Recherche mit ZDF Frontal 21 zu Pflegekonzern Weitere Alloheim-Einrichtungen haben Probleme

Politik: Rafael Binkowski (bin)
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Es ist nicht das erste Heim der Alloheim-Gruppe, das wegen Mängeln geschlossen wurde. In Simmerath (Nordrhein-Westfalen) gab es ähnliche Vorwürfe, bis die Heimaufsicht im Oktober 2016 den Betrieb untersagte. Das Gesundheitsministerium in Nordrhein-Westfalen ließ nach der Schließung alle Pflegeheime im Land überprüfen, ein Sprecher erklärte 2016 dazu: „Es liegen Informationen vor, nach denen es in mehreren Einrichtungen der Alloheim-Gruppe Schwierigkeiten gibt, die wir als gravierend einstufen.“

In Hannover machte ein spektakulärer Notfall Schlagzeilen: Im Juni 2017 fühlte sich ein Pfleger aus Verzweiflung über die Personalsituation derart überfordert, dass er sich nicht mehr anders zu helfen gewusst hat und über den Notruf Polizei und Feuerwehr alarmiert hat.

Überforderter Mitarbeiter ruft die Polizei

Daraufhin wurde er entlassen. Alloheim sagt zu diesem Vorgang: „Der Vorgang hat sich nicht so abgespielt.“ Es habe drei Krankheitsausfälle und Verspätungen an dem Tag gegeben, daher hätten Mitarbeiter aus anderen Wohnbereichen einspringen müssen. Zu einem Polizeieinsatz sei es nicht gekommen – der Mitarbeiter sei „aus anderen Gründen“ entlassen worden.

Unter welchen Umständen die Mitarbeiter im Alloheim Hannover arbeiten mussten, wurde in einer internen Betriebsversammlung berichtet, deren Protokoll der Redaktion vorliegt. „Das Heim ist angeblich überbesetzt, im Dienstplan stehen aber Leute, die es gar nicht gibt“, heißt es. Die Patienten könnten aufgrund des dramatischen Personalmangels nicht ausreichend mit Flüssigkeit versorgt werden. In einem Fall seien sogar Maden in der Dekubitus-Wunde eines Patienten gefunden worden, wie ein Video zeige. Das bestätigt auch der Hannoveraner Verdi-Sekretär Thilo Jahn. Eine Alloheim-Sprecherin weist die Vorwürfe zurück: „Für Wund- und Flüssigkeitsversorgung gibt es klare Regeln. Wir pflegen eine kooperative Arbeitskultur.“ Von einem Video sei nichts bekannt, allerdings schreibt Alloheim an ZDF-Frontal 21: „In einem Einzelfall kam es zu einem Vorfall wie dem von Ihnen geschilderten. Wir bedauern dies zutiefst.“

Viele Einzelfälle ergeben ein klares Bild

Die Vielzahl von Fällen erweckt den Eindruck, dass bei dem Pflegekonzern Profitmaximierung an oberster Stelle steht. Wollte der Eigentümer die Bilanzen aufhübschen, um für den Verkauf an Nordic Capital mehr herausschlagen zu können? Ein Blick in die Finanzunterlagen für das Ludwigsburger Heim zwischen Januar und Juni 2016 lässt diese Vermutung plausibel erscheinen. Die Unterlagen liegen unserer Zeitung und ZDF-Frontal 21 vor. In dem Zeitraum wurde ein Gewinn von 190 000 Euro in dem Heim gemacht. Das würde pro Patient im Monat etwa 300 Euro Gewinn ausmachen. Lediglich vier Euro je Tag und Bewohner wurde für die Ernährung ausgegeben.

Alloheim erklärt gegenüber Frontal 21 dazu: „Am Essen wurde nicht gespart.“ Zu den Geschäftszahlen will man sich aber nicht äußern. Generell erklärt das Unternehmen, dass es in „wenigen bedauerlichen Einzelfällen“ dazu gekommen sei, dass einzelne Einrichtungen zeitweise die „hohen Qualitätsanforderungen von Alloheim nicht vollständig erfüllten“. Man habe umgehend entschieden und gehandelt.

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