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Real War im 1. Stock Musik für die Trump-Jahre

Real War machen im 1. Stock in Stuttgart eiskalte Maschinenmusik. Foto: Jan Georg Plavec
Real War machen im 1. Stock in Stuttgart eiskalte Maschinenmusik. Foto: Jan Georg Plavec

Die Maschinenmusik von Real War könnte zum Soundtrack für eine sich verdüsternde Welt werden. Am Donnerstagabend lässt sich beim Konzert im 1. Stock schon erahnen, wie sich 2017 anfühlt.

Digital Unit: Jan Georg Plavec (jgp)
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Stuttgart - Konzerte erlebt man nie ohne den Kontext, in dem sie stattfinden. Als das Stuttgarter Duo Real War am Donnerstag im 1. Stock auf der wirklich kleinen Bühne seine Songs, mehrheitlich vom Album "I invented you so now you exist", aufführt, prasselt der Regen auf fast menschenleere Straßen, und seit anderthalb Tagen ist Donald Trump der designierte Präsident der Vereinigten Staaten. 

Bei Real War machen zwei Menschen entmenschlichte Maschinenmusik. Die Beats kommen aus dem Sampler, Kevin Thellmann spielt seine Gitarre verhallt, die Stimme von Oliver Hauber klingt wie in einer Art akustischer Gummizelle gefangen. Hauber regelt die Effekte, die er über seinen Gesang legt, selbst. Manchmal verdoppelt er seine Stimme per Computer, als wäre das das Normalste der Welt. 

Diese Art von musikalischer Mensch-Maschine-Interaktion reicht zurück bis Kraftwerk, an diesem Abend denkt man aber eher an Depeche Mode und Kalten Krieg. Das liegt zum einen an Oliver Haubers ultratiefer, sonorer Singstimme, zum anderen aber wieder an den Umständen. Mit Trump kehrt wahrscheinlich der Reaganismus in die Welt zurück. Und dessen Sound ist nunmal der kalte Maschinen-Wave von Depeche Mode. 

Real War spielen also auf der minimalistisch ausgeleuchteten Bühne der popmusikalisch inzwischen enorm umtriebigen Mini-Location am Rande des Hans-im-Glück-Viertels. Ihre Songs vermeiden monotones Repetieren, so weit es nur geht; in diesem Genre ist auch das ein lobenswerter Ansatz. Real war fesseln, ohne auf Überwältigung setzen zu müssen - weder durch Lautstärke noch durch übertriebene Sounds. Damit erzeugen sie dieses Gefühl einer Aufgewühltheit, die aus ihrem Käfig nicht rauskann. Vielleicht ist dieser Käfig selbstgezimmert, vielleicht wird er uns von einer sich verdüsternden Welt aufgezwungen. 

Ein ganzes Album, das erzählt der Sänger Oliver Hauber, haben Real War noch in der Schublade. Es kommt jetzt eine Zeit, in der es gerne herauskommen dürfte.


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