Regina Halmich gegen Stefan Raab „Ich habe richtig Bock auf diesen Boxkampf“

Regina Halmich gibt sich vor dem Schaukampf gegen Stefan Raab zuversichtlich: Sie sei in Bestform. Foto: dpa/Christoph Soeder

Der dritte Boxkampf zwischen Regina Halmich und Stefan Raab rückt näher. Die mehrfache Boxweltmeisterin aus Karlsruhe erzählt, wie sie sich auf das Comeback am 14. September vorbereitet – und dass sie vorhat, ihrem Gegner ordentlich einzuschenken.

Gesundheit für Menschen in Stuttgart: Bettina Hartmann (ina)

Die frühere Boxweltmeisterin Regina Halmich (47) wagt ein Comeback – am Samstag, 14. September, gegen den ehemaligen TV-Entertainer Stefan Raab (57). Die beiden haben sich seit 17 Jahren, seit ihrem letzten Schaukampf, nicht mehr gesehen. Beim Treffen im Berliner Boxverein Isigym, wo Halmich seit Monaten hart trainiert, sagt sie, Raab solle bloß nicht denken, er habe leichtes Spiel: Sie spüre wieder Feuer in sich.

 

Guten Tag Frau Halmich, wie geht es Ihnen?

Sehr gut, ich fühle mich fit und trainiere ja auch viel.

Ihr Ziel ist der 14. September, der Showkampf gegen Stefan Raab.

So ist es. Ich habe seit meinem Karriereende im Jahr 2007 zwar weiter regelmäßig Sport gemacht, Crossfit zum Beispiel. Aber die Boxhandschuhe habe ich 17 Jahre lang nicht mehr angehabt.

Und dann kam der Anruf von Raab?

Zunächst war es ein Anruf von Stefans Geschäftspartner, kurz danach hat sich Stefan selbst gemeldet. Das hat mich alles überrumpelt. Ich hatte mit so einem Vorschlag null gerechnet und dachte: Das ist doch völlig verrückt. Aber dann ging das Kopfkino los.

Haben Sie gleich zugesagt?

Ich habe gezögert – und drei Wochen lang überlegt. Zum einen, ob ich es noch drauf habe. Zum anderen, ob das überhaupt funktionieren kann, ob die Leute so einen Kampf sehen wollen. Diese Bedenken waren weg, als die 14 000 Tickets für den PSD Bank Dome in Düsseldorf binnen zwei Stunden komplett ausverkauft waren.

2007 (und auch schon 2001) ging Halmich (re.) im Kampf gegen Raab (li.) als klare Siegerin hervor. Foto: dpa/ Jörg Carstensen

Vor den Bildschirmen, RTL überträgt live, wird ein Millionenpublikum erwartet. Woher kommt das große Interesse?

Boxen ist wieder groß im Kommen. Der Ticketverkauf hat gezeigt: Die Menschen sind euphorisch. Ich denke, sie erwarten hier kein Boxen vom Feinsten. Sie wollen Entertainment – und sie wollen, dass es knallt. Das bieten wir ihnen. Ein politisch korrekter Abend wird’s ganz bestimmt nicht. Und Stefan hat sich sicher eine Bombenshow ausgedacht. Er ist schließlich ein Meister der Inszenierung.

Warum steigen Sie wieder in den Ring? Sie sind ja auch so gut im Geschäft, etwa mit Moderationen und Vorträgen.

Ach, bei den beiden anderen Kämpfen hatte mich Stefan zuvor übers Fernsehen immer wieder beleidigt, natürlich auf lustige Weise, mit einem Augenzwinkern. Das wollte ich damals nicht auf mir sitzen lassen. Ich habe ihm dann ordentlich eingeschenkt, 2001 sogar die Nase gebrochen. Das Ganze hat mir damals viel Bekanntheit gebracht, in Kreisen, die nichts mit Boxen am Hut haben. Ich werde heute noch darauf angesprochen.

Und jetzt . . .

. . . möchte ich einfach zeigen, was eine Frau mit 47 noch alles wuppt, auch jüngeren Leuten, die mich nicht kennen. Außerdem habe ich auf dieses Spektakel richtig Bock.

Und warum will Stefan Raab Ihrer Meinung noch mal ran?

Ich glaube, dass er sich wohl selbst überbieten und sich ein Denkmal setzen will. Er ist ja ein bisschen verrückt und hat einen gewissen Größenwahn im positiven Sinn. Klar ist: Alles, was Stefan macht, hat Hand und Fuß. Davor habe ich großen Respekt.

1999 verteidigte Halmich (re.) in der Alten Reithalle in Stuttgart gegen Jill Matthews (li.) ihren WM-Titel. Foto: dpa/Bernd Weißbrod

Stehen Sie in Kontakt miteinander?

