Die Deutsche Bahn hat ihre Zahlen für den Ausbau der Regio-S-Bahn in Südbaden dramatisch nach oben korrigiert: Der Ausbau der Elztalbahn soll zum Beispiel statt 19 Millionen Euro 66 Millionen kosten. Und das ist nicht die einzige Kostensteigerung.

Baden-Württemberg: Heinz Siebold (sie)

Freiburg - Das Konzept der integrierten Breisgau-S-Bahn in Südbaden in den Kreisen Freiburg, Emmendingen und Breisgau-Hochschwarzwald ist gefährdet, nachdem die Deutsche Bahn AG dem Zweckverband Regio-Nahverkehr (ZRF) neue Kostenschätzungen für den Ausbau der Nachverkehrslinien bekannt gegeben hat. Diese liegen drastisch höher als die 2009 vorausgesagten: Der Ausbau der Elztalbahn (Freiburg-Waldkirch) soll 66 Millionen statt 19 Millionen Euro kosten, die Erneuerung der Kaiserstuhlbahn (Freiburg-Breisach) nun 119 statt 66 Millionen Euro. Noch gravierender sind neue Zeit-Pläne der Bahn: Sie will die Strecke ins Elztal erst im Juli 2021 fertigstellen, die anderen Linien noch später. Doch die Zuschüsse aus Berlin gibt es nur für Projekte, die Ende 2018 abgeschlossen und Ende 2019 abgerechnet sind. Diese Zuschüsse können die Partner des Zweckverbandes nicht kompensieren. „Das lassen wir uns nicht gefallen“, war die erste und erboste Reaktion des Freiburger Oberbürgermeisters Dieter Salomon (Grüne). Eigentlich sollten bis zum Jahr 2018 etwa 212 Millionen Euro in die S-Bahn-Strecken fließen, um den Takt und den Service zu verbessern. Davon sollten der Bund 107 Millionen, das Land 36 Millionen und der Zweckverband 69 Millionen Euro tragen. Diese Kalkulation ist jetzt Makulatur und am heutigen Mittwoch muss der Zweckverband auf seiner Tagung beraten, was man von dem S-Bahn-Konzept noch retten kann. Im Gespräch sind bescheidenere Lösungen, zum Beispiel der Verzicht auf den eigentlich geplanten 15-Minuten-Takt. Zunächst will man jedoch mit einem unabhängigen Gutachten die Kalkulationen der Bahn überprüfen lassen. Die habe „eine Luxussanierung“ im Sinn, mutmaßen die Fachleute in den Verkehrsabteilungen der Landratsämter. Die mit der Planung beauftragte DB Projektbau halte „in erheblichem Umfang zusätzliche Maßnahmen sowie Risikozuschläge für notwendig“ heißt es in einer Einschätzung der Stadt Freiburg. Im Klartext: Der Bundeskonzern habe ein riesiges Paket an Sanierungsmaßnahmen geschnürt, die so niemand bestellt hat. Der Umweltverband BUND Südbaden geht noch weiter. Ihm „drängt sich immer mehr der Eindruck auf, dass Südbaden für Stuttgart 21 bluten muss“, erklärt BUND-Geschäftsführer Axel Mayer und drückt es „gut badisch“ so aus, dass die Bahn wohl „einen Geldschisser“ suche. Der Umweltverband begrüßt, dass im baden-württembergischen Verkehrsministerium erwogen werde, die Bahnlinien im Breisgau über die landeseigene SWEG selbst zu übernehmen.

Der Freiburger OB ist empört

BUND: Südbaden muss für Stuttgart 21 bluten

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