Region Das Auto bleibt das wichtigste Verkehrsmittel

Von dud 

Mehr Straßen oder mehr Bahnen: die Auswirkungen von verkehrslenkenden Maßnahmen in der Region Stuttgart sind gering. Und ein Ende der Staus ist nicht in Sicht.

Verstopfte Straßen: das Bild dürfte sich nach Expertensicht kaum verändern. Foto: dpa
Verstopfte Straßen: das Bild dürfte sich nach Expertensicht kaum verändern. Foto: dpa

Stuttgart - Wie läuft der Verkehr in der Region Stuttgart im Jahr 2025? Welche Trassen werden für Schienen und Straßen frei gehalten, welche Angebote gibt es für die Nutzer von Bussen und Bahnen? Welche Ausbauvorhaben haben welche Auswirkungen? Antworten auf diese Fragen will der Verband Region Stuttgart mit seinem Regionalverkehrsplan geben, der momentan erarbeitet wird. Dazu untersuchen Experten verschiedene Szenarien, in einem sind mehr, im anderen weniger ÖPNV- und Straßenbauprojekte realisiert. Insgesamt werden fast 300 Vorhaben berücksichtigt – große wie der Ausbau der A 81 bei Sindelfingen oder ein Stundentakt nachts in der S-Bahn auch an Werktagen und kleine wie Ortsumfahrungen oder zusätzliche S-Bahn-Haltestellen.

Am Mittwoch ist im regionalen Verkehrsausschuss das Ergebnis von ersten Untersuchungen vorgestellt worden. Das Fazit ist überraschend: Der Anteil der verschiedenen Verkehrsarten Auto, öffentlicher Nahverkehr, Rad und Fußgänger variiert kaum – unabhängig davon, ob stärker in Straßen oder in Bahnen investiert wird.

Das Auto absolviert mehr als die Hälfte aller Wege

Der Anteil des Autoverkehrs an den rund neun Millionen Wegen, die die Bewohner der Region täglich zurücklegen, variiert zwischen 54,2 und 54,8 Prozent, der des ÖPNV zwischen 13,9 und 14,8 Prozent. Der Radverkehr behält regionsweit einen Anteil von rund sieben Prozent, der Fußgängerverkehr ist mit knapp 24 Prozent beteiligt. Dieses Verhältnis wird auch als Modalsplit bezeichnet. Es ist vielerorts das politische Ziel, ihn zu Gunsten des öffentlichen Nahverkehrs zu verschieben. So haben sich das Land, die Kreise, die Stadt Stuttgart und die Region im ÖPNV-Pakt vorgenommen, den Anteil von Bussen und Bahnen am Verkehrsaufkommen um 20 Prozent zu erhöhen. Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) wiederum strebt an, dass Ende des Jahrzehnts 20 Prozent weniger Autos in die Stadt fahren.

In der Debatte warnten die Regionalräte davor, das Ergebnis so zu interpretieren, dass „sich sowieso nichts ändert, egal was wir machen“, so die Grünen-Regionalrätin Eva Mannhardt. Sie bezweifelte, dass die Szenarien realistisch seien, weil es „für mich nicht nachvollziehbar ist, dass ein Ausbau des ÖPNV nicht zu weniger Autonutzung und damit weniger Luftbelastung führt.“ Rainer Ganske (CDU), Thomas Leipnitz (SPD) und Bernhard Maier (Freie Wähler) betonten hingegen, es müsse schon als Erfolg gewertet werden, dass es gelinge, trotz wachsender Motorisierung und steigenden Bevölkerungszahlen den Anteil des ÖPNV zu halten. „Ein Befreiungsschlag mit starken Veränderungen im Modalsplit ist eine Illusion“, sagte Maier. Auch Leipnitz sagte, ohne die Investitionen in die S-Bahn wäre der Anteil des Autoverkehrs noch höher.

Regionalpolitiker sind desillusioniert

Nur mit dem Ausbau des ÖPNV seien die Verkehrsbedürfnisse in der Region nicht zu befriedigen, sagte Ganske, man müsse den Straßenverkehr verflüssigen und brauche leistungsfähige überörtliche Verbindungen. „Eine Addition von Umgehungsstraßen ist noch kein regionales Verkehrskonzept“, sagte er. Maier sprach sich dafür aus, wie im S-Bahnnetz nun auch bei den Straßen Tangentialen zu schaffen. „Wir müssen verhindern, dass der regionale Verkehr immer durch die Stuttgarter Innenstadt muss“, sagte er. Nur so lasse sich die Umweltbelastung reduzieren.




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