Region Stuttgart - Menschen auf Wiesen und im Wasser, dicht gedrängt, kreuz und quer parkende Autos auf Feldern und Streuobstwiesen oder Badelustige, die über Zäune klettern, um zu Seen zu kommen, die bereits überfüllt und daher abgesperrt sind: Solche Situationen will man in den Kommunen rund um Stuttgart, die eine Bademöglichkeit haben, dieses Jahr nicht noch einmal erleben. Der Corona-Sommer 2020, in dem viele Menschen ihren Urlaub storniert hatten und zu Hause blieben, führte dazu, dass an heißen Tagen die Seen in der Region regelrecht überrannt wurden. Vor allem an den Wochenenden und in den Ferien erzeugte dies teilweise großes Chaos in den kleinen Gemeinden.
Parken am Aileswasensee wird teurer
Aus diesem Grund haben sich viele Kommunen mit See oder Badestelle Konzepte ausgedacht, wie sie solche Szenen vermeiden können. Am Aileswasensee in Neckartailfingen (Kreis Esslingen) zum Beispiel gelten strenge Regeln: „Wir haben den See komplett eingezäunt und Sicherheitspersonal vor Ort, das die Lage überwacht“, sagt Neckartailfingens Bürgermeister Gerhard Gertitschke. „Wir haben gemerkt, dass Beschilderungen nicht helfen, damit Menschen ihr Handeln verändern. Es hilft nur das persönliche Gespräch.“ Und dass eben dies nötig ist, habe schon ein Wochenende im Februar gezeigt, als es kurzzeitig um die 20 Grad warm war: „Schon damals war so viel los, dass Abstände und andere Schutzmaßnahmen nicht mehr eingehalten wurden“, berichtet Gertitschke.
Aus diesem Grund habe der Sicherheitsdienst bereits am vergangenen Wochenende den Betrieb für dieses Jahr aufgenommen – und werde künftig nicht nur samstags, sonntags und in den Ferien, sondern an allen warmen, sonnigen Tagen auch unter der Woche die Lage am See, am Parkplatz, auf den umliegenden Streuobstwiesen und Feldwegen sowie in der Neckartailfinger Vorstadt beobachten. Denn überall dort wurde vergangenes Jahr an schönen Tagen regelmäßig alles zugeparkt.
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Um diese Kontrolle leisten zu können, wurde der Gemeindevollzugsdienst der 3200-Einwohner-Gemeinde Neckartailfingen um zwei Personen aufgestockt, zusätzlich wurde ein privater Sicherheitsdienst engagiert. Das alles kostet freilich Geld: Vergangenes Jahr seien das 180 000 Euro Mehrkosten für die Gemeinde gewesen, sagt Gerhard Gertitschke. Aus diesem Grund habe man sich dazu entschlossen, die Parkkosten am Aileswasensee vom 1. Juni an zu erhöhen: Ein Tagesticket kostet dann zehn Euro, ein Abendticket vier Euro und ein Kurzparkticket für eine Stunde zwei Euro. „Falsch parkende Fahrzeuge werden abgeschleppt“, mahnt der Bürgermeister.
Im Breitenauer See kann dieses Jahr nicht gebadet werden
Auch in Zaberfeld im Kreis Heilbronn, wo der beliebte Stausee Ehmetsklinge liegt, hat man aus dem vergangenen Jahr gelernt und entsprechende Konsequenzen gezogen: „Direkt nach dem Ende der letzten Badesaison war bei uns Thema, wie wir das im Jahr 2021 machen“, sagt Zaberfelds Bürgermeisterin Diana Kunz. Und schon in den vergangenen Wochen habe sich abgezeichnet, dass viele Menschen an den Stausee kämen, um dort spazieren zu gehen oder Rad zu fahren – auch wenn noch kein Badewetter sei.
