Regina Spektor beim New Fall Festival Unverkünstelte Freude am Musizieren

Die Ausnahmemusikerin Regina Spektor war im Stuttgarter Hegelsaal im Rahmen des New Fall Festivals zu Gast. Foto: Lichtgut/Verena Ecker 7 Bilder
Die Ausnahmemusikerin Regina Spektor war im Stuttgarter Hegelsaal im Rahmen des New Fall Festivals zu Gast. Foto: Lichtgut/Verena Ecker

Mal sanftmütig, mal energisch: Regina Spektor verzauberte am Samstag ihr Publikum im Hegelsaal und stellte unter Beweis was für eine Ausnahmekümnstlerin sie ist.

Kultur: Jan Ulrich Welke (juw)
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Stuttgart - Regina Spektor lässt sich sehr viel Zeit für die Zugabe. Minutenlang kostet sie hinter dem Vorhang des am Samstagabend nahezu bis zum Rand gefüllten Hegelsaals den lang anhaltenden und kräftigen Applaus aus – aber den hat sie sich nach einem vorzüglichen Konzert, bei dem sie ihren Ruf als Ausnahmemusikerin unter Beweis stellt, auch verdient. Beeindruckend ist die Bandbreite, in der sie zuvor vorgeführt hat, wie man einen popmusikalischen Klavierabend gestalten kann. Spektor spielt einige Stücke allein am Flügel, darunter besonders nachdrücklich das zauberhafte „Après moi“ vom Album „Begin To Hope“, mit dem sie vor exakt zehn Jahren auch in Europa den Durchbruch feierte. Mehrheitlich lässt sie sich von ihrem Begleittrio an Schlagzeug, Keyboard und Cello zur Hand gehen, zwischendurch lässt sie nur ihre Begleiter gewähren; in jenen Momenten hört man exzellent, was für feine Musiker am Start sind und was für einen guten Sound sie fabrizieren. Ein weiteres Stück singt sie schließlich a capella, und zu einem kommt ein E-Gitarrist auf die Bühne hinzu.

Regina Spektor: Mal sanftmütig, mal energisch

Den Duktus der Lieder variiert sie ebenso gekonnt. Mal sind die Stücke - sie stammen mehrheitlich, aber längst nicht ausschließlich von ihrem vor wenigen Wochen erschienenen Album „Remember Us To Life“ - von fast schon schüchternem Sanftmut, mal tönen sie im Hegelsaal energisch wie in „The Trapper and the Furrier“. Regina Spektor nutzt dazu den gesamten Umfang der Klaviatur, insbesondere die tiefen Oktaven, ihre klassische Klavierausbildung ist deutlich hörbar, ihr Pianospiel ist wunderbar. Spätestens bei „Bleeding Heart“, bald nach Konzertbeginn, ist auch der letzte Besucher von ihrer großartigen Singstimme in den Bann geschlagen. In exaltierte Volten kann sie sich herein steigern, sonoren Schönklang beherrscht sie ebenso, auch vokal präsentiert die New Yorkerin mit russischen Wurzeln eine staunenswerte Bandbreite.

Einen Einsatz verpasst sie zwischenzeitlich wegen einer Panne mit dem Monitorkopfhörer, eine Klaviertaste klemmt (am rund hunderttausend Euro teuren Steinway!) und muss von ihr gerichtet werden: im immer häufiger auf klinische Präzision hin konzipierten Livemusikgeschäft sind schließlich auch das hübsch menschliche Züge, die sich mit ihrem unprätentiösen Auftreten und der unverkünstelten Freude am Musizieren paaren. Das alles hinterlässt einen extrem runden, stimmigen Eindruck, sehr feine Instrumentalkunst paart sich bei Regina Spektor mit wunderbarem Gesang – ein beglückender Abend mit schön erwachsener Musik.


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