Recherche zu Therapiemethoden ZDF stoppt Böhmermann-Sendung zu „Mind Control“

Der Satiriker Jan Böhmermann und sein Team haben zum Thema „Mind Control“ recherchiert. Doch die Sendung durfte nicht ausgestrahlt werden. Foto: IMAGO/Panama Pictures/IMAGO/Christoph Hardt

Jan Böhmermann wollte in seiner Satiresendung „ZDF Magazin Royale“ im November über zweifelhafte Therapiemethoden und das Thema „Mind Control“ sprechen. Die Programmdirektorin stoppte die Sendung. Der Moderator brachte stattdessen eine Sendung über Rückgrat heraus.

Psychologie/Partnerschaft: Nina Ayerle (nay)

Die Satiresendung „ZDF Magazin Royale“ von Jan Böhmermann führt gelegentlich im Nachhinein zu Aufregung. Anfang November planten der Moderator und sein Team eine Sendung über schädliche Therapiemethoden und zum Thema „Mind Control“ –darunter versteht man eine angebliche Steuerung und Programmierung von Gedanken und Handlungen von Opfern durch Täter. Jedoch durfte die Sendung erst gar nicht ausgestrahlt werden. Die ZDF-Programmdirektorin Nadine Bilke soll die Ausstrahlung des Beitrags untersagt haben. Böhmermann sendete stattdessen am 7. November einen Beitrag zum Thema Rückgrat – vermutlich als ironische Anspielung auf die Entscheidung des ZDF.

 

Über diese nicht ausgestrahlte Sendung berichteten zuerst der Podcast „Geteiltes Leid“ der Produktionsfirma Undone sowie das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Eine Pressesprecherin des ZDF teilte auf Nachfrage unserer Zeitung mit, dass die Themenfindung in Abstimmung mit dem ZDF erfolge. Nicht alle Ideen würden eben umgesetzt. „Dies war bei dem Thema „Mind Control“ der Fall, das daher nicht als Sendung produziert wurde.“ Diese Entscheidung liege in der redaktionellen Verantwortung des ZDF und der Programmdirektion.

Wissenschaftlich belegt ist das Phänomen nicht

In der Sendung hätte laut „Spiegel“ das Thema „Mind Control“, eine angebliche Gedankenkontrolle von Opfern durch Täter, kritisch hinterfragt werden sollen. Oft wird diese Gedankenkontrolle in Verbindung mit ritueller, satanischer Gewalt genannt.

Wissenschaftlich arbeitende Verbände und Institutionen wie die Beratungsstelle Sekteninfo NRW und der Bundesverband der deutschen Psychologen betonen jedoch: Es sei unbestritten, dass es organisierte Kriminalität und schwere Formen des Missbrauchs gebe, jedoch gebe es keinerlei wissenschaftliche Beweise für die Rituelle-Gewalt-/ „Mind-Control“-Annahme.

Auch Jan Böhmermann hatte sich schon einmal in einer Sendung, im September 2023, mit Verschwörungsmythen rund um rituelle, satanische Gewalt und damit in Zusammenhang stehenden gefährlichen Therapiemethoden beschäftigt. Darin ging es vornehmlich um die Therapeutin Michaela Huber.

Nach der Sendung gingen beim Fernsehrat mehrere Beschwerden ein, unter anderem von der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs (UKASK), die in dem Beitrag eine gezielte Stimmungsmache gegen alle Betroffenen sexualisierter Gewalt gesehen haben soll. Der Fernsehrat gab der Beschwerde im Dezember 2023 statt. Die Sendung wurde daraufhin aus der Mediathek gelöscht.

Unter anderem die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN), die größte Fachgesellschaft in Deutschland, kritisierte in einem Schreiben an den Fernsehrat das Offlinenehmen der Sendung scharf und betonte, diese sei gut recherchiert gewesen.

Betroffene berichten von schädlichen Therapiemethoden

Kürzlich widmete sich auch die vierteilige Podcastserie „Geteiltes Leid“ der Produktionsfirma Undone fragwürdigen Therapiemethoden im Zusammenhang mit angeblicher ritueller Gewalt. Die Autorin und Host Olga Herschel, eine Kinder- und Jugendpsychiaterin, hat dazu mit Menschen gesprochen, die laut ihren Therapeuten angeblich in ihrer Kindheit Opfer von rituellem Missbrauch geworden seien. Die Betroffenen jedoch hatten vor ihrer Therapie selbst keinerlei Erinnerungen an einen Missbrauch.

Der Journalist Jochen Paulus berichtete im Februar in dem wissenschaftlich sehr fundierten Beitrag für das Hörfunkprogramm SWR 2 unter dem Titel „Erinnerung an sexuellen Missbrauch – echt oder eingeredet?“ darüber, wie falsche Erinnerungen mittels Suggestion in Therapien entstehen könnten.

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