Das tote Reh, das am vergangenen Samstag übel zugerichtet im Kirchtal bei Aidlingen gefunden wurde, ist nicht durch einen Wolf gerissen worden. Das teilt das Böblinger Landratsamt mit. Wegen des Zustandes war rasch die Befürchtung entstanden, dass ein Wolf das Tier gerissen haben könnte – zumal Anfang April bei Rutesheim ein Wolf fotografiert worden war. Doch an diesem Donnerstag kam die Entwarnung.
Die Untersuchung habe ergeben, dass das Reh wohl sehr alt gewesen und ohne Fremdeinwirkung verendet sei, teilt das Landratsamt mit. Erst danach sei es zu einer „Folgenutzung“ gekommen, wie es im Fachjargon heißt. Und zwar wohl durch einen Fuchs, der einen Teil des Rehkörpers wegfraß. Ein entsprechend grausiges Bild gab der Rehkadaver ab, als er in der Nähe des Rott-Hofs am Fuße des Venusbergs entdeckt wurde.
Untersucht wurde das Reh von ForstBW, die für die Bewirtschaftung des hiesigen Staatswaldes zuständig ist. Die Experten der Forstlichen Versuchsanstalt (FVA) in Freiburg teilten laut Landratsamt diese Einschätzung, nachdem sie die Bilder und die Dokumentation gesichtet hatten.
Also kein Wolf in Aidlingen. Doch bei Rutesheim war am 2. April tatsächlich ein Wolf von einer Wildtierkamera fotografiert worden – der erste gesicherte Wolfsnachweis im Kreis, nachdem vor fast einem Jahr ein totes Reh bei Schafhausen per genetischer Testung einem Wolf zugeordnet werden konnte.
Seit geraumer Zeit siedelt sich der Wolf wieder in Baden-Württemberg an, was Naturschützer begrüßen, insbesondere von Nutztierhaltern aber kritisch gesehen wird. Im Landkreis Böblingen liegen Aidlingen, Deckenpfronn, Jettingen, Mötzingen, Bondorf, Gäufelden und Teile der Gemarkungen Herrenberg im Fördergebiet Wolfsprävention Schwarzwald. Nutztierhalter mit Flächen innerhalb dieser Gebiete können Zuschüsse für Investitionen in Zäune oder bei Unterhaltskosten für Herdenschutzhunde sowie Entschädigungen bei Rissen von Nutztieren durch Wölfe bekommen.