Rechenspiele im Amateurfußball Ist der TSV Berkheim doch noch nicht abgestiegen?

Die Berkheimer Kicker werfen sich in jeden Zweikampf voll rein. Foto: Michael Treutner

In der Fußball-Bezirksliga bleibt die Abstiegsfrage kompliziert, in der Kreisliga A übernimmt der TSV Deizisau wieder die Spitze – und kündigt „kühle Geschenke“ nach Altbach an.

Reporter: Robin Kern (rob)

Erst zogen Hagel, Gewitter und Starkregen über die Sportplätze, dann wurden auch die Tabellen noch einmal durcheinandergewirbelt. Der vorletzte Spieltag in den Amateurfußballligen der Region hatte es in sich: Der FV Plochingen sicherte sich nach einer kuriosen Unterbrechung den Abstiegsrelegationsplatz, während der TSV Berkheim nach der 1:2-Niederlage gegen den TSV Denkendorf laut derzeitigem Tabellenstand als Absteiger feststeht.

 

TSV Berkheim hofft auf Hintertür in der Bezirksliga

Oder etwa doch nicht? Denn ganz sicher ist die Lage im Tabellenkeller der Bezirksliga noch nicht. Durch die Konstellation in der Landesliga könnte sich für Berkheim noch eine Hintertür öffnen. Entscheidend ist, ob der SC Geislingen direkt aus der Spielklasse absteigt. Derzeit liegt Geislingen drei Punkte und acht Tore vor dem TV Echterdingen. Würde es bei der aktuellen Konstellation bleiben, würde sich die Zahl der Absteiger aus der Bezirksliga reduzieren. „Berkheim stünde nach derzeitigem Stand auf dem Relegationsplatz und Plochingen hätte den Klassenverbleib inne“, erklärte Bezirksspielleiter Armin Sigler.

Jubel herrschte bei den Kreisliga-A-Fußballern des TSV Deizisau nach dem 3:0-Sieg gegen den TSV Wernau. Foto: Michael Treutner/Archiv

Derweil hat sich auch die Ausgangslage an der Spitze der Kreisliga A erneut verändert. Der TSV Deizisau gewann das Top-Spiel gegen den Dritten TSV Wernau mit 3:0, warf diesen aus dem Aufstiegsrennen und steht wieder ganz oben. „Wir haben es nun in der eigenen Hand, den Meistertitel am letzten Spieltag zu sichern. Gefeiert haben wir nach dem Sieg natürlich noch nicht, aber ein paar Kaltgetränke wurden dann doch verteilt“, erzählte Spielleiter Thomas Stiehl, der noch einmal ein Lob an den SC Altbach aussprach. Die Altbacher holten in Unterzahl gegen den bisherigen Spitzenreiter TV Unterboihingen ein 1:1-Remis. „Das ist nicht normal, dass die Altbacher, für die es um nichts mehr ging, sich da so reinhauen. Es werden sicherlich noch ein paar kühle Geschenke aus Deizisau nach Altbach geschickt“, sagte Stiehl mit einem Lächeln.

Verbandsliga

Beim FC Esslingen war der Abstiegsfrust noch nicht verschwunden, doch beim 2:4 gegen den Zweiten FC Holzhausen zeigten die Esslinger nach einem Fehlstart immerhin eine Reaktion. „Die ersten 20 Minuten waren skandalös, alles danach war total in Ordnung“, sagte Trainer Dominik Eitel. Statt des möglichen Ausgleichs fiel in der Nachspielzeit allerdings der Treffer zum 4:2 für Holzhausen. Der Blick geht beim FCE nun in Richtung Landesliga und Neuaufbau.

Landesliga

In der Landesliga gab es derweil zwei unterschiedliche Gefühlslagen. Die Fußballer des FV Neuhausen durften nach dem 2:2 gegen den TSV Bad Boll durchatmen und machten den Klassenverbleib endgültig perfekt. Dabei zeigte der FVN Moral: Nach einem 0:2-Pausenrückstand rettete David Govorusic mit einem Doppelpack noch den Punkt.

