Regierungskrise in Österreich FPÖ will möglicherweise Kurz stürzen

Von red/dpa 

Kommt es zum Sturz von Kanzler Kurz? Nach dem Bruch der rechtskonservativen Regierung in Österreich erwägt die rechte FPÖ, ihm ihr Misstrauen auszusprechen.

Norbert Hofer (l), designierter FPÖ-Parteichef, und Herbert Kickl (FPÖ), ehemals Innenminister. Foto: dpa
Norbert Hofer (l), designierter FPÖ-Parteichef, und Herbert Kickl (FPÖ), ehemals Innenminister. Foto: dpa

Wien - Nach dem Bruch der rechtskonservativen Regierung in Österreich erwägt die rechte FPÖ, sich am Sturz von Kanzler Sebastian Kurz zu beteiligen. „Es wäre ja fast naiv von Kurz anzunehmen, dass wir Freiheitlichen nach dem Misstrauen von Kurz gegen uns kein Misstrauen gegen ihn haben“, sagte FPÖ-Politiker Herbert Kickl (FPÖ) der Zeitung „Österreich“. ÖVP-Chef Kurz hatte am Montag die Entlassung Kickls als Innenminister vorgeschlagen, daraufhin kündigten alle FPÖ-Minister ihren Rücktritt aus der Regierung an.

„Wer Misstrauen gibt, kriegt Misstrauen“

In einer Sondersitzung des Parlaments, wahrscheinlich am Montag, könnte nun eine Mehrheit Kurz das Misstrauen aussprechen. Sollte das passieren, müsste Bundespräsident Alexander Van der Bellen einen neuen Regierungschef ernennen. „Wann immer die Sondersitzung stattfindet: Wer Vertrauen gibt, erhält Vertrauen. Wer Misstrauen gibt, kriegt Misstrauen“, sagte Kickl der Zeitung. Kurz habe das Tischtuch ohne Not zerschnitten. „Kurz hat sich in eine Sackgasse manövriert und vielleicht nicht damit gerechnet, dass wir Freiheitliche eben nicht Regierungsämter mit aller Macht verteidigen wie andere.“

Die Video-Affäre um die bisherige Regierungspartei FPÖ und Parteichef sowie Vizekanzler Heinz-Christian Strache hat Österreich wenige Tage vor der wichtigen Europawahl in eine Regierungskrise getrieben. In dem am Freitag von „Spiegel“ und „Süddeutscher Zeitung“ veröffentlichten Video aus dem Jahr 2017 werden möglicherweise illegale Parteispenden an die FPÖ thematisiert. Zudem stellt der inzwischen zurückgetretene Strache einer angeblichen russischen Oligarchen-Nichte bei einem Treffen auf Ibiza öffentliche Aufträge in Aussicht, sollte sie der FPÖ zum Erfolg bei den Nationalratswahlen 2017 verhelfen.