Rede in Davos Trump sendet Botschaft der Stärke

Von Hannes Koch 

Der US-Präsident legt in der Schweiz einen selbstbewussten Auftritt hin. Und während sich viele Politiker schon vor seiner Ankunft an ihm abgearbeitet haben, schlägt Donald Trump aus der Riege der Manager durchaus Wohlwollen entgegen.

Das Boulevardblatt „Blick“ freut sich, dass US-Präsident  Trump in der Schweiz weilt. Das  ging allerdings nicht allen so. Foto: AP
Das Boulevardblatt „Blick“ freut sich, dass US-Präsident Trump in der Schweiz weilt. Das ging allerdings nicht allen so. Foto: AP

Davos - Um ihn zu sehen, reihen sich die Leute anderthalb Stunden vorher in die rasch wachsende Warteschlange ein. Ein paar Hundert Leute sind es schon, denn Donald Trump ist zweifellos eine Attraktion. Erst wurde der US-Präsident eingeladen und meldete sich nicht. Dann sagte er zu, und alle waren aus dem Häuschen. Dann war fraglich, ob er wirklich kommt. Und jetzt ist er tatsächlich da. An diesem Freitag fiebert das Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos seinem Höhepunkt entgegen, kurz bevor der viertägige Kongress der globalen Wirtschafts- und Politikelite am Abend zu Ende geht. Die Rede des US-Präsidenten ist das wichtigste Ereignis – auch wenn viele hier davon wenig begeistert sind.

Der andere emotionale Höhepunkt des diesjährigen WEF hat schon stattgefunden. Dort, wo gleich Trump auftreten wird, hielt am Mittwoch Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron seine mehr als einstündige Rede. Im großen Saal vor Hunderten Zuhörern plädierte er für ein starkes Europa, Freiheit, soziale Gerechtigkeit und Klimaschutz. Es war eine Ansprache vor der Schlacht, gehalten in fast jugendlichem Überschwang, für alles Gute, und zwar sofort, weltweit. Macron formuliert den rhetorisch-moralischen Konsens, den zahlreiche Teilnehmer des Forums teilen. Als er endet, springen viele auf, umringen ihn, wollen ihn sprechen, machen Selfies. Macron lacht.

„Wir haben die besten Arbeiter der Welt“

Jetzt werden die Türen zum Saal geöffnet. Unter den Blicken des Sicherheitspersonals muss jeder seinen WEF-Ausweis scannen lassen. Bald sind alle 1500 Plätze besetzt. Auf der Bühne stehen links und rechts des weißen Pults Teleprompter, dahinter in sehr großen Buchstaben das Motto des Treffens: „Verpflichtet, die Welt zu verbessern“. Und nun tritt Donald Trump auf die Bühne. In seiner 15-minütigen Rede sendet der US-Präsident eine Botschaft neuer amerikanischer Stärke. Er lädt ausländische Unternehmen ein, in den USA zu investieren und betont, dass die Interessen seines Landes für ihn immer an oberster Stelle stehen. Wenn es den USA gut gehe, würden andere auch profitieren, erklärt Trump.

„Nach Jahren der Stagnation erleben die USA jetzt starkes Wachstum. Seit meiner Wahl klettern die Aktienkurse. Die Arbeitslosigkeit unter afroamerikanischen Bürgern ist so niedrig wie noch nie“, lobt er die Wirtschaftspolitik seiner Regierung. „Amerika ist wieder konkurrenzfähig. Ich habe eine einfache Botschaft: Es gibt keine bessere Zeit, um in den USA Geschäfte zu machen.“ Er setzt hinzu: „Wir haben die besten Arbeiter der Welt.“

Dann erklärt er, dass er daran arbeite, das „internationale Handelssystem zu reparieren“. „Wir können keinen offenen Handel betreiben, wenn andere das System ausbeuten. Wir wollen fairen Warenaustausch, aber das muss gegenseitig erfolgen.“ Ohne China oder die EU zu nennen, wirft er anderen Ländern vor, Protektionismus zulasten der USA zu betreiben.

Trump tritt eine Phalanx von Politikern entgegen

Außenpolitisch kündigt er eine „Kampagne des maximalen Drucks“ an, um Nordkorea die Atomwaffen wegzunehmen. Iran dürfe keinen Zugang zu denselben erhalten. Der Präsident endet mit dem Satz: „Die Zukunft Amerikas war nie verheißungsvoller als jetzt.“

Seine Positionen vertritt Trump klar und deutlich – wohl wissend, dass sich während der vergangenen Tage des WEF eine Phalanx von Politikern gegen dieses Programm der Einseitigkeit ausgesprochen hat. Außer Macron waren das Bundeskanzlerin Angela Merkel, Italiens Regierungschef Paolo Gentiloni, die Premierminister von Kanada und Indien, Justin Trudeau und Narendra Modi. Mit unterschiedlicher Nuancierung plädieren sie alle für Multilateralismus – das gemeinsame Aushandeln von Lösungen auf Augenhöhe.

Die Attacken des US-Präsidenten und seine Skepsis gegenüber der globalen Verhandlungskultur haben nun zwei Wirkungen. Erstens rücken die Trump-Gegner zusammen. Zu beobachten war das, als Trudeau verkündete, das transpazifische Freihandelsabkommen TPP werde notfalls eben ohne die USA abgeschlossen. Aufhorchen ließen auch Merkels und Macrons Versprechen, die EU stärken zu wollen.

Der Siemens-Vorstand beglückwünscht Trump

Die zweite Wirkung besteht darin, Trumps Kritik aufzunehmen und ins Positive zu wenden. Der Unter- und Mittelschicht in den reichen Ländern, die ihre Jobs, Einkommen und Sicherheit gefährdet sehen, verspricht man eine soziale Globalisierung. Das ist der Kern von Macrons Politik. Dabei handelt es sich aber um ein politisches Projekt, das in Davos kein Konsens ist. Viele Manager finden Trumps Wirtschaftspolitik gut. Beim Essen der europäischen Unternehmen am Donnerstagabend beglückwünscht Siemens-Vorstand Joe Kaeser Trump „zur Steuerreform“. Deshalb habe Siemens entschieden, eine neue Generation von Gasturbinen in den USA zu entwickeln.

Nach seiner Rede erhält Trump keine Ovationen im Stehen wie Macron. Es gibt zehn Sekunden spärlichen Beifall. Vor der Tür protestieren zwei junge Frauen, die T-Shirts mit der Aufschrift „not my president“ tragen. Trump macht dennoch einen zufriedenen Eindruck.




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