Regionales aus Markgröningen Verwegener Ladentraum wurde wahr

Sie sind stolz auf ihr „Baby“: Sabine Wittig, Thomas und Ingrid Farian , Ursula Wüstner und Dieter Schmidt Foto: Simon Granville

Ein Häuflein tatkräftiger Frauen und Männer startete im Sommer 2020 ein ehrgeiziges Projekt: einen ehrenamtlich betriebenen Laden, der nur Waren verkauft, die in Markgröningen produziert werden. Dann kam der Corona-Lockdown.

Markgröningen - Freiheit 42 prickelt. Das weinhaltige, mit Kohlensäure und Aromen versetzte Getränk, das Pierre Morhardt mit einem kleinen Team entwickelt und auf den Markt gebracht hat, wird bisher in einigen Clubs und Bars verkauft. „Freiheit heißt es, weil das einfach das schönste Gefühl ist, das ein Mensch haben kann“, sagt er, und klärt auf: „Die 42 ist eine Anspielung auf den Kultroman ,Per Anhalter durch die Galaxis. 42 ist dort die Antwort auf alles.“ Jetzt hat es das hochpreisige Lifestyle-Getränk des jungen Markgröningers auch in das Sortiment von Marktplatz 10 geschafft. Freiheit 42 ist damit der aktuellste Neuzugang des besonderen Ladens, für den es sogar eine Warteliste gibt.

 

Eine wunderschöne Fachwerk-Altstadt, in der aber immer wieder Geschäfte sterben: Das ist eine Entwicklung, die nicht nur Markgröningen kennt. In der Schäferlaufstadt gibt es allerdings einen überaus rührigen Stadtmarketingverein. Und der startete im Sommer 2020 in einem gerade leer gewordenen Ladengeschäft am pittoresken Marktplatz eine bemerkenswerte Initiative. Er mietete den Laden und verkauft dort nur Dinge, von Menschen entwickelt oder hergestellt werden, die in Markgröningen leben oder von dort stammen und in der Region wohnen. Fast 30 sind es mittlerweile. Der Verein selbst erhält zehn bis 15  Prozent Provision für die verkaufte Ware. Dafür übernahm er die Startinvestition, unterhält den Laden und trägt das Gesamtrisiko.

Immer wieder überraschend

Schmuck, Kunstkarten, Kleidungsstücke, Pralinen, Notizbücher, Konfitüren, Essige, Liköre, Gin, Honig, Kaffee, Ledertaschen, Vesperbrettchen und vieles mehr findet sich in dem Geschäft, das – so erzählt Sabine Wittig, bei der die Fäden zusammenlaufen – symptomatisch nach seiner Adresse benannt wurde: „Nicht nur, weil diese Produkte ins Markgröninger Zentrum gehören, sondern weil wir auch selbst Marktplatz sein wollen. Ein Ort, an dem man sich begegnet, ins Gespräch kommt und sich austauscht.“

Die Bandbreite der hochwertigen lokalen Produkte überrasche die Initiatoren selbst immer wieder, sagt Wittig, die im Hauptberuf ein Büro für Unternehmenskommunikation betreibt. „Es ist unglaublich, was Markgröninger in ihren Ateliers, Küchen oder Werkstätten alles herstellen. Viele haben im Verborgenen produziert, bis wir Marktplatz 10 eröffnet haben. Sie hatten ihre eigenen Vertriebskanäle, aber keinen eigenen Laden. Die meisten fertigen ihre Sachen ja nur im Nebengewerbe an und haben ansonsten normale Jobs oder sind schon im Ruhestand.“

Das A und O: der professionelle Auftritt

Die Basis des Erfolgs – die Kunden kommen nicht nur, um originelle Mitbringsel zu erstehen, sondern kaufen durchaus auch für den Eigengebrauch – rührt aber nicht nur von den Waren selbst her, an die hohe Qualitätsansprüche gestellt werden, sondern auch von der Professionalität der Präsentation. „Es ist uns elementar wichtig, dass alles aus einem Guss ist“, betont Sabine Wittig. Alle sechs Wochen wird die Dekoration gewechselt, werden neue Themen und Farben vorgegeben, zu denen die „Mitmacher“, also die Produzenten, neue Waren liefern. „Die Sortimentsteuerung ist das A und O“, findet Wittig, „sie ist unsere Visitenkarte. Es kann nicht jeder einfach machen, was er will. Wir wollen kein Gemischtwarenladen sein.“

Auch dass das Geschäft von Anfang an auf ein professionelles Warenwirtschaftssystem gesetzt habe, berichtet Thomas Farian vom Organisationsteam, sei ein großes Pfund – ebenso wie der Online-Shop, den der Laden dank der Expertise des IT-Fachmannes Dieter Schmidt, ebenfalls Mitglied im Projektteam, aufzog und der das Geschäft durch die Lockdown-Phase trug. Die Initiatoren richteten auch ein Bestelltelefon und einen Abholservice ein – das zarte Pflänzlein Marktplatz 10 sollte nicht kurz nach dem Aufblühen schon wieder eingehen.

Ein Zeichen gegen den Leerstand-Trend

All das klappt, weil nicht nur das Organisationsteam Hirnschmalz, Herzblut und viel Freizeit in den Laden investiert, sondern weil ihn Helferinnen und Helfer, die aus Idealismus und unentgeltlich hinter der Verkaufstheke stehen, am Laufen halten. So kann das Geschäft täglich öffnen. „Manche übernehmen bis zu drei Schichten in der Woche“, schwärmt Thomas Farian, „ohne sie würde das Konzept definitiv nicht funktionieren.“ Andrea Wekenmann ist so eine Helferin. „Es war mir schon immer wichtig, mich ehrenamtlich einzubringen“, sagt die Sportkurs-Leiterin, die seit mehr als 30 Jahren in Markgröningen wohnt. „Ich freue mich, wenn der Laden nicht leer steht. Außerdem ist es eine schöne Möglichkeit, mit Menschen in Kontakt zu kommen“, begründet sie, warum sie sich als Verkäuferin einspannen lässt.

„Im Schnitt hatten wir in den letzten zwölf Monaten einen Kostendeckungsgrad von 97 Prozent“, sagt Thomas Farian. „Und das trotz Corona.“ Dass ihre einst verwegen scheinende Idee tatsächlich funktioniert: Mitunter können die Marktplatz-10-Macher das selbst nicht so recht glauben.

Lauter Lieblingsstücke

Marktplatz 10
Der Laden hat montags bis freitags von 9 bis 12 und von 15 bis 18 Uhr sowie samstags von 9 bis 12 Uhr auf. Mittwochnachmittags ist er geschlossen. Mehr Infos auch unter www.marktplatz10.com.

Markgröningen aktiv
Den Verein, der sich für ein positives Image der Schäferlaufstadt engagiert, Aktivitäten zur Verbesserung Markgröningens als Wirtschaftsstandort auf die Beine stellt und das kulturelle Leben fördert, gibt es seit 1999. Marktplatz 10 ist das bisher größte Projekt des Vereins.

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