Recycling-Stopp in China Die Welt erstickt im Plastikmüll

Von red/dpa 

China will nicht mehr die Weltmüllkippe sein und nimmt dem Ausland keinen Plastikmüll mehr ab. Dadurch drohen andere im Kunststoff zu ersticken.

Für Millionen Tonnen Plastikschrott muss durch Chinas Importstopp eine andere Lösung gefunden werden. Foto: EPA 10 Bilder
Für Millionen Tonnen Plastikschrott muss durch Chinas Importstopp eine andere Lösung gefunden werden. Foto: EPA

Portland - Nach dem chinesischen Importstopp für Plastikmüll werden sich Wissenschaftlern zufolge weltweit künftig noch mehr Kunststoffabfälle anhäufen. Reiche Staaten müssten einen Weg finden, um die Ansammlung eines der allgegenwärtigsten Materialien auf der Erde zu verlangsamen, fordern die Forscher in einer Studie.

Ihr Ziel war es, die Folgen des chinesischen Einfuhrverbots für Kunststoffmüll aus dem Ausland zu quantifizieren. Demnach müssen andere Staaten bis 2030 womöglich für mehr als 110 Millionen Tonnen Plastikschrott eine neue Art der Entsorgung finden. Das Verbot trat zum Jahreswechsel in Kraft, und das Müllproblem weltweit dürfte sich nach Ansicht der Wissenschaftler weiter verschärfen.

Reiche Länder sind auf China angewiesen

Reiche Staaten wie die USA, Japan und Deutschland haben ihr recycelbares Plastik lange nach China geschickt. Doch die Volksrepublik will nicht mehr die Müllkippe der Welt sein. Der Studie zufolge hat das Land seit 1992 mehr als 105 Millionen Tonnen Altkunststoff angenommen, was dem Gewicht von mehr als 300 Exemplaren des Empire State Buildings in New York entspricht.

Der Kurswechsel Pekings zwingt nun auch andere Länder zum Umdenken. Sie müssen bei den Materialien zum Recycling strenger selektieren und konsequenter sein bei der Wiederverwendung von Plastik, wie Amy Brooks sagt, Hauptautorin der Studie und Doktorandin in Ingenieurwesen an der University of Georgia.

Bis dahin werde voraussichtlich mehr Plastikmüll als bisher verbrannt oder auf Deponien gelagert werden, vermutet die Forscherin. „Das ist ein Weckruf“, sagt sie. „Wir waren traditionell darauf angewiesen, dass China diese recycelten Abfälle nimmt und jetzt sagen sie nein. Dieser Müll muss verwaltet werden, und wir müssen ihn korrekt verwalten.“

Die Studie wurde am Mittwoch in der Fachzeitschrift „Science Advances“ veröffentlicht und beruht auf Daten der Vereinten Nationen. Demnach stellte China bisher alle anderen Plastikimporteure in den Schatten: Seit 1992 nahm das Land etwa 45 Prozent des Kunststoffmülls weltweit auf. Das neue Verbot ist Teil einer größeren Kampagne gegen Abfall aus dem Ausland, den Peking als Gefahr für Gesundheit und Umwelt betrachtet.

Mehr Müll in asiatischen Ländern

Einige Länder verzeichnen seit Inkrafttreten des chinesischen Importstopps bereits eine Zunahme an Plastikmüll, darunter Thailand, Vietnam und Malaysia. Nach Angaben von Brooks denken sie inzwischen schon ihrerseits über Verbote nach, da ihnen eine baldige Überlastung droht.

Video: Plastikmüll in Indien

Die Studie veranschaulicht, dass Plastik mit seiner großen Bandbreite an Verwendungsmöglichkeiten und Zusammensetzungen schwieriger zu recyceln ist als andere Materialien wie Glas und Aluminium, wie die Expertin Sherri Mason erklärt.

Viele Verbraucher bemühten sich, Plastikprodukte zu recyceln, die am Ende aber gar nicht wiederverwertbar seien, sagt die Leiterin des Fachbereichs für Geologie und Umweltwissenschaften an der State University of New York in Fredonia, die an der Studie nicht beteiligt war. Eine mögliche Lösung wäre es, die Vielzahl an Kunststoffen in der Herstellung von Produkten zu begrenzen.

„Wir müssen uns mit diesem Material und seiner Nutzung auseinandersetzen, denn vieles davon ist Einweg- und Wegwerfplastik und dieses Material geht nicht weg“, erklärt Mason. „Anders als andere Materialien kehrt es nicht (in recycelter Form) auf den Planeten zurück.“

In den USA hat der chinesische Importstopp bereits die Aufmerksamkeit der Recycling-Industrie geweckt. Die Nationale Recycling-Vereinigung kündigte Mitte Mai eine neue Strategie bei der Sammlung und Verarbeitung von Wertstoffen sowie in der Öffentlichkeitsarbeit an.

„Wir müssen uns Gedanken machen über neue Verwendungsmöglichkeiten für diese Materialien“, sagt die Geschäftsführerin der Koalition, Marjorie Griek. „Und darüber, wie man Hersteller dazu bringt, ein Produkt zu entwerfen, das einfacher wiederzuverwerten ist.“