Regionalwahlen in Russland Nawalnys Erfolg
Die Strategie des vergifteten Regimekritikers offenbart die Schwächen des Systems Putin, kommentiert unsere Korrespondentin Inna Hartwich. Für den nächsten Wahlkampf befürchtet sie Schlimmes.
Die Strategie des vergifteten Regimekritikers offenbart die Schwächen des Systems Putin, kommentiert unsere Korrespondentin Inna Hartwich. Für den nächsten Wahlkampf befürchtet sie Schlimmes.
Nowosibirsk - Flaschen mit ätzender Flüssigkeit flogen in die Büros der Nawalny-Gefolgsleute im Büro von Nowosibirsk, Maskierte versuchten, Abhöreinrichtungen zu installieren, Infostände wurden demoliert, die jungen Agitatoren gebissen, geschubst, beschimpft. Die jüngsten Regionalwahlen zeigten nicht nur in Nowosibirsk, mit welchen Tricks die Herrschenden und ihre Adlaten um den Erhalt der Macht kämpfen. Und doch fanden sich Lücken im System, die die Scheinheiligkeit des Putin’schen Machtapparats vorführten.
In Nowosibirsk und in Tomsk gewannen Nawalnys Mitstreiter Stimmen und warfen auch langjährige Funktionäre aus dem Stadtrat. Mag die Regierungspartei Einiges Russland noch immer fest im Sattel sitzen, mögen alle Gouverneure bestätigt, die Regionalparlamente weiterhin fest in der Hand der Kremlpartei sein: Die Nawalny-Methode des „klugen Wählens“, nach der man jeden Kandidaten außer den Vertretern von Einiges Russland wählen solle, war auch in den Regionen erfolgreich. Das ist ein Signal an Moskau, wo in einem Jahr die Staatsduma gewählt wird. Ein Signal aber auch an die Andersdenkenden: In Zukunft werden Wahlen noch schmutziger, noch unfreier.