Rechtsextremismus Das Terrortrio war nicht allein

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Seit zwei Monaten wird in der Mordserie der Zwickauer "NSU" rund um das Terrortrio Zschäpe, Böhnhardt und Mundlos untersucht. Ein Zwischenstand.  

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Zwickau - Die Erkenntnis, dass Rechtsextremisten jahrelang mordend durch Deutschland ziehen konnten, hat die Republik erschüttert. Zehn Morde, zwei Sprengstoffverbrechen und mehrere Banküberfälle werden der Gruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" ("NSU") zugeschrieben. Hieß es anfangs, das Mordtrio sei eine isolierte Gruppe, wird inzwischen offenbar, dass es ein ganze Reihe von Unterstützern in Ost- wie Westdeutschland gab - und ein vielfältiges Versagen der Sicherheitsbehörden:

Die Terrorgruppe

Dem "Nationalsozialistischen Untergrund" gehörten nach Angaben der Bundesanwaltschaft Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe an. Böhnhardt und Mundlos kamen am 4. November in Eisenach zu Tode. Nach den Ermittlungen hatten sie Stunden zuvor dort eine Bank überfallen. Als Polizeibeamte sich ihrem in einer Anliegerstraße geparkten Campmobil näherten, soll Mundlos erst Böhnhardt erschossen, dann das Campmobil in Brand gesteckt und sich selbst getötet haben.

Beate Zschäpe soll wenige Stunden später in Zwickau-Weißenborn die gemeinsame Wohnung der drei in Brand gesteckt haben. Danach ist sie einige Tage untergetaucht. Am 8. November stellte sie sich der Polizei in Jena. Seitdem sitzt sie in Untersuchungshaft. Sie macht keine Aussagen.

Nach Angaben der Bundesanwaltschaft hat die Terrorgruppe, die sich spätestens 2001 ihren Namen gab, von Anfang an eine Mordserie gegen Menschen mit ausländischer Abstammung geplant. Als erklärtes Ziel sei der "Erhalt der deutschen Nation" genannt worden. Dies ergibt sich aus mehreren Bekennervideos, die inzwischen gefunden wurden.

Die Vorgeschichte

Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe sind in Jena aufgewachsen. Sie wuchsen dort in die Neonaziszene hinein und waren seit Mitte der neunziger Jahre Mitglieder des rechtsextremen "Thüringer Heimatschutzes". Böhnhardt wurde 1997 wegen Volksverhetzung verurteilt, nachdem er eine Puppe mit Judenstern an einer Autobahnbrücke aufgehängt hatte.

Im selben Jahr gerieten alle drei in Verdacht, nachdem vor dem Theaterhaus Jena ein Koffer mit einigen Gramm Sprengstoff deponiert worden war. Bei einer Hausdurchsuchung im Januar 1998 wurde in einer von Zschäpe angemieteten Garage eine Bombenwerkstatt mit fünf funktionsfähigen Rohrbomben ohne Zünder sowie 1,4 Kilo TNT gefunden. Böhnhardt war bei der Durchsuchung anwesend, konnte aber ungestört wegfahren. Unmittelbar danach tauchte das Trio in den Untergrund ab.

Mundlos (38) ist der Sohn eines Professors. Er galt als intellektueller Kopf der Zelle. Böhnhardt (34) wurde als ein besonders aggressiver Schläger beschrieben. Zschäpe (36), gelernte Gärtnerin, wird als zurückhaltend geschildert. Sie hatte eine Beziehung zunächst zu Mundlos, später zu Böhnhardt. Beide bezeichnete sie nach ihrer Festnahme als "meine Familie".

Die Ceská-Morde

Zwischen dem 9. September 2000 und dem 6. April 2006 beging der "NSU" neun Morde an Kleinunternehmern. Acht Opfer waren Türken oder türkischstämmig, einer Grieche. Alle Morde wurden mit derselben Waffe, einer Pistole des Typs Ceská CZ 83, begangen. Die Tatorte lagen in Nürnberg, Hamburg, München, Rostock, Dortmund und Kassel. Bei den Taten gab es eine Pause zwischen 2001 und 2004. 2006 brach die Mordserie ab. An der Täterschaft gibt es keinen Zweifel: Die Tatwaffe wurde in dem Campmobil bei Böhnhardt und Mundlos sichergestellt.

In der Zwickauer Wohnung wurden mehrere Propagandavideos aus den Jahren 2001 und 2007 mit Tatszenen gefunden. Die 2007 produzierte Fassung mit der Comicfigur "Paulchen Panther" wurde nach dem Tod von Böhnhardt und Mundlos an mehrere Adressaten verschickt. Bemerkenswert ist, dass auf dem Video aus dem Jahr 2001 insgesamt 14 Schaltflächen vorhanden waren, die "anschlagsbezogene Sequenzen" ankündigen. Dies lässt den Schluss zu, dass ursprünglich noch mehr Morde geplant waren.




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