Rechberghausen will ein Notfallkonzept für Stromausfälle Damit es nicht kalt und dunkel bleibt

Von Philipp Braitinger 

Falls in Rechberghausen die Lichter längerfristig ausgehen und die Heizungen kalt bleiben, will die Gemeinde gewappnet sein. Ein Notfallkonzept für Stromausfälle ist in Arbeit.

Wenn der Strom ausfällt, kann durch ein Dinner bei Kerzenschein aus der Not eine Tugend gemacht werden. Allerdings  nur wenn die Küche  nicht kalt und die Teller leer deshalb bleiben. Foto: Archiv/Fieß
Wenn der Strom ausfällt, kann durch ein Dinner bei Kerzenschein aus der Not eine Tugend gemacht werden. Allerdings nur wenn die Küche nicht kalt und die Teller leer deshalb bleiben. Foto: Archiv/Fieß

Rechberghausen - Der kluge Mann baut vor – und die kluge Frau natürlich auch. Das wissen nicht nur die Liebhaber klassischer Literatur aus Friedrich Schillers Drama „Wilhelm Tell“. In Rechberghausen wappnet sich der Gemeinderat. Das Gremium hat beschlossen, gemeinsam mit der EnBW-Tochter RBS-Wave für 6500 Euro ein Notfallkonzept für einen längerfristigen und flächendeckenden Stromausfall zu erarbeiten. Die RBS-Wave aus Ettlingen ist ein Ingenieurbüro für Infrastrukturprojekte mit den Arbeitsschwerpunkten Energieversorgung, Wasserversorgung und Netzmanagement.

Ein längerfristiger und flächendeckender Stromausfall sei zwar nicht wahrscheinlich, weil die Netze in Deutschland sehr gut seien, sagt Alexander Weihler, der als Kommunalberater bei der EnBW tätig ist. „Völlig ausgeschlossen werden kann ein solches Szenario aber nicht.“ Außerdem könnten die erarbeiteten Maßnahmen nicht nur bei einem Stromausfall, sondern beispielsweise auch bei einem Zusammenbruch der Wasserversorgung angewandt werden.

Bei dem Notfallplan gehe es vor allem darum, die Verantwortlichen zu sensibilisieren und sich Gedanken zu machen. „Wir wollen keine Panik schüren“, stellt Weihler klar. Ein Terroranschlag, eine Naturkatastrophe oder ein Cyberangriff – die möglichen Ursachen eines gravierenden Stromausfalls seien vielfältig und bisher nur Gedankenspiele. Auch sei nicht definiert, was längerfristig und flächendeckend bedeute.

Arbeitsgruppe soll Handlungsanleitungen für die Gemeinde liefern

Die Folgen eines derartigen Ereignisses wären aber auf jeden Fall schwerwiegend. „Die Gefriertruhe fällt aus und der Herd auch. Das Handy geht nicht mehr lange. An den Tankstellen gibt es kein Benzin, und in den Krankenhäusern funktionieren die ­Beatmungsgeräte nicht“, zählt die Rechberghäuser Bürgermeisterin Claudia Dörner auf. Wie sehr die Menschen von einer funktionierenden Energieversorgung abhängig sind, das sei während des Strom­ausfalls in Donzdorf, Salach und Süßen im vergangenen November deutlich geworden. Und damals sei der Strom zum größten Teil nur für einige Stunden ausgefallen.

Das nun von einer Arbeitsgruppe auszutüftelnde Notfallkonzept für Rechberghausen befasst sich mit der Frage, was bei einem Stromausfall zu tun ist und welche Vorkehrungen die Kommune treffen kann, um die Folgen eines solchen Blackouts zu lindern. Neben der RBS-Wave gehören der Arbeitsgruppe Vertreter der Stadtverwaltung, der Feuerwehr, der Leiter des örtlichen Bauhofs und die kommunalen Hausmeister an. So gilt es beispielsweise darüber nachzudenken, wie die Tore der Wagenhallen der Feuerwehr auch ohne Stromantrieb geöffnet werden können.

Darüber hinaus müsse beim Kauf von großen Heizungsanlagen in Schulen vielleicht darauf geachtet werden, dass diese Heizungen auch ohne Strom Wärme spenden können, erklärt die Rathauschefin. „Außerdem sollte in dem Notfallkonzept drinstehen, wo gegebenenfalls Notstromaggregate herzubekommen sind und wo sich der Krisenstab trifft“, ergänzt sie.

Mit dem Erstellen eines solchen Notfallkonzepts komme Rechberghausen ohnehin einer gesetzlichen Verpflichtung nach, betont Dörner. Gemäß dem Katastrophenschutzgesetz des Landes sowie dem Polizeigesetz sei es die Aufgabe aller Behörden und Kommunen, sich auf mögliche Krisen vorzubereiten. Die Bürgermeisterin hofft, dass das Konzept in den nächsten acht bis zwölf Wochen steht: „Das müsste machbar sein. Das Regierungspräsidium Karlsruhe hat bereits im Jahr 2014 einen Musternotfallplan Stromausfall erarbeitet, der nach und nach auf immer mehr Kommunen in Baden-Württemberg heruntergebrochen werden kann“, sagt sie.

„Gebranntes Kind“ beschreitet einen anderen Weg

Rund 15 Stunden lang sind große Teile von Donzdorf am 8. November vergangenen Jahres von der Stromversorgung abgeschnitten gewesen, weil am Umspannwerk in Süßen wegen eines Erdkabelschadens ein Transformator ausgefallen war. Weil der Ersatztrafo von der EnBW-Tochter Kabel BW zur gleichen Zeit gewartet wurde, dauerte der Blackout wesentlich länger als in solchen Fällen üblich.

Mehrere Betriebe und Supermärkte mussten ­Beschäftigte und Kunden an jenem Dienstag wieder nach Hause schicken. Wie hoch die finanziellen Verluste waren und ob – zumindest teilweise – Versicherungen eingesprungen sind, wurde nicht bilanziert. Personen, die aus gesundheitlichen Gründen auf eine funktionierende Stromversorgung angewiesen waren, kamen nicht zu Schaden.

Auch im Donzdorfer Rathaus brach die Kommunikation zusammen. Selbst Handys funktionierten nicht, weil die Sendemasten ausfielen. Noch am Tag des Vorfalls kündigte Bürgermeister Martin Stölzle ein Konzept an, um für ähnliche Ereignisse, so unwahrscheinlich sie auch sein mögen, zukünftig gewappnet zu sein.

Im Gegensatz zu Rechberghausen erarbeitet Donzdorf ein individuelles Notfallkonzept für Stromausfälle in Eigenregie. Da nach Stölzles Worten das städtische Netz stabil sei, wappne man sich gegen Einflüsse von außen. „Wenn Kabel BW Probleme hat, müssen wir vorbereitet sein, um zu reagieren.“ So solle etwa im Rathaus und an „gefährdeten Stellen“ wie etwa Pflegeheimen und Schulen eine interne Stromversorgung gewährleistet werden. „Dazu läuft derzeit eine Erhebung unter Mitwirkung der Betroffenen und der Feuerwehr“, sagt Stölzle. Im privaten und im gewerblichen Bereich müsse hingegen jeder für sich entscheiden, ob und wie er bei Stromausfällen vorsorgen wolle.




Unsere Empfehlung für Sie