Regierungspräsidium Freiburg rechnet mit Baubeginn 2018 Tunnel soll gefährliche A-98-Abfahrt ersetzen

So sieht die A 98-Abfahrt aus der Luft aus – die Trasse ist schmal und hat enge Kurven. Foto: Erich Meyer
So sieht die A 98-Abfahrt aus der Luft aus – die Trasse ist schmal und hat enge Kurven. Foto: Erich Meyer

Bereits 2018 könnte ein Tunnel die A-98-Abfahrt bei Hauenstein (Kreis Waldshut) entschärfen. Sie gilt als eine der gefährlichsten Autobahnzufahrten in Baden-Württemberg, weil sie ein Gefälle von bis zu neun Prozent hat.

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Hauenstein - Bereits in drei Jahren könnte ein Tunnel die A-98-Abfahrt bei Hauenstein (Kreis Waldshut) entschärfen, die als eine der gefährlichsten Autobahnzufahrten in Baden-Württemberg gilt. Das Regierungspräsidium Freiburg als federführende Planungsbehörde hält einen Baubeginn für einen Tunnel bei der Ortschaft Albert im Jahr 2018 für machbar. „Uns ist bewusst, dass das sehr ambitioniert ist“, sagte ein Sprecher gegenüber der Stuttgarter Zeitung.

Nach jahrelangem Streit hatte der Petitionsausschuss des Landtages Ende 2014 einer Beschwerde der Fraktion der Freien Wähler im Waldshuter Kreistag entsprochen, die die bisherige Planung des Regierungspräsidiums Freiburg für unvereinbar mit den gesetzlichen Vorgaben für den Autobahnbau halten. Als Hauptproblem wurde das steile Gefälle von bis zu neun Prozent der Abfahrt Hauenstein benannt. Dazu sei die Trasse schmal geführt und habe enge Kurven. Überdies werde sie ständig von schweren Lastwagen befahren.

Immer wieder hat es an der Stelle schwere Unfälle gegeben

Immer wieder gibt es schwere Unfälle an der Abfahrt. Der bisher folgenreichste ereignete sich im Dezember 2013. Damals war ein 18-Jähriger mit seinem Geländewagen in Richtung Waldshut kurz vor der Abfahrt wegen überhöhter Geschwindigkeit von der Fahrbahn abgekommen und in den Gegenverkehr geprallt. Der 22-jährige Fahrer in dem entgegenkommenden Wagen starb, sieben weitere Personen wurden zum Teil schwer verletzt.

Derlei soll sich nicht wiederholen, das hat inzwischen offenbar auch das Regierungspräsidium Freiburg erkannt. Als die Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer (parteilos) im Juli den Hochrhein besuchte, machte sie deutlich, dass eine Tunnellösung nach Auffassung ihrer Behörde sowohl machbar als auch finanzierbar ist. Zuvor hatte sich die dortige Straßenbauabteilung seit Jahren einer solchen Auffassung verschlossen. Die Fachleute würden die Planungen für die entsprechenden Abschnitte 5 und 6 nun vorantreiben.

Das Gute sei, dass eine Finanzierung außerhalb des Bundesverkehrwegeplanes und daher ein beschleunigtes Verfahren möglich sei, sagte Schäfer weiter. Zu den Kosten für den Tunnel wurde nichts Näheres mitgeteilt, jedoch hatte die Straßenbauabteilung im Regierungspräsidium bereits einen Rahmen zwischen 10,4 und 13,5 Millionen Euro für das Bauwerk genannt.

Bärbel Schäfer: Keine Vorentscheidung für Trassenführung

Regierungspräsidentin Schäfer rechnet damit, dass der Bund ihrer Behörde bis spätestens Anfang 2016 grünes Licht für das Vorhaben geben wird. Das Bauwerk könne frühestens im Jahr 2018 fertig gestellt sein, wagte die Behördenchefin eine Prognose. „Mit Sicherheit geht es drei Jahre, bis wir bauen können“, sagte Schäfer. Der Waldshuter Landrat Martin Kistler (FDP) und Laufenburgs Bürgermeister Ulrich Krieger (parteilos) begrüßten den Vorstoß der 58-jährigen Politikerin als „Meilenstein“ in der A 98-Geschichte.

Eine Vorentscheidung, wie es mit dem Bau der umstrittenen Autobahn am Hochrhein weitergehen soll – ob über die Hänge des Südschwarzwaldes über den Berg oder entlang des Rheines im Tal – ist damit aber nicht gefallen. Die Tunnellösung, sagte Schäfer, lasse beide Varianten offen. „Klar ist bei dieser Anbindung, dass wir in die Landschaft gehen müssen, und dass das nicht einfach sein wird“, stellte die Behördenchefin mit Blick auf den zu erwartenden Landschaftsverbrauch fest.

Der frühere Landtagspräsident Straub war gegen die Tunnellösung

Dennoch fragt sich so mancher Beobachter, weshalb die Tunnellösung jahrelang von einflussreichen CDU-Politikern wie dem früheren Landtagspräsidenten Peter Straub massiv bekämpft worden war. Der Rechtsanwalt, der mit der Landtagswahl 2011 aus seinem Amt ausgeschieden war, soll im Oktober 2008 bei einem Vorort-Termin des damaligen Staatssekretärs Rudolf Köberle (CDU) verhindert haben, dass das Regierungspräsidium Freiburg die bereits fertigen Pläne für einen Tunnel öffentlich vorstellen konnte, weil er die von ihm bevorzugte Bergtrasse dann angeblich nicht mehr realisierbar sei.

Gegenüber dem damaligen FWV-Kreisrat Lothar Schlageter soll Straub wörtlich gesagt haben: „Der Tunnel kommt nicht.“ Straub hatte diese Aussage damals bestritten und sich ahnungslos gegeben. Er wisse nicht einmal, ob ein Tunnel geplant sei oder nicht.

Die Präsentation war damals kurzfristig abgesagt worden. Doch verhindert hat Straub damit nichts. Der Vorfall stachelte die Freien Wähler im Kreistag zu ihrer Petition an den baden-württembergischen Landtag an. Diese war letztlich erfolgreich, der Tunnel wird nun gebaut.

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