Regio-Rad im Kreis Böblingen Bald fährt man hier mit Lime-Bikes

Die Pedelec-Ausleihstationen von Regio-Rad Stuttgart werden noch bis Ende November 2026 betrieben. Foto: Julia Theermann

Das Pedelec-Ausleihprogramm Regio-Rad Stuttgart endet Ende 2026. Es gibt einen Nachfolger – aber nur noch in drei Kommunen im Kreis Böblingen.

Böblingen: Julia Theermann (the)

Jahrelang haben sich die Fahrradstationen von Regio-Rad Stuttgart auch im Kreis Böblingen etabliert. Ab Ende November 2026 werden nun die Standorte aus dem Straßenbild verschwinden. Dann nämlich endet der Vertrag mit dem aktuellen Dienstleister, der DB Connect GmbH. Lust auf ein Nachfolgemodell gibt es im Kreis kaum. Das hat ein Interessenbekundungsverfahren in der gesamten Region Stuttgart ergeben. Nun steht ein Nachfolger fest.

 

Außer im Kreis Böblingen hätten „fast alle bisher am Regio-Rad Stuttgart beteiligten Kommunen an einem Nachfolgeprodukt Interesse“, sagt Ralf Maier-Geißer, der in der Landeshauptstadt Stuttgart unter anderem für das Programm zuständig ist.

Keine Geschlossenheit im Kreis

„Das ist nicht überraschend, da ein Pedelecverleihangebot eine nachhaltige Verkehrsalternative darstellt, die sich sehr gut in den Alltag beziehungsweise in die tägliche Mobilitätskette integrieren lässt.“ Alle Stuttgarter Stadtbezirke und mehr als 30 Kommunen, Landkreise oder Institutionen wollen bei einem Regio-Rad-Nachfolger mitmachen.

Die Kommunen im Kreis Böblingen sind aber nicht geschlossen dabei. Hier hält sich das Interesse in Grenzen. 2023 gab es im Kreis noch 32 Entleihstationen in acht Kommunen. Renningen mit seinen fünf Stationen war zum Ende jenes Jahres ausgestiegen. Die Stadt hatte eine Sonderkündigungsklausel genutzt.

Auch in Holzgerlingen stand die Radstation seit Mitte 2024 leer. Es seien kaum mehr Räder ausgeliehen worden. Jetzt sollen in dem Unterstand Lebensmittel verkauft werden. Ähnlich sieht es in Herrenberg aus. Hier könnte die seit Ende November 2024 leer stehende Ausleihstation als Unterstand für Fahrräder genutzt werden.

Zu teuer, zu viel Vandalismus

Kritik an den Ausleihzahlen kommt aus zahlreichen Kommunen. Auch der mangelhafte Service sowie Vandalismusvorfälle werden genannt. Im Umwelt- und Verkehrsausschuss des Böblinger Kreistags wurde im Mai eröffnet, dass die gesamte Region Stuttgart bundesweit bei den Pedelec-Ausleihen mit Abstand den letzten Platz belege. Sie fänden das Angebot wohl gut, waren sich die Kreisräte damals einig, aber Regio-Rad sei ihnen zu teuer.

Zusammen mit dem Landkreis selbst sind die Städte Böblingen, Sindelfingen und Leonberg die einzigen, die weiterhin Interesse an einem Entleihsystem geäußert haben. Sämtliche Stationen werden zum 30. November kommenden Jahres aufgegeben. Die Option von DB Connect, den Vertrag um ein Jahr zu verlängern, hatten alle Kommunen abgelehnt.

Neues System soll Kommunen nichts kosten

Der Kreis Böblingen betreibt aktuell zwei Regio-Rad-Stationen – am Landratsamt und an der Gottlieb-Daimler-Schule in Sindelfingen. Im Böblinger Stadtgebiet sind es derzeit acht Stationen, darunter eine im Teilort Dagersheim. Sindelfingen betreibt nach eigenen Angaben neun Stationen, inklusive zweier in Maichingen und einer in Darmsheim.

Ein neues System müsste laut Maier-Geißer vor allem eins: die Kommune nichts kosten. „Aufgrund der prekären Situation fast aller kommunaler Haushalte war den Kommunen vor allem wichtig, dass sie für ein solches Angebot keine kommunalen Gelder mehr bereitstellen müssen, sondern sich dieses Angebot selbst trägt“, sagt er. Das Einzige, was die Kommunen zur Verfügung stellen müssten, sind die Flächen für eine sogenannte Sondernutzung.

Lime will mit 2000 Rädern starten

Unter den acht in Betracht gezogenen Anbietern hat sich nun einer durchgesetzt: die LimeBike Germany GmbH aus Berlin. Das Unternehmen ist bereits mit dem Verleih von E-Rollern in der Region aktiv – auch in Böblingen und Sindelfingen stehen die weißen Roller mit den grellgrünen Designs.

Lime verspricht eine „nahtlose Fortführung des regionalen Radvermietsystems mit Pedelecs“ und will 2027 mit einer Flotte von 2000 Fahrzeugen starten. Der Anbieter habe angekündigt, auch auf weitere Kommunen zuzugehen, um das Netz weiter ausbauen zu können, sagt Maier-Geißer.

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