Reallabor für nachhaltige Mobilitätskultur Studenten entwickeln Visionen für Stuttgart

Von  

Im Stadtpalais ist bis Ende Februar die Ausstellung „Provisorische Architektur“ zu sehen. Studenten der Universität Stuttgart und der Hochschule für Technik haben sich dabei über alternative Mobilitätsformen in Stuttgart Gedanken gemacht.

Sebastian Klawiter und Hanna Noller von der Uni Stuttgart haben die Ausstellung mit den Studenten konzipiert. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Sebastian Klawiter und Hanna Noller von der Uni Stuttgart haben die Ausstellung mit den Studenten konzipiert. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

S-Mitte - Ein Tauschregal, eine Rollschuh-Intervention oder die Utopie für eine Stuttgarter Luftbahn – Studenten der Architektur und Stadtplanung haben sich in den letzten Monaten über „Provisorische Architektur“ in Stuttgart Gedanken gemacht. Ihr Grundgedanke dahinter war: „Wie bewegen wir uns zukünftig in der Stadt?“ Diese drei Ideen sind Sieger eines Wettbewerbs von Uni Stuttgart und Stadtpalais, dem Stadtmuseum für Stuttgart. Die drei Siegerentwürfe, die alle in einer Ausstellung im Stadtpalais zu sehen sind, sollen drei Monate lang in Stuttgart am Österreichischen Platz umgesetzt werden.

Das Studentenprojekt gehört zum Reallabor für nachhaltige Mobilitätskultur der Universität Stuttgart, das derzeit in der zweiten Projektphase ist. Dabei forschen Wissenschaftler mit Studenten, Verwaltung und Bürgern an Mobilitätsformen der Zukunft. Die Realexperimente dürfen gerne auch mal umstritten sein. So ärgerten sich 2016 besonders Autofahrer über die „Parklets für Stuttgart“, weil dafür zahlreiche Parkplätze über den Sommer wegfielen.

Uni startet wieder Experimente im öffentlichen Raum

Aber es geht ja auch um Visionen, wie Martina Baum, Direktorin des Städtebau-Instituts und Leiterin des Reallabors betont. „Wir experimentieren im öffentlichen Raum, weil die Menschen nicht nur über Veränderungen reden, sondern sie spüren sollen.“ Daraus soll dann gerne auch ein Diskurs in der Stuttgarter Stadtgesellschaft entstehen: Was ist gut, was nicht?

Mobilität, das bedeutet schließlich für jeden etwas anderes; sie steht zwar allgemein für Freiheit und Unabhängigkeit, aber während das für den einen mit 300 über die Autobahn brettern heißt, bedeutet es für andere zu radeln, zu Fuß gehen oder mit Rollschuhen durch die Stadt flitzen.

Die Arbeiten der Studenten gehen tatsächlich aber alle weg vom Auto als vorherrschende Mobilitätsform. Sie haben sich auf die Suche gemacht, wo unser verzerrtes Mobilitätsverhalten im öffentlichen Raum sichtbar wird. In Bildern, Zeichnungen, Modellen und Texten präsentieren sie ihre Vorstellungen von „Provisorischer Architektur“ für die Landeshauptstadt. So haben die angehenden Architekten und Stadtplaner sich eine Erweiterung von Bushaltestellen überlegt, um ein Element, das die Wartezeit angenehmer macht: eine Ladestation für Handys, dem Tauschregal oder einem Wasserspender. Ein anderes Projekt zeigt zum Beispiel, wo in der Stadt die Menschen durch provisorische Brücken und Treppen neue Wege einschlagen können, die sich dann vielleicht langfristig etablieren.

Es geht um den Wandel hin zu einer nachhaltigen Mobilität in Stuttgart

Sebastian Klawiter und Hanna Noller, die an der Uni im Reallabor mitarbeiten und das Studentenseminar geleitet haben, betonen, es gehe keinesfalls darum, Autofahrer gegen Radler auszuspielen oder umgekehrt. „Wir wollen in erster Linie ins Gespräch kommen“, betont Noller. Die Mobilitätsfrage sei entscheidend für die Zukunft Stuttgarts, ergänzt Martina Baum. „Aber sie wird sehr populistisch geführt. „Das lähmt!“ Aber es müsse einen Wandel geben, davon ist die Stadtplanerin überzeugt. „Damit Stuttgart ökologischer und hoffentlich auch inklusiver werden kann.“

Sonderthemen