Bei Spiel gegen Türkspor Neckarsulm Ordner bittet Backnang-Fan, Regenbogenflagge zu entfernen – WFV reagiert

Das Bild ist von einem anderen Spiel, als die bunte Flagge hängen bleiben konnte. Der Backnanger Fan hatte die Regenbogenfahne auch in Neckarsulm bereits mit Kabelbindern am Spielfeldrand befestigt, kurz vor Anpfiff sollte er sie wieder abnehmen. Foto: privat

Ein Fan der TSG Backnang will beim Oberliga-Spiel gegen Türkspor Neckarsulm eine Regenbogenflagge zeigen. Dann bittet ihn ein Ordner, sie wieder abzuhängen. Der WFV schaltet sich ein.

Dass die Regenbogenflagge im Fußball polarisiert, hatte vor vier Jahren bereits die Fußball-EM gezeigt: Für das Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Ungarn sollte die Allianz Arena in den bunten Farben erstrahlen. Damit wollte der Münchner Stadtrat ein Zeichen gegen Homophobie und für Vielfalt setzen sowie gegen ein umstrittenes Gesetz in Ungarn protestieren. Kritiker sprachen von einem diskriminierenden Gesetz und einem Eingriff in die Rechte von LGBTQIA++-Personen, also Menschen, die sich nicht innerhalb der heterosexuellen und cisgeschlechtlichen Norm verorten, zum Beispiel Homosexuelle oder Transgender.

 

„Unsere Zuschauer wollen das nicht“, hieß es von einem Ordner

Doch dann durchkreuzte die Europäische Fußball-Union (Uefa) die Pläne: Die Uefa sei „eine politisch und religiös neutrale Organisation“, hieß es damals in der Begründung des Verbands. Und weil die Regenbogen-Farben eine Reaktion auf eine Entscheidung des ungarischen Parlaments seien, bewege sich der Wunsch aus München im politischen Kontext. Im Anschluss gab es Kritik an der Uefa-Entscheidung.

Am vergangenen Wochenende ist es auch abseits der ganz großen Fußball-Bühne zu einem Vorfall mit der bunten Flagge gekommen: Beim Oberliga-Spiel zwischen Türkspor Neckarsulm und der TSG Backnang (1:1) hatte ein Fan der Backnanger eine Regenbogenflagge mit Kabelbindern bereits am Spielfeldrand angebracht. Doch zu seiner Verwunderung bat ihn kurz vor dem Anpfiff ein Ordner der Heimmannschaft, die Flagge mit den bunten Farben wieder abzuhängen: „Unsere Zuschauer wollen das nicht“, hieß es. Was genau sie an dieser Flagge auszusetzen hatten, blieb unklar. Zuerst hatte die „Heilbronner Stimme“ darüber berichtet.

Fan der TSG Backnang meldet Vorfall dem WFV

„Ich habe ihm gesagt, dass ich dafür kein Verständnis habe und, dass das eine Fan-Fahne sei, die ich auch bei anderen Spielen schon gezeigt habe“, berichtet der langjährige TSG-Anhänger gegenüber unserer Zeitung. Doch der Ordner habe entgegnet: „Das ist keine Fan-Fahne. Lügen Sie mir nicht ins Gesicht“, zitiert ihn der Backnanger, der nicht mit seinem Namen in der Zeitung stehen möchte.

„Inständig“ habe ihn der Ordner darum gebeten, die Flagge wieder zu entfernen. Nach der kurzen Diskussion hat der Backnanger widerwillig eingelenkt und sei der Bitte nachgekommen. Auch mehrere Tage danach sagt er: „Im Jahr 2025 habe ich dafür keinerlei Verständnis.“ So etwas sei ihm auf keinem anderen Sportplatz passiert.

Zudem hat der 52-Jährige den Vorfall dem Württembergischen Fußballverband (WFV) gemeldet. Ein WFV-Sprecher bestätigt das auf Anfrage unserer Zeitung: „Der Vorfall wurde uns vom betroffenen Anhänger der TSG Backnang detailliert geschildert“, heißt es. Für das Sportgericht sei der Fall jedoch „nicht relevant“. Der Verband habe aber Kontakt mit Türkspor Neckarsulm aufgenommen und „eine vereinsinterne Aufarbeitung des Vorfalls angeregt“, teilte der WFV-Sprecher mit. Zudem habe man „zum Ausdruck gebracht, dass wir verbandsseitig das ordnungsgemäße Anbringen einer Zaunfahne mit Regenbogen-Motiv unbedingt unterstützen“.

Türkspor Neckarsulm reagiert nicht auf eine Anfrage

Türkspor Neckarsulm hat auf eine Anfrage unserer Zeitung bislang nicht reagiert. Im Bericht der „Heilbronner Stimme“ erklärte der Vorstand Cumali Ardin, dass ihm der Vorfall „nicht bekannt“ sei. Generell gelte bei Türkspor Neckarsulm jedoch die Devise, „politische Sachen“ außen vor zu lassen. Eine Regenbogenflagge sehe er wiederum nicht als politisches Zeichen, sagte Ardin.

Für den Backnanger Fan sind die bunten Farben ein Zeichen gegen Homophobie und Rassismus – und das Signal, dass im Fußball „alle ihren Platz haben und sich wohlfühlen sollen“.

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