Warum wird Regiorad so wenig genutzt? Städte und Gemeinden im Kreis Esslingen suchen nach Ursachen – und nach Alternativen.
Für Regiorad Stuttgart wird die Luft dünn. Kürzlich hat die Stadt Nürtingen beschlossen, den Vertrag mit dem Fahrradverleiher nicht über November 2026 hinaus zu verlängern. In Stuttgart bahnt sich ein ähnlicher Schritt an; die Entscheidung soll Mitte März in einer Ausschusssitzung fallen.
Eine ganze Reihe von Gemeinden sind in den vergangenen Jahren bereits vorzeitig aus dem Vertrag mit Regiorad ausgestiegen. Hochdorf war ebenso dabei wie einige Orte im Rems-Murr-Kreis. Für die anderen, 34 sind es derzeit noch, läuft der Vertrag bis November 2026. So auch in Plochingen, das teilweise als Positivbeispiel genannt wird, wo man aber ebenfalls unzufrieden ist: Denn hier gehen die hohen Nutzungszahlen an zwei Stationen allein darauf zurück, dass Mitarbeitende des Bahnbetriebswerks vom Bahnhof zu ihrem Arbeitsplatz fahren. An den anderen Stationen in der Stadt läuft dagegen wenig.
Nur 34 Ausleihen pro Jahr
Die Kommunen beklagen zu geringe Ausleihzahlen und damit einen zu hohen Zuschussbedarf. So muss Nürtingen pro Fahrradausleihe rund 25 Euro drauflegen. Das ergibt sich aus der Zahl der Ausleihen – im Jahr 2023 waren es 410 – und dem, was die Stadt an die DB Connect als Betreiberin von Regiorad bezahlt. Die Förderung durch den Verband Region Stuttgart, der die Hälfte des Defizits trägt, ist dabei schon eingerechnet. Insgesamt stehen zwölf der blauen Leihräder in Nürtingen: vier „normale“ Räder, sechs Pedelecs und zwei Lastenpedelecs. Jedes Rad kam durchschnittlich auf grade mal 34 Ausleihen im Jahr, und das, obwohl die Ausleihzahlen gegenüber den beiden Vorjahren schon deutlich angestiegen waren.
Im gesamten Regiorad-Gebiet bleibe das System „deutlich unter den Erwartungen“, hieß es in einer Pressemitteilung des Verband Region Stuttgart vom vergangenen November. Allenfalls in Stuttgart selbst seien die Zahlen etwas besser. Aber im Vergleich mit anderen großen Städten, in denen meist das ebenfalls von DB Connect betriebene Leihsystem Callabike tätig ist, ist Stuttgart das Schlusslicht.
Regiorad selbst führt an, dass die Corona-Zeit für einen Einbruch gesorgt hat, der bis heute nicht wieder ausgeglichen werden konnte. Die Kommunen sehen aber auch Qualitätsmängel: defekte oder fehlende Räder, Probleme mit den Ladekabeln oder der Software hätten Kunden abgeschreckt. Vielleicht spielt auch die Topografie in der Region eine Rolle – Hamburg, der Spitzenreiter beim Fahrradverleih, ist eben flacher als das Schwaben-Land. Und weil in Baden-Württemberg die Fahrradmitnahme im Nahverkehr weitgehend kostenfrei ist, haben viele ihr eigenes Rad dabei.
Nürtingen denkt an lokale Lösung
Trotzdem bleibt ein Fahrrad-Verleihsystem auch aus Sicht von Verkehrsexperten ein wichtiger Baustein im System des öffentlichen Nahverkehrs. Das sieht man auch in Nürtingen so. Die Stadt wolle zwar den Vertrag mit Regiorad nicht verlängern, sagt deren Radverkehrsbeauftragter Stephan Maul. Aber sie suche nach Alternativen. Den „interkommunalen Ansatz“, den Regiorad bietet, halte man allerdings nicht mehr für sinnvoll: Die Möglichkeit, Räder in Nürtingen auszuleihen und andernorts abzugeben oder umgekehrt werde fast gar nicht genutzt. „Wir brauchen ein lokales Ausleihsystem“, sagt Maul. Ob das stationsbasiert sein wird oder „freefloating“, also mit Abstellen auf jeder öffentlichen Fläche, ob es auch E-Scooter umfassen wird, welcher Anbieter zum Zug kommt – das ist momentan alles noch offen.