Regionaler Schienenverkehr DB-Lokführer helfen in der Anfangsphase

Von jon 

Die neuen Betreiber Go Ahead und Abellio sind optimistisch, bis Juni genügend Personal ausgebildet oder verpflichtet zu haben.

Sind zufrieden: David Weltzien, Hans-Peter Sienknecht, Peter Krispin und Minister Winfried Hermann (v.l.) Foto: Lg/Zweygarth
Sind zufrieden: David Weltzien, Hans-Peter Sienknecht, Peter Krispin und Minister Winfried Hermann (v.l.) Foto: Lg/Zweygarth

Stuttgart - Die beiden privaten Eisenbahnverkehrsunternehmen Go-Ahead und Abellio sehen sich personell gut genug aufgestellt, um von Juni an anstelle der Deutschen Bahn in den Stuttgarter Netzen den regionalen Zugverkehr im Auftrag des Landes zu betreiben. Bundesweit mangelt es bekanntlich an Lokführern.

Die Tochter des britischen Konzerns Go-Ahead wird in den nächsten drei Jahren ausweislich einer am Donnerstag im Verkehrsministerium unterzeichneten Vereinbarung von der DB Regio unterstützt. Sie verleiht eigene Triebfahrzeugführer. Die Deutsche Bahn hat nach verlorener Ausschreibung in Stuttgart freie Kapazitäten. Minister Winfried Hermann (Grüne) sagte, Wettbewerb könne zu einem Betreiberwechsel führen, er dürfe aber nicht auf dem Rücken von Fahrgästen und Beschäftigten erfolgen.

Rund 30 DB-Lokführer arbeiten temporär für Go Ahead

Der Vertrag bezieht sich nicht auf eine bestimmte Personenzahl, sondern auf Fahrleistungen. Anfangs sollen 30 DB-Lokführer für Go-Ahead im Führerstand stehen, etwa 80 braucht Go-Ahead für die Betriebsaufnahme im Juni. Deutschland-Chef Stefan Krispin teilte mit, bereits 60 Triebfahrzeugführer ausgebildet zu haben, die auf verschiedenen Strecken Erfahrungen sammelten. Insgesamt würden 170 benötigt. Für Hans-Peter Sienknecht, Geschäftsleiter von Go-Ahead Baden-Württemberg, ist die Vereinbarung deshalb wertvoll, weil junge Lokführer von alten Haudegen der DB unterstützt und eingewiesen würden.

Die Firma Abellio braucht nach eigenen Angaben etwa 50 Lokführer für den Start. Pressesprecherin Hannelore Schuster geht davon aus, dass so viele zur Verfügung stehen werden. Man verzeichne einen deutlichen Anstieg der Bewerberzahlen für die nächsten beiden Stufen der Inbetriebnahme. Bei der Personalgewinnung setze man in erster Linie auf die Qualifizierung im eigenen Haus, mindestens zehn Kurse für Lokführer und acht für Kundenbetreuer würden angeboten. Es sei auch schon gelungen, „Fachpersonal des Vorbetreibers zu übernehmen“. Außerdem stehe man in Gesprächen mit dem holländischen Mutterkonzern zwecks Personalüberlassung. Zudem könnten die Kollegen in Nordrhein-Westfalen aushelfen. Und auch mit der DB Regio würden Gespräche geführt. Diese bezögen sich aber auf andere Dienstleistungen, sagte DB-Regionalleiter David Weltzien. Er bietet den Konkurrenten die Zugreinigungsanlage an, den Wartungsbahnhof in Ulm – und für Abellio, deren Zuglieferant Bombardier bei der Auslieferung hinterherhinkt, Loks und Wagen. Go-Ahead bezieht die von einer Landesgesellschaft vorfinanzierten und vermieteten Fahrzeuge von der Firma Stadler. Eine Verzögerung sei bisher nicht gemeldet.

Die Lose der Stuttgarter Netze

Go-Ahead übernimmt ab Juni stufenweise die Lose Rems-Fils (Stuttgart-Aalen-Crailsheim, Stuttgart-Geislingen/Steige – Ulm) und Franken-Enz (Stuttgart – Aalen, Stuttgart- Karlsruhe, Stuttgart – Heilbronn – Lauda – Würzburg. Den Zuschlag für das große Neckartalnetz hat Abellio erhalten. Es beinhaltet die Strecken Stuttgart – Mühlacker – Pforzheim/Bruchsal, Stuttgart – Heilbronn – Mannheim/Osterburken und Stuttgart – Tübingen.

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