Regeln bei Facebook Warum Stuttgart nicht Stuttgart heißen darf

Von Marc Hippler 

Facebook setzt sein Hausrecht durch: Fanseiten von Städten dürfen nicht mehr den Namen der Stadt tragen – sogar dann nicht, wenn die Kommune selbst dahinter steckt. In Stuttgart bleibt man gelassen – und will aus Münchens Trauma lernen.

Auf Facebook heißt die Seite der Stadt einfach: Stuttgart. Doch das dürfte sich bald ändern. Screenshot: StZ 29 Bilder
Auf Facebook heißt die Seite der Stadt einfach: Stuttgart. Doch das dürfte sich bald ändern. Screenshot: StZ

Stuttgart - Roland Emmerich hätte es nicht dramatischer inszenieren können. Von einem Tag auf den anderen war München verschwunden. Eine ganze Stadt: einfach weg. Dahinter steckten allerdings weder Außerirdische noch Naturkatastrophen, sondern eine Firma namens Facebook. Die ließ im vergangenen Februar die Fanseite der Stadt mitsamt 400.000 Anhängern aus dem sozialen Netzwerk entfernen. Begründung: Eine neue Richtlinie für Fanseiten, die nicht mehr so heißen dürften wie Städte. Nicht nur für die Münchner war das ein ziemlicher Schock. Der Vorgang hat nämlich gezeigt, wie sehr auch gestandene Institutionen wie eine deutsche Kommune von den Regeln des Netzwerks abhängig sind. München ist längst wieder auferstanden, als „Stadtportal.München“. Doch jetzt sieht es so aus, als sei das nur der Anfang gewesen.

Derzeit schreibt Facebook die Administratoren von Seiten an, die Städtenamen tragen, und fordert sie dazu auf, den Namen innerhalb von drei Wochen zu ändern. Andernfalls riskiere man, als Administrator, also als derjenige, der die Seite betreut, entfernt zu werden. Facebook hat nämlich ganz eigene Vorstellungen davon, welche Namen die Fanseiten tragen dürfen und welche nicht. „Sie dürfen nicht aus allgemeinen Begriffen bestehen“, heißt es in den Richtlinien. „Bier“ oder „Pizza“ sind nicht erlaubt, auch Beschreibungen wie „Das Original“ sind tabu. Und eben auch: Städtenamen. „Niemand kann eine Stadt oder ein Land für sich beanspruchen“, sagt Facebook. Offenbar nicht einmal die Städte selbst.

Stuttgart war durch München gewarnt

Markus Vogt, Sprecher der Stadt Stuttgart, ist nicht überrascht von der Aufräumaktion des sozialen Netzwerks: „Wir haben damit gerechnet“, sagt er. Für ihn war es nur eine Frage der Zeit, bis das, was München passiert ist, auch auf Stuttgart zukommt. Dass die Facebookseite der Stadt verschwindet, soweit will es Vogt aber nicht kommen lassen: „Wir überlegen uns einen neuen Namen“, sagt er, und hält die neuen Richtlinien für nicht besonders dramatisch: „Viel wichtiger ist, dass wir auf Facebook von den Bürgern gefunden werden. Und dafür werden wir auch weiterhin sorgen.“

Auf der Facebookseite der Stadt ist bereits eine rege Diskussion darüber entstanden, wie die Seite künftig heißen könnte.

Auch Ludwigsburg dürfte von der neuen Regelung betroffen sein. Die Fanseite trägt nicht nur den Namen der Stadt, auch die Internetadresse, die so genannte Vanity-Url (facebook.com/ludwigsburg), müsste sich demnach bald ändern. Bisher habe die Stadt aber noch keine Post von Facebook erhalten, sagt Sprecherin Meike Wätjen.

Facebook hat das Hausrecht

In vielen Rathäusern und Tourismuszentralen des Landes dürfte es jetzt also ein ähnliches Bild geben: Wer für den Auftritt auf Facebook zuständig ist, muss schnell einen neuen Namen finden. Das Problem ist nur: Wer nicht offiziell von Facebook benachrichtigt wurde, kann seine Seite gar nicht ohne Weiteres umbenennen, das geht nur, solange die Seite nicht mehr als 200 Fans hat. Im Hilfebereich bei Facebook heißt es: „Wenn du den Namen einer Seite mit mehr als 200 ‚Gefällt mir’-Markierungen ändern willst, musst du deine Seite löschen und neu erstellen.“ Facebook hat jedoch nach eigenen Angaben die Betreiber großer Fanseiten kontaktiert. Ihnen soll offenbar bei der Umstellung geholfen werden, damit ihre mühsam aufgebauten Kontakte erhalten bleiben.

Der Stuttgarter Rechtsanwalt Carsten Ulbricht, spezialisiert auf Internetrecht, sieht keine gesetzliche Möglichkeit für die Kommunen, auf den eigenen Namen bei Facebook zu bestehen: „Es gilt eine Art erweitertes Hausrecht“, sagt Ulbricht. Das heißt: Facebook macht die Regeln, an die sich dann auch die Städte halten müssen. Die einzige Möglichkeit, den Städtenamen zurückzufordern gäbe es nur dann, wenn bei einer Fanseite gleichen Namens eine Verwechslungsgefahr mit der Stadt bestünde, sagt Ulbricht. Doch bislang sieht es eher so aus, als würde es erst einmal gar keine Fanseiten mit generischen Städtenamen mehr geben. Was Facebook damit in der Zukunft vor hat, bleibt erst einmal offen.

Sonderthemen