Regionalzüge in Baden-Württemberg Land auf der Suche nach Ersatzzügen

Von mil 

Noch ist nicht gewiss, ob die verspätete Lieferung von Zügen für den Regionalverkehr, die eigentlich von Juni an eingesetzt werden sollten, kompensiert werden kann. Das Land sucht nach Ersatzlösungen – unter anderem auch bei der DB Regio.

Nur zehn solcher Züge wird Bombardier bis Juni an Abellio liefern – vereinbart waren 16 Stück. Foto: dpa
Nur zehn solcher Züge wird Bombardier bis Juni an Abellio liefern – vereinbart waren 16 Stück. Foto: dpa

Stuttgart - Der Plan B ist noch nicht in trockenen Tüchern: Weil der Zughersteller Bombardier nur zehn statt wie vereinbart 16 Züge liefert, wenn das Bahnunternehmen Abellio im Juni Teile des Schienenverkehrs von Stuttgart in Richtung Pforzheim und Heidelberg übernimmt, ist das Land mit der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft und der DB Regio in Gesprächen, ob diese vorübergehend Züge zur Verfügung stellen könnten. „Wir sind in Verhandlungen“, sagte Uwe Lahl, Amtschef im Verkehrsministerium. Er, Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) sowie der in der Behörde für den öffentlichen Verkehr zuständige Abteilungsleiter, Gerd Hickmann, informierten am Donnerstag über ihre Sicht der Dinge. Zuvor musste das Trio in einer nicht-öffentlichen Sitzung des Verkehrsausschusses des Landtags Rede und Antwort stehen. Die Fraktionen von SPD und FDP hatten die Sitzung beantragt.

Weniger Sitzplätze als vereinbart

Hermann ist mit der Situation unzufrieden. „Aber es ist auch nicht die Totalkatastrophe“. Man werde nach dem 9. Juni den heutigen Standard bieten. „Die von uns beauftragten Verbesserungen wird es aber nicht sofort geben“, so Hermann. Dietmar Kneer, für den Betrieb verantwortlicher Geschäftsführer der Abellio Rail Baden-Württemberg GmbH, machte an einem Beispiel deutlich, was das für die Fahrgäste bedeute. So biete ein morgens von Pforzheim nach Stuttgart und zurück fahrender Zug statt der in Aussicht gestellten 326 Sitzplätze nur deren 273.

Angesichts der Anwürfe aus der Opposition flüchtete sich Hermann in Sarkasmus: „Natürlich ist der Minister schuld, wenn ein Unternehmen nicht liefern kann“. Man habe den Produktionsfortschritt engmaschig überwacht. Zudem sei Abellio Vertragspartner von Bombardier und nicht das Land. Gleichwohl ließ er im Blick auf das Verhältnis zum Bahnunternehmern schon einmal die Vokabel Pönale fallen – also Strafzahlungen für nicht erbrachte Leistungen. Hickmann verwies darauf, dass auch ein geräuschloser Übergang möglich sei. Auf der Murr- und der Gäubahn betreibt DB Regio seit Dezember ebenfalls Bombardier-Züge.

SPD sieht den Minister in der Verantwortung

Für Martin Rivoir, verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, sind die Ausführungen des Ministers nicht zufriedenstellend. Offenbar seien die angeblich engmaschige Überwachung der Produktion wenig effizient gewesen. „Sonst hätten wir nicht die jetzige Situation. Hermann ist dafür politisch verantwortlich. Er kann sich nicht rausreden.“ Der Zeitplan sei viel zu ambitioniert gewesen, zudem habe das Ministerium die Ausschreibungen zu spät auf den Weg gebracht.




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