Der TSV Köngen musste dagegen beim 1:3 im Duell der starken Aufsteiger gegen den Fünften 1. FC Eislingen einen Rückschlag im Kampf um den Aufstieg hinnehmen. Weil aber auch der bis dato Dritte TSV Bernhausen beim 2:2 gegen den TSVgg Plattenhardt Punkte liegen ließ, haben die Köngener zumindest Rang zwei weiter in der eigenen Hand. Am letzten Spieltag beim bereits abgestiegenen MTV Stuttgart braucht es nun vor allem das, was Spielertrainer Domenic Brück gegen Eislingen vermisste: den „Killerinstinkt“.

Bezirksliga

Kurios wurde es in der Bezirksliga im Derby zwischen dem TSV RSK Esslingen und dem FV Plochingen . Die Plochinger lagen zunächst mit 0:2 zurück, drehten die Partie durch drei Treffer von Michael Blind noch vor der Pause auf 3:2 – und mussten nach dem zwischenzeitlichen 3:3 sowie angesichts einer Gewitterunterbrechung erst einmal warten, ob überhaupt weitergespielt wird. „Die Pause war für uns ganz gut. Wir konnten Kräfte sammeln und noch einmal nachlegen“, sagte FVP-Coach Denis Egger und ergänzte: „Wir haben uns für ein tolles Spiel belohnt. Das waren richtige Big Points und wir haben einen richtig großen Schritt gemacht.“ Nach rund 20-minütiger Diskussion und nachdem zunächst sogar ein Abbruch im Raum gestanden hatte, rollte der Ball doch noch einmal. Und der FVP nutzte die Fortsetzung: Lukas Werner und Sebastian Munz trafen per Strafstoß zum 5:3-Sieg. Damit sicherten sich die Plochinger mindestens den Abstiegsrelegationsplatz 13. Wer hätte das vor drei Spieltagen gedacht? Zuvor hatte der FVP aus sieben Partien lediglich drei Punkte geholt, nun stehen drei Siege in Serie. „Die Last ist weg“, betonte Egger.

Die TSV-RSK-Kicker lieferten laut Spielleiter Thomas Schuler gegen die Plochinger zwar eine „bescheidene Leistung in einem turbulenten Heimspiel“ ab und verloren am Ende zu Recht, blicken aber dennoch auf eine starke Saison zurück. „Nach der Unterbrechung haben wir keinen Fuß mehr auf den Boden gebracht und die Plochinger nutzten das aus. Nichtsdestotrotz ist uns der hervorragende 4. Platz bereits vor dem letzten Spieltag sicher. Daran lässt sich nicht mehr rütteln, und diese Platzierung ist mehr, als wir erwartet haben. Also alles Friede, Freude, Eierkuchen“, sagte Schuler.

Der TSV Berkheim verlor derweil das Heim-Derby gegen den TSV Denkendorf mit 1:2. „Es war in Summe ein verdienter Sieg. Wir waren von Anfang an das bessere Team und haben wenig zugelassen. Die Gewitterunterbrechung war komisch, weil wir gerade im Flow gewesen sind, dennoch haben wir dann die richtigen Schlüsse gezogen“, sagte Denkendorfs spielender Co-Trainer Georgios Natsis.

Hitzig wurde es in der Schlussphase trotzdem noch. „Berkheim hat am Schluss alles nach vorne geworfen, aber wir haben gut dagegengehalten“, sagte Natsis. Für Berkheim bleibt nach der Niederlage aber noch Hoffnung auf die bereits erwähnte Hintertür über die Landesliga-Konstellation.

