Regisseur Joachim Lang international erfolgreich Langs Film in Yad Vashem und Auschwitz

Robert Stadlober als Joseph Goebbels und Fritz Karl als Adolf Hitler in dem Film „Führer und Verführer“ Foto: epd/Wild Bunch Germany

Joachim Langs Propaganda-Studie „Führer und Verführer“ findet international Beachtung. Anfang Februar wird der Film im KZ Auschwitz gezeigt. Derweil ist seine „Cranko“-Hommage in den USA angekommen.

Wer sich heute fragt, was gegen Propaganda und Fake News auszurichten wäre, könnte von „Führer und Verführer“ eine Antwort erhalten. Sie lautet: aus der Geschichte lernen! Aufklären darüber, wie die Nazis mit perfiden Manipulationstricks den Weg für den Zweiten Weltkrieg geebnet haben. In seinem im Juli vergangenen Jahres angelaufenen Kinofilm durchleuchtet der Stuttgarter Regisseur Joachim Lang die Techniken, mit denen der Propagandaminister Goebbels als „Verführer“ (Robert Stadlober) im Dienste des „Führers“ (Fritz Karl) die Deutschen auch im Geiste wieder kriegstüchtig machten. Eine mahnende Erinnerung, die auch anderswo von brennender Aktualität ist: Das auf gründlichen Recherchen fußende Täter-Biopic lief in europäischen und außereuropäischen Ländern, den USA und Australien, erfolgreich an.

 

Zu Gast beim Polnischen Filmfest

Zwei Stationen stechen aus dem Tourneeplan besonders hervor. Am 1. Januar war „Führer und Verführer“ in Yad Vashem zu sehen, dem Jerusalemer Erinnerungsort für die sechs Millionen von Nazis ermordeten Juden; am 3. Februar wird er im KZ Auschwitz gezeigt, wo 1,5 Millionen Menschen ermordet wurden. Zwei symbolträchtige Orte, an denen der Film nochmals eine andere Relevanz bekommt, weil dort das Grauen mit Händen zu greifen ist. Eingeladen zur (einmaligen) Aufführung im KZ sind neben Schulklassen vor allem die Guides, die Besucher durch die Vernichtungsanlage führen und ihr Wissen weitergeben. Und es ist mehr als nur eine Fußnote, dass in „Führer und Verführer“ eben auch drei Auschwitz-Überlebende zu Wort kommen.

Auschwitz ist die letzte Station des Films in Polens. Wenige Tage zuvor, am 27. Januar, gedenkt man dort des 80. Jahrestags der Befreiung des KZs durch sowjetische Soldaten. Unterdessen wird „Führer und Verführer“ beim Polnischen Filmfest in Breslau, Krakau und Warschau gastieren, wie in Auschwitz abermals begleitet von Joachim Lang und seinem historischen Berater Thomas Weber, dem in Aberdeen lehrenden NS-Experten. Premiere in Paris feiert Langs spannende und aufschlussreiche Propaganda-Studie am 14. Februar. Landesweit soll der Film in rund hundert Kinos kommen.

„Cranko“ – in Palm Springs von der Presse gefeiert

In Deutschland, so die Schätzung des Verleihs, haben bis jetzt knapp 80 000 Besucher „Führer und Verführer“ gesehen – nicht so viele wie den anderen Film, mit dem der SWR-Redakteur derzeit in Kinos vertreten ist. Sein Überraschungserfolg „Cranko“ bringt es auf mehr als 180 000 Zuschauer. Das Biopic über die Stuttgarter Ballett-Legende lief vergangene Woche beim Filmfestival in Palm Springs und wurde von der Presse gefeiert.

Nicht nur wegen seiner Kunst ist Joachim Lang seit Monaten in den Schlagzeilen. Gegen den SWR hat er eine Klage angestrengt, weil der Sender ihn keine Filme mehr drehen lassen will und ihm gekündigt hat. Zudem erhebt der Buchautor (und SWR-Kollege) Thomas Aders im Zusammenhang mit „Cranko“ Plagiatsvorwürfe, zu denen Lang bereits Stellung bezogen hat. Zu einer Anklage vor Gericht ist es nicht gekommen.

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