Regierungserklärung zur Schuldenkrise Schnelle Korrekturen sollen getroffen werden

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Merkels Rede hat noch andere Adressaten: ihre eigenen Leute, natürlich. Ihnen gilt die Ankündigung, sie wolle sich dafür einsetzen, die europäischen Verträge so zu ändern, dass Möglichkeiten geschaffen würden, gegen Schuldensünder "durchzugreifen". Manche dieser Ankündigungen klingen so, als sollten sie durchdringen bis nach Brüssel, wo Merkel später dann weiterverhandelt. Nirgendwo stehe geschrieben, dass die fälligen Korrekturen am Regelwerk der EU "immer eine Dekade" dauern müssten. Die Kanzlerin sieht Deutschland auch hier als Musterbeispiel: Der Einigungsvertrag sei damals in wenigen Monaten fertig geworden.

Historisches Pathos ist Merkels Sache nicht. An diesem Tag verfällt sie gleichwohl in eine Tonlage, die daran erinnert. Sie nennt die Herausforderung, die es für Europa zu meistern gelte, "die größte Belastungsprobe, die es je gegeben hat". Das gilt auch für Merkel ganz persönlich. Die Krise des Euro bedeutet für ihre Regierung eine Zerreißprobe - ihre Bewältigung könnte Merkels letzte Chance sein, die nächste Wahl noch einmal zu bestehen.

Merkel sympathisiert mit Demonstranten

Sie erklärt die Rettung der Gemeinschaftswährung zu ihrem ganz "persönlichen Anliegen" - und verschweigt auch nicht die Risiken, die es dafür in Kauf zu nehmen gelte. Aus Merkels Mund hört sich das alternativlos an: "Wenn ich es für vertretbar halte, muss ich es eingehen, auch wenn es ein Risiko ist." Auch auf politische Risiken kommt die Kanzlerin zu sprechen. Sie erwähnt die Protestaktionen vor Banken, bekundet "großes Verständnis" für die Demonstranten.

SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier wundert sich prompt, dass die Abgeordneten der FDP und der CSU dieser Kanzlerin überhaupt noch Beifall spenden. Was er Merkel zu sagen hat, klingt nicht nach einer heimlichen Neuauflage der Großen Koalition, eher nach einer großen Abrechnung. Er lastet der Regierung einen "unverschämten" Umgang mit dem Parlament an, sie habe "Informationen zurückgehalten" und "Nebelkerzen gezündet". Das Krisenmanagement der Kanzlerin umschreibt er mit dem "Merkel'schen Gesetz": Je bestimmter sie etwas ausschließe, desto sicherer werde es hinterher realisiert.

Die Kanzlerin ist sich ihrer Sache sicher

Die Stimmen der Sozialdemokraten für Merkels Rettungspolitik, so Steinmeier, seien dem europäischen Projekt geschuldet, das "auf der Kippe" stehe. Er will die Unterstützung nicht missverstanden wissen. Es werde schließlich nicht über die Regierung abgestimmt - eine Regierung, die "schon gescheitert" sei.

Die Kanzlerin scheint das alles nicht zu bekümmern. Sie lauscht den Mängelrügen des SPD-Mannes ohne erkennbares Missvergnügen, plaudert derweil mit ihrem Nebensitzer, dem liberalen Vizekanzler Philipp Rösler, der ansonsten an diesem Tag keine Rolle spielt. Merkel ist sich ihrer Sache offenbar sehr sicher - obwohl sie weiß, dass noch "ein mühevoller Weg" vor ihr liegt und die Euromisere nicht mit einem "Paukenschlag" zu beenden sei. Der mühevolle Weg wird zunächst in Brüssel und demnächst auch wieder im deutschen Parlament fortzusetzen sein. Anders als ihr Fraktionschef Volker Kauder deutet Merkel an, dass sie erwägt, die Details des Rettungskonzepts erneut vom Plenum des Bundestags billigen zu lassen.