Nein, das wollen wir nicht. Ich denke, Stefan möchte unbedingt geheim halten, wie er aussieht – und dann seinen großen Auftritt haben. Wir treffen uns somit am großen Abend in der Düsseldorfer Arena. Auch nach dem letzten Showkampf haben wir uns nicht mehr gesehen. Der Anruf im Frühjahr war der erste Kontakt seit 17 Jahren. Wobei, so lang kommt mir das gar nicht vor.

Was glauben Sie, in welcher Form wird Ihr Gegner sein?

Stefan ist verbissen ehrgeizig. Ich bin somit sicher, dass er hervorragend dasteht. Aber für ihn ist es beim Kampf auch einfacher. Er ist ja deutlich größer und schwerer als ich. Wenn er sich an mich dran hängt, sich quasi auf mich drauflegt, habe ich ein Problem.

Aber auch Sie tun was.

Sprüche klopfen ist nicht mein Ding. Es liegt in meiner DNA, immer 100 Prozent zu geben. Ich habe schließlich einen Ruf zu verlieren. Boxen ist zwar ein bisschen wie Radfahren, man verlernt es nie ganz. Trotzdem habe ich mir meinen alten Trainer Thorsten Schmitz, der mich in meiner Profi-Karriere auf die Weltmeisterschaften vorbereitet hat, mit ins Boot geholt. Er war schon immer schonungslos ehrlich zu mir. Hätte er gesagt: Regina, das ist keine gute Idee, hätte ich’s gelassen. Aber er meinte: Da ist noch viel da, das kriegst du hin.

Sie haben also wieder richtig mit dem Training begonnen?

Es ist ein Schaukampf, aber Boxen kann man nicht spielen. Wir treten nach international gültigen Regeln gegeneinander an, wir sind ja nicht auf dem Rummel. Also musste ich in den vergangenen Monaten mit allem Ernst rangehen. Das heißt: dreimal die Woche mit Sparringspartnern und meinem Trainer. Plus zusätzlich ein eigenständiges Konditions- und Fitnesstraining.

Auch als Schauspielerin war Halmich schon zu sehen – 2011 als Box-Trainerin in einer Folge von „SOKO Stuttgart“. Foto: dpa/Marijan Murat

Was erwarten Sie für den 14. September?

Also ich weiß auch nicht, was Stefan genau vorhat, was auf mich zukommt. Ich weiß allerdings, dass ich körperlich, konditionell und geistig in Bestform in den Ring steige. Und dass mich eine Einzugshymne meiner Freundin Doro Pesch begleitet, so wie früher. Und dann schauen wir mal, wie es wird. Ich bin selbst neugierig.

Angst haben Sie keine?

Ach, was. Ich war noch nie ängstlich, da werde ich doch jetzt nicht damit anfangen. Obwohl klar ist: Es wird auch dieses Mal richtig geschlagen, es wird weh tun. Und es könnte meine Nase treffen, die ich mir nach mehreren Brüchen nach meinem Karriereende richten lassen habe.

Werden Ihre Eltern zuschauen?

Nein, meine Mutter war noch nie bei einem Wettkampf dabei. Mein Vater einmal, vor Jahrzehnten. Er ist nach kurzer Zeit mit Herzschmerzen aus der Halle gegangen. Ich verstehe das gut.

Und was kommt danach? Weitere Boxkämpfe?

Ich habe wieder Feuer in mir. Das hat auch meine Mutter gleich gesehen und gesagt, als ich meine Eltern nach der Zusage zum ersten Mal in Karlsruhe besucht habe. Insofern muss ich schon schwer aufpassen. Ich habe eine ausgeprägte Wettkampf-Leidenschaft – und werde daher nach dem 14. September sofort wieder aufhören. Definitiv!

Liebe zum Kampfsport

Anfänge
 Regina Halmich wurde am 22. November 1976 in Karlsruhe geboren. Mit elf begann sie mit dem Kampfsport – zunächst mit Judo und Karate. Schließlich fand sie ihre Leidenschaft im Boxen, erst im Amateurbereich, dann als Profi. Zudem machte sie eine Ausbildung zur Rechtsanwaltsgehilfin.

Karriere
 Von 1994 bis 2007 war Halmich Weltmeisterin. In ihrer Profikarriere musste sie nur einmal eine Niederlage einstecken, einmal boxte sie unentschieden. Auch 2001 und 2007, bei den Schaukämpfen gegen den Entertainer Stefan Raab, siegte sie überlegen. 2021 wurde Halmich als zweite Deutsche nach Max Schmeling (1905–2005) und als fünfte Frau weltweit in die International Boxing Hall of Fame aufgenommen. 

Weitere Themen