Regierungspräsidium Freiburg Politisch inkorrekter Betriebsausflug

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Hunderte Kilometer mit Auto und Motorrad, nur zum Jux – wie passt das zum Kurs des Landes im Klimaschutz? Das Regierungspräsidium Freiburg verteidigt seinen Betriebsausflug: man wolle die Mitarbeiter nicht ökologisch erziehen.

Einst von den Grünen vorgeschlagen: Regierungspräsidentin Bäbel Schäfer Foto: dpa
Einst von den Grünen vorgeschlagen: Regierungspräsidentin Bäbel Schäfer Foto: dpa

Stuttgart - Der diesjährige Betriebsausflug des Regierungspräsidiums Freiburg ist schon ein paar Wochen her. Doch einige pikante Fragen dazu sind bisher offen geblieben. Wie umweltfreundlich sollten die Mitarbeiter einer Behörde „ausfliegen“, die die Grünen-geführte Landesregierung in Südbaden vertritt und deren Präsidentin von den Grünen vorgeschlagen wurde? Und ist es überhaupt noch zeitgemäß, dass Beamte auf Kosten der Steuerzahler einen Tag lang dem Vergnügen frönen, anstatt ihre Arbeit zu tun?

Mit solchen Fragen sah sich die Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer (parteilos) im Vorfeld des Ausflugs 2018 konfrontiert. Anonym hatte sich ein Mitarbeiter an sie gewandt, weil ihm zwei Angebote sauer aufgestoßen waren. Offeriert wurde eine Motorradtour durch die Vogesen mit Rast an beliebten Bikertreffs – Länge: etwa 220 Kilometer – oder eine Cabrio-Ausfahrt in den Mittleren Schwarzwald. Rund 170 Kilometer wolle man zwischen Hornberg und Königsfeld durch die Gegend fahren, am besten in acht bis zehn offenen Wagen „mit Zweierbesetzungen“. Macht zusammen bis zu 1700 Cabrio-Kilometer und womöglich noch mehr per Motorrad.

Kluft zwischen Reden und Handeln?

Vielleicht habe er zu viele Reden von Ministerpräsident Kretschmann oder Umweltminister Untersteller gehört, schrieb der Beamte an Schäfer. Womöglich habe er auch zu viel in den Leitbildern der Landesregierung oder ihrer Mittelbehörde gelesen. Jedenfalls habe er fest verinnerlicht, „dass der wirksamste und wichtigste Beitrag zum Klimaschutz der ist, den Ausstoß von schädlichen Klimagasen wie z.B. Kohlendioxid schlicht zu vermeiden“. Und da biete das Regierungspräsidium allen Ernstes diese beiden Ausflüge an? Wenn es seine Vorbildfunktion ernst nehme und Reden und Handeln nicht auseinanderklaffen sollten, könne das nur ein „Schildbürgerstreich“ sein. Sonst werde ja durchaus aufs Energiesparen getrimmt – etwa mit dem Appell, zum Dienstschluss ja die Bildschirme auf Stand-by zu schalten.

Direkt antworten konnte Schäfer ihrem irritierten Mitarbeiter nicht, weil der lieber unerkannt blieb. Gegenüber unserer Zeitung nahm ihr Sprecher nun aber zu der Kritik Stellung. Organisiert werde der jährliche Ausflug vom Personalrat, der dafür Vorschläge aus der Belegschaft einhole. Neben den beiden monierten gebe es auch Wanderungen, Radtouren oder thematische Führungen. Alles werde gesichtet, nur Unternehmungen mit einem „unangemessen hohen Gefahrenpotential“ schließe man aus. Motorrad oder Cabrio aber seien kein Tabu. Der Personalrat sehe es nämlich nicht als seine Aufgabe an, die RP-Beschäftigten „ökologisch zu erziehen“.

Betriebsausflüge grundsätzlich verteidigt

Grundsätzliche Zweifel an der Berechtigung von Betriebsausflügen lässt der Sprecher ebenfalls nicht gelten. Die 1700 Beschäftigten seien auf 15 Dienstgebäude verteilt und würden sich oft nur vom Telefon- oder Mailkontakt kennen. Da sei das gemeinsame Ausfliegen „förderlich für die abteilungsübergreifende Zusammenarbeit und für das interne Betriebsklima“. Geld gebe es vom RP keines, nur die Freistellung für einen Tag. Die aber werde durch die positiven Effekte „mehr als aufgewogen“. Bei der Kritik handele es sich im Übrigen um einen „Einzelfall“.