Regio-Rad im Kreis Böblingen Landratsamt will nichts mehr in seine Stationen investieren

Gehören die blauen Leihräder bald der Vergangenheit an? Foto: Leif Piechowski

Weil die Stadt Stuttgart das Regio-Rad-Programm auslaufen lässt, verabschiedet sich auch der Kreis Böblingen von dem Mobilitätsangebot.

Böblingen: Julia Theermann (the)

Das Regio-Rad ist keine Erfolgsgeschichte, zumindest in der Region Stuttgart. Das hat der Verkehrsdezernent des Kreises Böblingen, Thomas Wagner, jetzt dem Umwelt- und Verkehrsausschusses des Kreistags mitgeteilt. Am 30. Juni 2026 endet der Vertrag der Landeshauptstadt mit der Deutsche Bahn Connect GmbH (DBC). Damit soll das Programm wohl in der ganzen Region auslaufen. Die Stadt Stuttgart wird den Vertrag nicht verlängern. „Das Angebot wird zwar genutzt, aber nur in bescheidenem Umfang“, sagte Thomas Wagner in der Sitzung.

 

Mit einem Regio-Rad, das an einer entsprechenden Station ausgeliehen und zurückgebracht werden kann, soll „der letzte Kilometer“ zwischen den öffentlichen Verkehrsmitteln und dem Ziel der Reisenden überbrückt werden. Das Regio-Rad Stuttgart wurde 2018 in der Landeshauptstadt und zunächst 19 weiteren Kommunen eingeführt. Im Kreis Böblingen kam es 2019 im Rahmen des Mobilitätskonzeptes an. Der Kreis Böblingen betreibt zwei eigene Stationen, am Landratsamt und an der Gottlieb-Daimler-Schule in Sindelfingen. 2023 gab es im Kreis einzelne Kommunen, die von einem Sonderkündigungsrecht Gebrauch machten, beispielsweise Renningen. Auch Herrenberg hat seine Regio-Rad-Station zum Ende des vergangenen Jahres eingestellt.

Angebot rechnet sich nicht

Bei den Ausleihzahlen belege die Region bundesweit mit Abstand den letzten Platz. Woran das genau liegt, da kann der Landkreis-Verkehrsdezernent Thomas Wagner nur mutmaßen: „Liegt es am wenig eleganten Design, an der anspruchsvollen Topografie oder an der Stationsgebundenheit? Wir wissen es nicht“, sagte er. Fakt sei, dass die niedrigen Ausleihzahlen dafür sorgen, dass jede Ausleihe den Kreis 24 Euro koste. In Stuttgart seien es 15 Euro.

Das Auslaufen des Vertrags betrifft sämtliche Stationen im Kreis Böblingen. Sindelfingen, Böblingen, Holzgerlingen, Leonberg und Rutesheim haben noch die blauen Räder im Stadtgebiet stehen. Wie es mit den Stationen weitergeht, ist noch unklar. Der Landkreis jedenfalls will ab 2027 keine Haushaltsmittel mehr für den Betrieb seiner beiden Regio-Rad-Stationen bereitstellen. Die Kreisrätinnen und Kreisräte waren damit grundsätzlich einverstanden.

Interesse an Nachfolgelösung

„Die Menschen stimmen mit den Füßen ab“, sagte Martin Killinger (Freie Wähler). Er forderte eine ehrliche Auswertung und Konsequenzen daraus für die kreiseigenen Regio-Rad-Stationen. Jörg-Achim Bauer (AfD) forderte die Kreisverwaltung auf, von Projekten Abstand zu nehmen, die kaum genutzt würden. Ein Punkt, den auch Lukas Rosengrün (SPD) unterstrich. „Wer hier mit dem Rad fährt, hat aller Wahrscheinlichkeit nach sein eigenes“, sagte er. Zudem könne das Regio-Rad mit seiner Stationsgebundenheit mit den weitaus flexibleren E-Scootern nicht mithalten. Angie Weber-Streibl (Grüne) zeigte sich neugierig, was die Stadt Stuttgart für eine Nachfolgemöglichkeit anbieten werde.

Einstimmig sprachen sich die Kreisrätinnen und Kreisräte dafür aus, in Stuttgart Interesse an einer Fortsetzungsalternative zu bekunden. So könne man eine eigenwirtschaftliche Lösung auf den Weg bringen und mit dem Mobilitätsnetzwerk Böblingen-Sindelfingen die Planungen voranzubringen.

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