, künstliche Intelligenz als künstlerisches Werkzeug und die große Frage nach der Zukunft kreativer Arbeit: In der Peña Real Madrid Stuttgart, beim offiziellen Fanclub der Königlichen, an der Immenhofer Straße zeigt der KI-Stammtisch Werke von Kunstschaffenden aus der Region. Was zunächst nach einem ungewöhnlichen Ort für Kunst klingt, entpuppt sich als idealer Rahmen für eine Ausstellung, die mit voller Absicht irritieren will.

 

Stuttgarter Kreative fordern kritischen Blick auf KI-Kunst

Der KI-Stammtisch ist ein loser Zusammenschluss von Künstlerinnen und Künstlern aus Stuttgart, die sich regelmäßig über den Einsatz künstlicher Intelligenz austauschen. Ihre aktuelle Ausstellung lädt zum Staunen ein, schockiert stellenweise – und fordert vor allem zum genauen Hinsehen auf. Denn eines wird schnell klar: Hier geht es nicht um eine unkritische Feier neuer Technologie.

Die Arbeiten zeigen KI als Werkzeug, nicht als Ersatz für menschliche Intelligenz. Besonders eindrücklich wird das im Werk des Musikers und Stadtrats Thomas Puttenat, genannt Putte. Zu seiner Musik hat er ein KI-generiertes Video geschaffen, das ein zerstörtes Stuttgart der Nachkriegszeit zeigt. Plötzlich taucht darin eine bunte, ganz coole Jugend von heute auf – ein Bild, das ganz offensichtlich nicht „echt“ sein kann. Genau dieser Bruch ist beabsichtigt. Man merkt sofort, das kann nicht stimmen. Und genau darum gehe es: um das bewusste Spiel mit künstlichen Bildern und historischen Narrativen.

Künstlerin Christa Winter, Künstler Martin Zentner. Foto: Uwe Bogen

Der Musiker Putte stellt klar: „Wir dürfen KI nicht feiern!“

Putte warnt bei der Begrüßung im proppevollen Club zugleich vor einem naiven Umgang mit der Technologie. „Wir dürfen KI nicht feiern“, sagt er. Gerade im kreativen Bereich seien zahlreiche Arbeitsplätze bedroht. Die „Büchse der Pandora“ sei geöffnet, ein Zurück gebe es nicht mehr. Umso wichtiger sei es, KI aktiv für die eigene Kreativität zu nutzen, statt sich von ihr überrollen zu lassen. Die Ausstellung versteht sich damit auch als Kommentar zur aktuellen Debatte über Urheberrecht, Autorschaft und die Zukunft künstlerischer Berufe.

Christa Winter: KI trifft auf analoge Kunst und fasziniert das Publikum

Einen spannenden Kontrapunkt setzt die Künstlerin Christa Winter, die KI konsequent mit analoger Kunst verbindet. Ihre Arbeiten entstehen im Dialog zwischen digitalen Prozessen und haptischen Techniken. Der Betrachter muss einen Code auf seinem Handy scannen, und schon geht’s los auf seinem Bildschirm. Material und algorithmisch erzeugte Elemente greifen ineinander. Gerade dieser Austausch zwischen Mensch und Maschine mache den Reiz aus, sind sich viele Besucher einig.

Bildschirme sind ein Til der KI-Ausstellung. Foto: Uwe Bogen

Neben Putte und Winter stellen auch die Fotografin Monica Menez und der Grafiker Martin Zentner aus. Ihre Werke erweitern das Spektrum der Schau: von KI-unterstützter Bildbearbeitung bis zu grafischen Arbeiten, die digitale Ästhetik reflektieren, ohne sich ihr vollständig zu unterwerfen.

Der Ausstellungsbesuch in der Peña Real Madrid Stuttgart ist kein bequemer Spaziergang, denn er führt uns zu erstaunten Fragen, zum Spielen mit digitalen Überraschungen. Ist das KI – oder kann das weg? Nach diesem Besuch lautet die Antwort ganz klar: Wegschauen kann man jedenfalls nicht. KI ist nur ein Mittel zum Zweck, ohne MI wie Menschliche Intelligenz wird daraus nichts Gescheites.