Region Stuttgart An mehreren Badeseen drohen Sperrungen

An Abstandsregeln konnte man sich am Wochenende am Breitenauer See offenbar kaum mehr halten. Foto: 7aktuell.de/Mehmet Okatan

Aufgrund von etlichen Corona-Verstößen zieht man am Breitenauer See im Kreis Heilbronn die Notbremse. Ab Freitag bleibt der See bis auf Weiteres gesperrt. Andere Kommunen sind ebenfalls in Alarmbereitschaft, warten aber noch das kommende Wochenende ab.

Stuttgart - Abstandsregeln? Maskenpflicht? Darauf haben am Wochenende etliche Badegäste am Breitenauer See nicht viel gegeben. Laut der Polizei ist der Badesee nördlich von Löwenstein (Landkreis Heilbronn) komplett überlaufen gewesen. Rund 10 000 Badegäste sollen sich am Sonntag dort aufgehalten haben. Im See selber und in den Warteschlangen vor den Toiletten, dem Kiosk und dem Bootsverleih hätten etliche Badegäste die Vorgaben der Corona-Verordnung missachtet.

 

Bei einem solchen Massenandrang habe Letztere nicht mehr durchgesetzt werden können. Auch könne man die Besucherzahl durch Zugangskontrollen nicht regulieren. Die zuständigen Kommunen Löwenstein und Obersulm haben deshalb die Einschätzung des Gesundheitsamtes des Landratsamtes Heilbronn eingeholt und eine Allgemeinverfügung erlassen: Der See wird von Freitag, 24. Juli, an gesperrt.

Auch in Plüderhausen war es übervoll

„Entsetzt“ über die Pläne der Heilbronner ist Andreas Schaffer. Der Bürgermeister von Plüderhausen (Rems-Murr-Kreis) befürchtet, dass nun noch mehr Menschen an den beliebten Badesee in seiner Gemeinde kommen. Dabei war es am vergangenen Wochenende dort schon übervoll. „Wir setzen uns mit der Polizei zusammen. Wir müssen uns etwas überlegen“, sagt Schaffer.

Die Zustände am vergangenen Wochenende seien „sehr grenzwertig“ gewesen. Aber auch in den Wochen zuvor habe man schon mehrere Male den Plüderhausener Badesee kurzfristig schließen müssen. „Richtig zumachen können wir die drei Zugänge zwar nicht, aber es steht dann jemand am Haupteingang und wir stellen Schilder auf den Parkplätzen auf“, erläutert Schaffer. Weil in diesem Jahr viele Menschen zu Hause blieben und sich nicht mit den Zeitkarten für die Freibäder anfreunden könnten, sei es noch voller als normalerweise.

„Keiner im Urlaub, alle in Kurzarbeit“

Regelrecht eskaliert ist die Situation zuletzt am Aileswasensee in Neckartailfingen (Kreis Esslingen). Am Montagabend kam es dort sogar zu einer Gewalttat: Ein 18-jähriger Reutlinger war zielstrebig auf einen am See liegenden 19-jährigen Bekannten zugegangen und hatte diesen mit einem Messer schwer verletzt. Der Täter war kurze Zeit später in einem Maisfeld aufgespürt worden.

Schon am Samstag und Sonntag hatte die Hitze Tausende Menschen aus der ganzen Region angezogen. Das führte zu Chaos in dem 3200-Einwohner-Ort. „Wir sind nun im Gespräch mit der Polizei und dem Landratsamt“, sagt der Bürgermeister Gerhard Gertitschke. Außerdem hat er für Donnerstag zu einer Gemeinderatssitzung eingeladen, in der es um den See gehen soll. „Wir werden das Personal am See und an den Parkplätzen aufstocken. Und wir überlegen, ob wir den Zugang zum See beschränken können.“

Baggersee-Parkplatz in Kirchentellinsfurt gesperrt

In Kirchentellinsfurt (Kreis Tübingen) hält man deshalb ganz bewusst den Parkplatz des Baggersees gesperrt. Der See ist zugänglich, Besucher müssen nun aber mehrere hundert Meter entfernt ihr Auto abstellen. „Ich weiß, dass die Parkplatzschließung von vielen als Gängelung begriffen wird. Aber wir müssen versuchen, den Zustrom zu begrenzen“, sagt der Bürgermeister Bernd Haug.

Für die Schließung des Breitenauer Sees in Heilbronn äußert er großes Verständnis: „Wenn keine Besonnenheit und Achtsamkeit mehr herrscht, muss man zu solchen Maßnahmen greifen.“ Das vergangene Wochenende habe gezeigt, dass der „Drang nach Fun und Freizeit“ so groß sei, dass man Vorsichtsmaßnahmen nicht mehr beachte. Zwar bleibe der Baggersee erst einmal weiter geöffnet, allerdings rät Haug dringend davon ab, dass Menschen von außerhalb an den See kommen – auch weil es dort „keinerlei Infrastruktur“ gebe.

„Absolut chaotische Zustände“ in Zaberfeld

Auch in Zaberfeld blickt man angesichts der Sperrung des Breitenauer Sees voller Sorge auf das kommende Wochenende. Denn mit dem Stausee Ehmetsklinge und dem Katzenbachsee verfügt die Gemeinde im Kreis Heilbronn über zwei attraktive Angebote. Zwar habe am Wochenende an der Ehmetsklinge das Abstandhalten am Kiosk und an den Toiletten einigermaßen geklappt, sagt die Bürgermeisterin Diana Kunz. Aber auf den Zufahrtswegen hätten „chaotische Zustände“ geherrscht. Ein Durchkommen für Polizei und Rettungsdienste sei unmöglich gewesen. Wenn jetzt noch Badefreunde vom Breitenauer See nach Zaberfeld kämen, drohe die Situation außer Kontrolle zu geraten. An diesem Freitag gibt es ein Krisentreffen über das weitere Vorgehen. Kunz will auf verkehrsregelnde Maßnahmen und auf die Vernunft der Gäste setzen. Notfalls, so kündigt sie an, werde man abschleppen.

Ein Vorteil, wenn es keine Toiletten und Kiosk gibt

An Tagen wie diesen ist es ein Vorteil, wenn das Freizeitangebot am See begrenzt sind. Die Seewaldseen in Horrheim, einem Stadtteil von Vaihingen an der Enz, sind zwar die einzigen Badeseen im Kreis Ludwigsburg. Sie verfügen aber – wie der Baggersee in Kirchentellinsfurt – über keine Infrastruktur: „Bei uns gibt es weder Duschen, noch Umkleiden, noch einen Kiosk“, sagt Martina Fischer, die Sprecherin des Rathauses. Der See sei gut besucht, über Sperrungen habe man aber nicht nachdenken müssen.

Gerade noch beherrschbar ist aktuell die Lage an den Bürgerseen in Kirchheim/Teck und am Dorfsee in Bissingen (Kreis Esslingen). Die Besonderheit des Ebnisees im Rems-Murr-Kreis, so merkt die Kaisersbacher Bürgermeisterin Katja Müller an, ist, dass nicht alle Gäste zum Baden kommen, sondern den See als Start oder Ziel von Wanderungen nehmen. Deshalb sei die Lage dort noch kontrollierbar. Ebenfalls keine Einschränkungen müssen Badegäste am Bodensee befürchten. Nicht einmal am beliebten Hörnle in Konstanz wird über eine Schließung nachgedacht.

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