Regierungskrise in Wien Tausendsassa vor dem Aus

Schatten über Sebastian Kurz: Österreichs Bundeskanzler steht unter Korruptionsverdacht. Foto: AFP/Stefanie Loos

Die Korruptions- und Untreuevorwürfe gegen Österreichs Bundeskanzler dürften seine Regierung sprengen.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Armin Käfer (kä)

Stuttgart - Sebastian Kurz verfügt über vielerlei Eigenschaften, die in der Politik nützlich sein können: Machtinstinkt, Chuzpe, Flexibilität und destruktives Potenzial. Er hat schon mit Sozialdemokraten, Rechtspopulisten und Grünen regiert – aber alle diese Regierungen gegen die Wand gefahren. Seine aktuelle Koalition steht kurz vor dem Scheitern. Die Ruchlosigkeit, mit der er sich an die Macht geboxt und dort behauptet hat, entfaltet nun für ihn selbst destruktives Potenzial. Noch sind die Korruptionsvorwürfe gegen ihn nicht erwiesen. Offenkundig ist jedoch, dass der neue Stil, den er versprochen hatte, mit alten Übeln einhergeht.

 

Falls Kurz über die Affäre stolpert, würde vielen Konservativen in Europa, darunter reihenweise Politiker der christlich etikettierten Parteien, ein Vorbild abhandenkommen. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat den alpinen Tausendsassa ebenso bewundert wie der bisher verhinderte CDU-Chef Jens Spahn. Kurz steht für ein neues Modell von Politik, das Parteien allenfalls noch als Machtvehikel benötigt und auf maximale Personalisierung setzt. Er agierte wie ein demokratisch legitimierter Sonnenkönig. Doch damit könnte bald Schluss sein.

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