Stuttgart - Kritiker des Bahnprojekts Stuttgart 21 haben nach einem Bericht von Report Mainz neue Zweifel an der Sicherheit der Tunnel. Weder der Fall eines Brandes noch die Rettung von eingeschränkt beweglichen Menschen in dem 60 Kilometer langen Tunnelsystem sei bei Computer-Simulationen durchgespielt worden. Dies ergebe sich aus einer Stellungnahme von Anwälten der Deutschen Bahn gegenüber dem Eisenbahnbundesamt, berichtet das ARD-P0litikmagazin in einem aktuellen Beitrag.
Die Gruppe „Ingenieure 22“ und weitere Kritiker hatten im vorigen Sommer bei der Behörde wegen des Brandschutzes Alarm geschlagen und umfassende Verbesserungen gefordert. In dem Schreiben der Bahn-Anwälte wird laut Report Mainz nun mitgeteilt, dass die Evakuierung nur für ein „Kalt-Ereignis“ simuliert worden sei, bei dem ein Zug im Tunnel zu stehen komme – etwa infolge einer Entgleisung. Dabei gingen von einem Brand mit der Entwicklung von Flammen und Rauchgasen deutlich größere Gefahren aus, bis hin zum Verbrennen oder Ersticken. Zudem werde eingeräumt, dass bei der Simulation „mobilitätseingeschränkte Personen nicht betrachtet worden“ seien – also vor allem behinderte und ältere Menschen.
Expertin zeigt sich „sehr erstaunt“
Die Brandschutz-Expertin Kathrin Grewolls von der Technischen Hochschule Regensburg äußerte sich gegenüber Report Mainz kritisch. Sie sei „sehr erstaunt, denn aus meiner Sicht gehören Brandsimulationen zum heutigen Stand der Technik“. Wenn das Szenario eines Brandes nicht durchgespielt worden sei, ergebe sich im Ernstfall ein „unkalkulierbares Risiko“. Es sei zu bezweifeln, ob sich Passagiere eines Zuges wirklich – wie bisher angenommen – innerhalb von 15 Minuten in Sicherheit bringe könnten. Grewolls wertet es nach Report-Mainz-Angaben als „Sicherheitslücke“, dass solche Simulationen nicht vorgeschrieben seien; hier sei die Politik gefragt. Die Professorin erwarte, dass weitere Maßnahmen notwendig würden und sich das Bahnprojekt dadurch verteuere und verzögere.
Die Bahn spricht laut dem ARD-Magazin von „Panikmache“. Die Tunnel von Stuttgart 21 erfüllten alle strengen Sicherheitsanforderungen. Das Brandschutzkonzept sei vom Eisenbahnbundesamt geprüft und genehmigt worden. Die Behörde ihrerseits verwies auf die Verantwortung der Bahn für den sicheren Betrieb. Alle Aspekte des Brandschutzes würden in den laufenden Verfahren erörtert und geklärt. Für Tunnel sei „ein Rettungskonzept aufzustellen, das die Selbst- und Fremdrettung gewährleistete“. Mithin sei die abschließende Brandschutz-Prüfung noch nicht erfolgt, folgert Report Mainz.