Redaktionsgarten in Stuttgart-Möhringen Das große Käfer-Massaker

Kartoffelkäfer, so weit das Auge reicht: In unserem Redakteursgarten gibt es eine Kartoffelkäferplage. Was kann man gegen die Schädlinge tun, die die Kartoffelpflanzen verspeisen?

Die Larven des Kartoffelkäfers sind  rot und gut zu erkennen. Foto: Fritzsche
Die Larven des Kartoffelkäfers sind rot und gut zu erkennen. Foto: Fritzsche

Stuttgart-Möhringen - Überall sitzen sie: Unter den Blättern kleben die kleinen gelben Eierhäufchen, und obendrauf hocken die orangeroten Larven und die ausgewachsenen Kartoffelkäfer mit ihrem gestreiften Panzer. Alle Kartoffelpflänzchen auf dem Redaktionsacker sind befallen, und auch die Stauden in den Nachbargärten sind mit orangeroten Punkten gespickt.

Was tun gegen die Krabbeltiere, die unsere Kartoffelpflanzen verspeisen? Der Newsletter, den das „Meine Ernte“-Team verschickt, ist eindeutig: „Bitte kontrolliert ab sofort regelmäßig die Blattunterseiten und zerdrückt die orangefarbenen Eier oder wischt diese mit einem Taschentuch ab. Lebendige Kartoffelkäfer müssen leider getötet werden, es gibt keine Alternative gegen diesen aggressiven Schädling.“ Wer die Käfer nicht töten will, soll die Kartoffelpflanzen sogar herausreißen, lautet die Anweisung – damit die Käfer nicht zu den Nachbarpflanzen wandern und sich dort sattfressen.

Ich tue mich schwer damit: Gärtnern ist das eine, Käfer totmachen das andere. Denn es sind ja nicht nur ein, zwei, drei Käfer: Jeden Morgen, wenn ich auf den Acker gehe, sind die Kartoffelstauden voll belegt, ich streife Eier ab und zertrete Larven und Käfer, der Boden zwischen den Pflanzen ist bedeckt von Leichen, wie ein Schlachtfeld im Krieg. Ich fühle mich schlecht dabei und wasche mir hinterher Käferinnereien von den Händen. Am nächsten Morgen begrüßen mich trotzdem wieder zahllose neue Viecher.

Dieses Jahr gibt es besonders viele Kartoffelkäfer

Langsam mache ich mir Sorgen: Einige Kartoffelstauden sehen schon recht angefressen aus. Meine Sisyphusarbeit wird nicht weniger, im Gegenteil. „Dieses Jahr ist es ganz schlimm mit den Kartoffelkäfern“, ruft ein anderer Gärtner zu mir herüber, der ebenfalls gerade seine Kartoffelpflanzen absucht. „Ich muss sogar zweimal am Tag kommen und die Viecher wegmachen“, sagt er.

Der Bauer Klaus Brodbeck, auf dessen Acker wir unser Gartenglück suchen, kann bestätigen: „Dieses Jahr sind es ausgesprochen viele Kartoffelkäfer.“ Das Wetter sei schnell sehr warm geworden – perfekte Bedingungen für die Krabbeltiere. Einen Geheimtipp ohne das Zerdrücken hat er allerdings auch nicht parat: „Absuchen, entfernen und töten – das ist leider die einzige Möglichkeit.“ Schädlingsbekämpfungsmittel sind nicht erlaubt: Brodbecks Flächen sind bio-zertifiziert, also unser Gemüsegarten auch. Sucht der Bauer Brodbeck auch seine Kartoffelpflanzen regelmäßig nach Käfern ab? „Wenn man eine große Fläche mit Kartoffelpflanzen hat und nicht nur ein paar Reihen wie in den Gemüsegärten, dann läuft es ein bisschen anders“, erklärt er. Zum einen könne man den Befall durch Absuchen recht schnell eindämmen, da er meist an einer Ecke des Feldes beginne, und zum anderen wüchsen die Kartoffelpflanzen in der Menge auch viel schneller. „Wir sind am Überlegen, ob wir zugelassene Pflanzenschutzmittel einsetzen, das steht aber noch nicht fest“, sagt Brodbeck.

Er ist optimistisch, was meine Anstrengungen gegen den Kartoffelkäfer angeht: „Wenn Sie regelmäßig die Pflanzen absuchen und Käfer, Larven und Eier entfernen, stehen die Chancen gut, dass die Kartoffelpflanzen es schaffen“, meint er. Mit den Larven und Eiern falle dann ja die nächste Generation an Kartoffelkäfern aus.

Früher haben Schulklassen Kartoffelfelder nach dem Schädling abgesucht

Der Kartoffelkäfer ist übrigens ein Einwanderer aus den USA: In den 1870er Jahren ist er erstmals in Europa aufgetreten, zunächst in Hafenstädten wie Rotterdam und Liverpool, in Deutschland zuerst in Mülheim am Rhein und Torgau. Oftmals gab es in Dörfern Suchkolonnen, die die Kartoffelpflanzen auf den Feldern absuchten. War der Befall besonders schlimm, wurden sogar ganze Schulklassen zum Dienst eingeteilt, um die Kartoffelpflanzen von dem Schädling zu befreien. Das kann auch Klaus Brodbeck bestätigen: In seiner Verwandtschaft findet sich eine Tante, die in ihrer Kindheit gemeinsam mit ihren Klassenkameraden am Fasanenhof Kartoffelkäfer von den Feldern gesammelt hat.

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