Regionale Musikszene Wichtiges Signal für eine lebendige Stadt

Endlich ein neues Domizil: Jazzclub-Chef Frithjof Gänger vor der Steinturnhalle in Leonberg. Foto: /Simon Granville

Die städtische Unterstützung des Jazzclubs Leonberg hat in diesen unruhigen Zeiten eine hohe Symbolkraft, meint unser Leonberger Redaktionsleiter Thomas K. Slotwinski.

Leonberg: Thomas K. Slotwinski (slo)

Es mag für viele vielleicht wie eine Petitesse erscheinen, doch sie hat Symbolcharakter: Nach zweijähriger Suche hat der Jazzclub Leonberg wieder ein Domizil. Und das ist nicht nur für die rührigen Idealisten um den Vereinsvorsitzenden Frithjof Gänger eine gute Nachricht, sondern für viele Nachwuchsmusiker und für international etablierte Künstler, denen es Spaß macht, nicht nur in großen Sälen zum Instrument zu greifen, sondern gerne auch in intimen Clubs.

 

Vor allem aber hat der Einzug des Jazzclubs in die Leonberger Steinturnhalle Signalwirkung. Er ist ein Bekenntnis für eine lebendige Stadt, in der Vielfalt auch durch Kultur praktiziert wird. Wobei die Stadtverwaltung den Jazzclub nicht nur jetzt in Form der Steinturnhalle unterstützt. Schon vor zwei Jahren, als ein Nachbar die Musikinitiative aus ihrem angestammten Keller im Komplex Leo 2000 herausgeklagt hat, gab es Rückendeckung aus dem Rathaus.

Oberbürgermeister Martin Georg Cohn hatte dem Club spontan das Rathausfoyer für ein Konzert zur Verfügung gestellt. Dass der Eingangsbereich eines Verwaltungsgebäudes nicht dauerhaft zur Kulturbühne umfunktioniert werden kann, war schon damals klar. Dass sich die Suche nach einer neuen Bleibe indes so schwierig gestalten würde, damit hatte kaum einer gerechnet.

Wobei die städtische Steinturnhalle schon seit längerem im Gespräch ist. Dem Vereinsvorsitzenden Gänger erschien sie zu groß, die nötige Club-Atmosphäre, so seine Befürchtung, bliebe auf der Strecke. Mit einem Raumteiler will man nun den Kuschel-Effekt herstellen. Einen Versuch ist es allemal wert, zumal die Steinturnhalle in ihrer Grundanlage ohnehin kein riesiger und kalter Kulturtempel ist.

Los geht es 18. Juli mit Kimi & the Soulmen

Hier soll und kann etwas Dauerhaftes entstehen. Deshalb steht der Neustart unter dem Motto „Donnerstag ist Jazztag“. Das Publikum soll verlässlich wissen, dass immer donnerstags um halb acht etwas geboten wird. Den Auftakt machen am 18. Juli um 19.30 Uhr die Sängerin Kim Hofmann und ihre Band, besser bekannt als Kimi & the Soulmen, zu denen wiederum der populäre Gitarrist Werner Acker gehört.

Ohne das Engagement der Stadt wäre es für den Jazzclub sehr schwierig geworden, ein dauerhaftes Domizil zu finden. Das ist an dieser Stelle besonders erwähnenswert, weil die problematische Situation an der Verwaltungsspitze auf das Image des ganzen Hauses abfärbt. Dass sehr viele engagierte Beschäftigte unabhängig von der angespannten Lage einen sehr guten Job machen, zeigt die positive Entwicklung beim Jazzclub einmal mehr. So bedankt sich Frithjof Gänger denn auch bei der städtischen Kulturmanagerin Katja Rohloff ausdrücklich.

In diesen positiven Trend passt die gelungene und stark genutzte Bürgerbeteiligung zur Zukunft der Leonberger Innenstadt. Waren die Anfänge dieser Überlegungen, die Oberbürgermeister Cohn vor drei Jahren mit dem Slogan „Stadt für morgen“ präsentierte, noch vornehmlich von verkehrsideologischen Debatten rund um Straßen und Radwege geprägt, so geht es jetzt ums große Ganze: Lebensqualität, Lebendigkeit, Vereinbaren von Wohnen und Arbeiten.

Die oft kritisierte Neugestaltung des Postareals kann sich dabei als die entscheidende Initialzündung erweisen, mit der der autogerechte Charakter der Innenstadt tatsächlich eine andere Richtung bekommt und Leonberg am Ende ein lange wie schmerzlich vermisstes lebendiges und qualitativ hochwertiges Zentrum hat. Wir sehen: Trotz aller Probleme könne manche Dinge gut laufen.

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