Im Rebblick gibt es nicht nur hervorragenden Rostbraten. Foto: privat
Im Rebblick in Korb werden wirklich einfach alle glücklich: mit bestem Rostbraten und einer Flädlesuppe, die ihresgleichen sucht. Eine neue Ausgabe unserer Reihe „Besser Essen“.
In unserer Serie „Besser Essen“ stellen wir die besten Restaurants in Baden-Württemberg vor. Wir besuchen außergewöhnliche Gaststätten, bodenständige Landgasthöfe und renommierte Sternerestaurants. Heute im Test: der Rebblick in Korb.
Rebblick in Korb: Das Lokal
Das Remstal ist ein reizvolles Fleckchen Erde. Auch wenn die Zeiten, in denen Michelin-Sterne über Fellbach, dem Tor zum Remstal, funkelten, lange vorbei sind, muss sich die Region nicht verstecken. Im Gegenteil: In den vergangenen Jahren ist vor allem im sehr guten Gasthaus-Bereich sehr viel passiert. Ein bezauberndes Lokal, das uns Leserinnen und Leser dieser Kolumne empfohlen haben, ist der Rebblick in Korb. Es befindet sich in einem großen Gebäude, das auch die örtliche Remstalhalle beherbergt.
Doch der erste Eindruck täuscht: Von einer klassischen Vereinsgaststätte ist man hier weit entfernt. Die Stühle sind mit dunkeltürkisfarbenem Samt bezogen, und ob der gelungenen Renovierung ist der Charme der 1970er Jahre erhalten geblieben. Die Lampen wirken wie moderne Installationen, und die Fensterfront bietet einen schönen Ausblick. Das Restaurant ist groß und am Testtag zur Mittagszeit gut besucht. Es gibt Lokale, die funktionieren am besten am Sonntagmittag. Wenn Familien zusammenkommen, wenn auf Geburtstage und Hochzeitstage angestoßen wird, oder einfach essen gegangen wird, weil niemand in die Küche stehen wollte. Der Rebblick ist so ein Ort.
Der Rebblick ist ein schönes Restaurant Foto: privat
Die Gastgeber sind Profis. Jochen Gromann ist ein Mann vom Fach, hat seine Kochausbildung im Restaurant der Schwabenlandhalle gemacht, noch bevor es zum Goldberg wurde. In den klassischen Wanderjahren im Leben eines Kochs kam Gromann viel herum: „von der Festlesküche bis zur Sternegastronomie“, wie er sagt. Bei Bernd Bachofer, als der im Hirschen in Fellbach zugange war, hat er ebenfalls gekocht.
Dann mit Anfang 40 sucht er eine neue Herausforderung: die Selbstständigkeit. 2020 war aus bekannten Gründen kein gutes Jahr für einen Gastroneustart, eröffnet wurde der Rebblick dann im März 2022. Es wird seitdem im Guide Michelin gelistet, die Stammkundschaft von früher kommt nach wie vor. Seine Frau Nadine Gromann ist die Gastgeberin. Er kocht außerdem drei Tage die Woche für Kinder der Gemeinschaftsschule nebenan, klassisches Mensaessen. Das Restaurant hat Donnerstag bis Sonntag geöffnet. Das ist deshalb in den Schulferien auch oft geschlossen, damit die Betreiber auch mal durchatmen können.
Das Essen im Restaurant Rebblick in Korb
Ein Traum von einer Flädlesuppe. Foto: Schlemmerbäch
Der Gruß aus der Küche setzt sofort den Ton: Rote-Bete-Marshmallow, Meerrettich-Espuma und Pumpernickel. Eine kleine Aufmerksamkeit, die die Richtung vorgibt: Hier wird regional gekocht, ohne den Blick für den Zeitgeist zu verlieren. Und rücksichtsvoll genug gedacht, dass die vegetarische Begleitung statt Marshmallow eine Cashew-Variante erhält. Kleine Geste, große Wirkung: Aufmerksamkeit ist eine Tugend. Das Brot ist ausgezeichnet, dazu wird aufgeschäumte Zitronenbutter gereicht – eine scheinbare Leichtigkeit, bei der man sich dennoch zurückhalten sollte, bei den Portionen, die da noch kommen.
Der Auftakt gelingt mit einem Klassiker: einer exzellenten Rinderkraftbrühe mit Kräuterflädle, Onsen-Wachtelei und Schnittlauch (9,90 Euro). Flädle und Schnittlauch sind so fein geschnitten, dass sie jedem Wettbewerb unter dem Stichwort #ratemychives standhalten würden. Die Bouillon selbst ist mild, aber dennoch geschmackvoll. Der Koch verschließt sich jedoch nicht den Einflüssen anderer Regionen. So ist der asiatische Kohlrabi-Salat mit Ingwer, Limette, Chili, Kaiserschoten, Erdnüssen und Tomatenschwamm (15,90 Euro) ein geschmacklich reizvoller Ausflug: frisch und mit einer angenehmen Säure.
Rostbraten Foto: Schlemmerbäch
Im Rebblick in Korb trifft Klassik auf Moderne
Der Rebblick lässt Brüche zu. Einerseits begeistert der Rostbraten mit ausgezeichneter Soße, frittierten und geschmälzten Zwiebeln sowie Kartoffeln zu einem fairen Preis von 32,90 Euro. Andererseits überrascht der Zander mit asiatischen Gewürzen – völlig unerwartet, aber präzise zubereitet. Dazu gibt es Winterblattgemüse im Aroma-Sud mit gerösteten Cashew-Kernen und Schwarzkümmel-Dampfnudeln (28,90 Euro). Das ist kein modischer Firlefanz, sondern schlichtweg ein gelungenes Gericht. Und weil es in Korb auch ein tolles Weingut gibt, begleitet ein entspannter Riesling von Zimmerle das Essen. Im Hintergrund erklingen Billy Joels „Piano Man“ und später Beyoncés „Texas Hold ’Em“.
Der Zander mit Schwarzkümmel-Dampfnudeln Foto: Schlemmerbäch
Zum Abschluss gibt es zweierlei Mousse von heller und dunkler Schokolade, dazu Himbeere und Apfel mit Curry (eine erstaunlich harmonische Kombination). Der Rebblick ist kein Ort für Sensationen und Chichi, sondern ein Ort für Wiederkehr. Für Sonntage, an denen man einfach gut essen möchte und sich alle wohlfühlen.