Kritik an S-21-Zusatzbahnhof Region Stuttgart lehnt Ergänzungshalt ab

Der neue Tiefbahnhof soll 2025 in Betrieb gehen. Grüne und CDU in der Landesregierung prüfen einen Zusatzhalt. Die  CDU in der Region geht  nicht mit. Foto: Lg/Julian Rettig
Der neue Tiefbahnhof soll 2025 in Betrieb gehen. Grüne und CDU in der Landesregierung prüfen einen Zusatzhalt. Die CDU in der Region geht nicht mit. Foto: Lg/Julian Rettig

Der Verkehrsausschuss der Regionalversammlung hat sich mit der Machbarkeitsstudie zu einem Ergänzungsbahnhof für das Projekt Stuttgart 21 befasst – und sie scharf kritisiert.

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Stuttgart - Die Vereinbarung der Landesregierung aus Grünen und CDU für weitere Nahverkehrskapazitäten am Stuttgart-21-Tiefbahnhof – konkret für einen bis zu sechsgleisigen Ergänzungsbahnhof – wird vom Verband Region Stuttgart (VRS) abgelehnt. Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) hatte am Dienstag bei der Vorstellung der Machbarkeitsstudie um die Zustimmung der Region geworben. Es gehe um Klimaschutz und darum, dass nach 2030 mehr S-Bahnen und Nahverkehrszüge in die Stadt fahren können, dass man das Angebot mehr als verdoppeln kann. Dafür baulich Vorsorge zu treffen, sei nur noch in den nächsten rund sieben Jahren möglich – bevor die Landeshauptstadt das alte Gleisfeld bebaue.

Grüne Appelle fruchten nicht

Der Appell fruchtete am Mittwoch in der Sitzung des Verkehrsausschusses nur bei den Grünen und der Fraktion Linke/Pirat. Die Verbandsverwaltung hatte in einer Vorlage viel Kritik am Ergänzungshalt aufgelistet. Sie sieht die S-Bahn tangiert, die laut Gutachten einige Sekunden auf dem Weg zum Hauptbahnhof verlieren würde. Das Betriebsprogramm für den Zusatzhalt sei „sehr vage“, für ein zusätzliches Angebot seien Streckenausbauten, Fahrzeugkäufe und Geld für zusätzliche Fahrten nötig, die das Gutachten nicht erfasse. Ohne Zusatzmittel könne die Region „eine solche Ausweitung des S-Bahn-Betriebs nicht tragen“, heißt es. Hermanns Argument, dass die Zusatzstation mit ihrem Anschluss an die Gäubahn eine Art zweite Stammstrecke für die S-Bahn und damit auch für Notfälle schaffe, zieht offenbar nicht. Bei den Notfällen handele es sich um einen „begrenzten Zeitraum“, man bringe die Fahrgäste „mit entsprechenden Einschränkungen“ auch ohne Zusatzstation an ihr Ziel.

CDU folgt Landeskoalition nicht

Es gebe „keinen erkennbaren Verkehrsbedarf“, so Rainer Ganske für die CDU. Die Engstelle im System sei nicht der S-21-Bahnhof, das seien die Zuläufe. Man nehme den Koalitionsvertrag „zur Kenntnis“, so Ganske, „mehr nicht, denn wir haben auf das Wohl der Region geschworen“. Wäre der Einsatz für die Station also gegen diese Interessen? Gegen diesen Schluss verwahrte sich André Reichel für die Grünen. Es müsse sichergestellt werden, „dass die Schienen-Infrastruktur für die nächsten 100 Jahre zukunftsfähig ist, nicht nur bis 2030 oder 2040, die Koalition hat das erkannt“, so Reichel. Es sei ihm ein Rätsel, warum die CDU die Station nicht mittrage. Reichel beklagte „den mal wieder tendenziösen Ton der Vorlage“. Vielleicht, so Reichel, „sollten wir den Minister einladen, um die Atmosphäre zu klären“.

SPD: Ergänzungsstation ist tot

Einer Abrechnung glich die Wortmeldung von Regionalrat Bernhard Maier (Freie Wähler). Mit dem Hinweis auf die Klimakatastrophe könne man wohl „alles verbieten“. Die Station sei „Unfug, das Thema erledigt“. Thomas Leipnitz legte für die SPD nach: „Die Ergänzungsstation ist tot“, sagte er. Für die AfD sah Holger Dorn „aktuell keinen Grund, die Idee zu verfolgen“. FDP-Rat Hans-Dieter Scheerer prognostizierte zurückgehende Fahrgastzahlen wegen Homeoffice, man lehne den Ergänzungshalt ab. Hermann agiere „brachial“. Nur Michael Knödler von der Fraktion Linke/Pirat stimmte den Grünen zu. Er nehme nicht an, dass S 21 bis zu 100 Prozent mehr Fahrgäste schaffen könne. Die Frage sei, ob man Reserven im Nahverkehr wolle. Knödler lehnte lediglich eine Finanzierungsbeteiligung der Region am Halt ab. Eine förmliche Abstimmung wollte der Ausschuss nicht. Die Gefechtslage war bereits im September 2020 in einer Abstimmung deutlich geworden, als es die Machbarkeitsstudie noch nicht gab.

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