Voll könnte es an der Ehmetsklinge dieses Jahr auch deshalb werden, weil im nahe gelegenen Breitenauer See vorerst nicht gebadet werden werden kann. Der künstlich angelegte See muss saniert werden, deshalb wurde das angestaute Wasser komplett abgelassen. Bis der See wieder vollgelaufen ist, wird es voraussichtlich eine ganze Weile dauern.
In Zaberfeld wurde auch aus diesem Grund ein privater Sicherheitsdienst mit drei Mitarbeitern für den Stausee beauftragt. Dazu kommt ein Mitarbeiter aus dem Gemeindevollzugsdienst sowie regelmäßige Polizeistreifen. Dieses Team kontrolliert nun vor allem an Wochenenden regelmäßig, ob rund um den See Abstände und die anderen Corona-Regeln eingehalten werden. Auch an diesem Wochenende werde das Sicherheitsteam vor Ort sein, kündigt Diana Kunz an: „Sobald der Parkplatz voll ist, riegeln wir ab.“
Tipps für Alternativen zum Ebnisee
Rund um den Ebnisee im Rems-Murr-Kreis hat das Ordnungsamt schon im Winter regelmäßig die Parksituation kontrolliert, im Sommer werden diese Kontrollen verstärkt, kündigt Kaisersbachs Bürgermeisterin Katja Müller an. „Sobald es wärmer wird und die Leute auch tatsächlich zum Schwimmen an den Ebnisee kommen, haben wir zusätzliche Security im Einsatz.“ Für dieses Wochenende erwartet sie vor allem Sonnenhungrige, aber noch kaum Schwimmer, weil das Wasser im Ebnisee noch recht kalt sei.
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Dennoch hofft sie, dass die Menschen so vernünftig sind, dass sie sich ein anderes Ausflugsziel suchen, wenn die Parkplätze rund um den Ebnisee am Wochenende voll werden. „Wir haben so viele schöne Flecken, es muss nicht immer der Ebnisee sein – auch wenn es vielleicht geschickt ist, dass man sich vor Ort eine Cola kaufen kann.“ Stattdessen empfiehlt sie, sich ein Picknick einzupacken, zu einem Parkplatz zu fahren, wo wenig los sei – und dann einfach mal loszulaufen. Auch der Hüttenbühlsee, der Hagerwaldsee oder der Treibsee (alle im Rems-Murr-Kreis) seien sehr schön, aber längst nicht so überlaufen, verrät sie.
Keine Kontrollen an Seewaldseen
Das Wasser sei noch kühl, aber man könne auch schon im Plüderhausener See baden, bestätigt Andreas Schaffer, Bürgermeister in Plüderhausen (Rems-Murr-Kreis). Vergangenes Jahr musste der See kurzzeitig wegen Blaualgen gesperrt werden. An diesem Wochenende solle auch der Kiosk sowie die Toiletten am See geöffnet werden. Eine Geländeaufsicht der Gemeinde achte allerdings darauf, dass es nicht zu voll werde. „Die sind vor allem da, wenn man sonniges Wetter erwartet“, sagt Schaffer. Die Mitarbeiter der Geländeaufsicht dürften jedoch nicht mit Bademeistern verwechselt werden, sie kümmerten sich ausschließlich um die Ordnung am See. Dass es diese Aufsicht gebe, sei jedoch nicht dem Ansturm im vergangenen Corona-Sommer geschuldet, sondern gebe es seit einigen Jahren, betont Andreas Schaffer.
Noch kein Thema ist ein möglicher Ansturm an den Seewaldseen in Horrheim, einem Stadtteil von Vaihingen an der Enz (Kreis Ludwigsburg). Allerdings musste auch dort im vergangenen August der Zugang zu den Seen beschränkt werden, weil zu viele Menschen kamen. „Wir warten darauf, wie sich das Wetter und die Corona-Lage entwickelt“, sagt Mario Steigleder, der Sprecher der Stadt Vaihingen. Dies hänge auch davon ab, ob und wann die Freibäder öffneten und wie viel von ihnen abgefangen werden könnte.
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