Kreisliga A

Das hätte sogar Folgen bis in die Kreisliga A: Die SG Eintracht Sirnau, die beim TB Ruit mit 5:6 unterlag und eigentlich als Absteiger feststeht, könnte bei den reduzierten Absteigern aus der Bezirksliga noch den Umweg über die Relegation gehen. Die Ruiter feierten dagegen den Klassenverbleib. „Uns ist ein Stein vom Herzen gefallen“, sagte TBR-Kapitän Dirk Schimmele. Dabei machten es die Ruiter unnötig spannend. „Zur Pause stand es 4:1 für uns, doch nach der Gewitterunterbrechung haben wir vier Eckballtore kassiert. Wir haben es viel zu spannend gemacht und Sirnau zu leicht noch einmal rankommen lassen“, sagte Schimmele. Am Ende zählte für ihn aber nur eines: „Es war ein verdienter Sieg, und wir sind nach dem Sieg einfach nur happy.“

Noch in der Abstiegsbredouille steckt der VfB Oberesslingen/Zell, der gegen den VfB Reichenbach 1:1 spielte und auf den derzeitigen Abstiegsrelegationsrang 14 abrutschte, da der FV Neuhausen II seine Partie gegen das Schlusslicht FV Plochingen II mit 3:2 gewann. Allerdings gilt auch hier: Durch die Konstellation in den oberen Ligen stünde der VfBOEZ derzeit auf einem Nichtabstiegsplatz.

Der Blick an der Spitze richtet sich dagegen auf den TSV Deizisau. Die Deizisauer haben nach dem Ausrutscher des bis dato Ersten TV Unterboihingen, der 1:1 gegen den SC Altbach spielte, und nach dem eigenen 3:0-Sieg gegen den TSV Wernau Meistertitel und Aufstieg nun selbst in der Hand. „Wir haben unseren Teil geliefert“, sagte Spielleiter Thomas Stiehl und fügte hinzu: „Nun müssen wir die Saison nur noch über die Ziellinie bringen.“ SCA-Abteilungsleiter Robin Prokein war war indes stolz auf die Leistung seines Teams: „Aufgrund der Personalsituation war das eine starke kämpferische Leistung von uns. Wir haben über weite Strecken sehr konzentriert verteidigt und uns trotz Unterzahl nicht aufgegeben.“

Einen wetterbedingten Abbruch gab es derweil in der Partie zwischen dem Siebten TV Nellingen und dem Fünften TSG Esslingen. Die Nellinger führten kurz nach der Pause mit 4:1, ehe das Spiel ein jähes Ende fand. „Es geht zwar um nichts mehr, aber es ist ziemlich ärgerlich. Für mich ist das eine absolute Frechheit, weil alle anderen Spiele in der Liga beendet wurden, zumal die Wetterlage in Nellingen nicht anders gewesen ist als auf anderen Plätzen“, ärgerte sich TVN-Spieler Felix Gentner. „Es war für uns nicht ersichtlich, warum das Spiel abgebrochen wurde.“ Die Begegnung wird am Mittwoch (19.30 Uhr) komplett wiederholt – aus Nellinger Sicht besonders bitter. „Uns fehlen da viele Spieler“, sagte Gentner.

Kreisliga B

Abgebrochen wurde auch die B-1-Partie zwischen dem TV Nellingen II und der TSG Esslingen II beim Stand von 2:0 für den TVN in der 63. Minute – allerdings nicht wegen des Wetters, sondern wegen einer schweren Verletzung eines Nellinger Spielers, der sich das Sprunggelenk brach. Das Spiel wird am Dienstagabend (19.30 Uhr) wiederholt.

Das Kellerduell zwischen dem TSV Berkheim II und dem SC Altbach II entschieden die Berkheimer derweil mit 3:2 für sich und kletterten am SCA II vorbei auf den Abstiegsrelegationsrang. „Wir sind nicht gut in die Partie gekommen, haben aber in der zweiten Hälfte Moral bewiesen und den Ausgleich geschafft, ihn aber nicht halten können. Am Ende geht das Ergebnis in Ordnung. Wir müssen am letzten Spieltag gegen Nellingen II alles reinwerfen und hoffen, um den Abstieg in die Kreisliga C zu vermeiden“, sagte SCA-Abteilungsleiter Prokein.

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