Regionalwettbewerb Jugend musiziert in Ditzingen Üben und üben, bis die Hand weh tut

Von  

Das Niveau beim Regionalwettbewerb Jugend musiziert in Ditzingen ist hoch. Für manche steht der Spaß im Vordergrund, für andere viel mehr. Lynn My Le Trinh Stiegler will Profimusikerin werden, und tut viel dafür.

Lynn My Le Trinh Stiegler und ihre Musiklehrerin Meike Brandenbusch. Vier bis sechs Stunden hat die 15-Jährige in den vergangenen Monaten für den Auftritt geübt – täglich. Foto: factum/Granville
Lynn My Le Trinh Stiegler und ihre Musiklehrerin Meike Brandenbusch. Vier bis sechs Stunden hat die 15-Jährige in den vergangenen Monaten für den Auftritt geübt – täglich. Foto: factum/Granville

Ditzingen - Lynn wirkt nicht wie ein 15-jähriges Mädchen. Als sie den Bogen auf die Saiten ihrer Violine legt und die ersten Töne der Sonate Nr. 2 von Eugène-Auguste Ysaÿe spielt, ändert sich ihr Gesichtsausdruck. Konzentriert steht sie einsam vor der Jury und den rund 30 anderen Zuhörern, und dann fliegen ihre Finger übers Griffbrett. Es ist ein kompliziertes, technisch anspruchsvolles Stück, und zeitweise scheint Lynn der Welt entrückt. Man kennt diesen Gesichtsausdruck von Profimusikern, und genau das ist die Welt, in die Lynn My Le Trinh Stiegler später einmal eintauchen will, die Welt der Profi-Musik. Sie tut viel dafür. „Violine spielen ist für mich wie Essen und Trinken“, sagt sie nach ihrem Auftritt in Ditzingen, für den sie in den vergangenen Monaten bis zu sechs Stunden geübt hat – täglich. Zeitweise war ihre Hand überlastet, sie musste sie schonen.

Spaß, Freude an Musik – und jede Menge Ehrgeiz

Das Niveau beim Regionalwettbewerb Jugend musiziert ist hoch, das war es immer schon. 160 Teilnehmer hatten sich für die 53. Auflage angemeldet, die am Wochenende im Schulzentrum Glemsaue in Ditzingen veranstaltet wurde. Die jüngsten sind 2009 geboren, die ältesten 1989. „Spaß und Freude an der Musik sollen im Vordergrund stehen“, sagt Manfred Frank, der Vorsitzende des Regionalausschusses Jugend musiziert.

In den höheren Altersklassen kommt eine weitere Komponente hinzu: Ehrgeiz. „Die Älteren wollen es wissen“, sagt Frank. Das beliebteste Instrument ist die Violine, und deshalb ist die Konkurrenz groß für Lynn. Sie muss vor drei Juroren, Musikpädagogen und Musikprofessoren, aufspielen, es werden furiose 20 Minuten. Sie sei furchtbar nervös gewesen, sagt sie danach, gemerkt hat es niemand.

Die Teilnehmerzahl bleibt „erstaunlich stabil“

Die 15-Jährige geht auf das Goethe-Gymnasium in Ludwigsburg, seit sieben Jahren spielt sie Violine, und während ihres Auftritts lächelt sie hin und wieder verstohlen ihrer Musiklehrerin Meike Brandenbusch zu. Später, als Lynn im Atrium ihre Freundinnen umarmt, sagt sie: „Ich bin nie zufrieden, man kann immer etwas verbessern.“ Aber sie lacht und weiß, dass sie gut war. 0 bis 25 Punkte können die Juroren vergeben. Sie hoffe auf mindestens 23 Punkte, sagt Lynn, denn dann wäre sie für den Landeswettbewerb qualifiziert, die nächste Stufe. Heute ist ihr Geburtstag, aber richtig feiern kann sie erst, wenn viele Stunden später die Ergebnisse raus sind.

Die Musiker kommen aus dem ganzen Kreis Ludwigsburg, und die Teilnehmerzahl bleibe seit Jahren „erstaunlich stabil“, sagt Manfred Frank. Das gelte auch für die Vorlieben: Violine, Klavier und Querflöte seien immer sehr populär. Teilnehmer mit Saxofon oder Kontrabass habe es diesmal gar keine gegeben.

Die Wertung ist da. 25 Punkte für Lynn, das Maximum, natürlich. Sie gewinnt ihre Altersklasse und darf zum Landeswettbewerb im März. Und denkt schon weiter. Das Finale, der Bundeswettbewerb, ist im Mai in Kassel. „Da will ich hin“, sagt Lynn.




Veranstaltungen