Reichenbach Das „Häusle“ hat seine Strahlkraft zurück

Das Wandbild am OGV-Vereinsheim scheint jetzt wieder mit der Sonne um die Wette. Foto: Ines Rudel
Das Wandbild am OGV-Vereinsheim scheint jetzt wieder mit der Sonne um die Wette. Foto: Ines Rudel

Das große Wandbild am Vereinsheim der Obst- und Gartenbauvereins Reichenbach, blich im Laufe der Jahre immer mehr aus. Fritz Roos hat das Werk von Heinz Ruhland restauriert und mit neuen Ideen belebt.

Region: Andreas Pflüger (eas)
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Reichenbach - Ein paar Wohnhäuser auf der einen Straßenseite, etliche Gewerbe- und Industriebauten auf der anderen. Das Vereinsheim des Obst- und Gartenbauvereins Reichenbach (OGV) am Ostweg, das von den Mitgliedern liebevoll nur Häusle genannt wird, fällt auf den ersten Blick nicht wirklich ins Auge. Zumindest war das über eine lange Zeit hinweg so, bis Heinz Ruhland die Giebelseite vor knapp 20 Jahren mit einem ebenso großen wie bunten Wandgemälde verziert hat. Da der Hingucker allerdings den gesamten Tag über direkt von der Sonne beschienen wird, verblassten die Farben immer mehr. Seit diesem Herbst ist die Strahlkraft allerdings wieder zurück.

Der Urheber selbst konnte den Pinsel für die Restaurierung zwar nicht mehr schwingen. Heinz Ruhland ist im Jahr 2013 gestorben. Seine Witwe Sieglinde allerdings wollte das Werk ihres Mannes bewahrt wissen und gab, gepaart mit einer großzügigen Spende, den entscheidenden Anstoß, für die Wiederauffrischung.

Die Malerinnung wusste Rat

Nun war der OGV gefordert – und suchte Rat bei der Malerinnung Esslingen-Nürtingen. Die Anfrage landete auf dem Tisch von Siegfried Künstle, der als ehemaliger Lehrer für Malerei an der Technischen Schule in Nürtingen, wusste, wen er als „Sanierer“ vermitteln konnte. Künstle empfahl dem Verein den im Unruhestand weilenden Malermeister Fritz Roos aus Lichtenwald-Thomashardt. Der 89-Jährige, der sich in der Gegend längst auch als Hobby-Künstler einen Namen gemacht hatte, kam, schaute und sagte zu, das Original zu erhalten und mit seinen eigenen Ideen neu zu beleben. „Wir waren alle sehr gespannt, wie dieser Spagat gemeistert werden kann“, erinnert sich die OGV-Vorsitzende Gudrun Buschle und fügt schmunzelnd hinzu, „dass wir mit dem, was daraus geworden ist, sehr zufrieden sind“.

Im späten Frühjahr begann Fritz Roos mit seiner Arbeit, erweckte Ruhlands ursprüngliche Ideen wieder und belebte sie mit seinem eigenen Stil neu. So zeigt das Wandbild mit einem stattlichen Apfelbaum und zahlreichen Gartenblumen nach wie vor die originären Ziele des OGV Reichenbach. Hinzugefügt wurde eine blühende Wiese, die deutlich machen soll, dass sich der Verein um die Artenvielfalt sorgt und deren Schutz auf seine Agenda genommen hat. Die stilisierte Schurwald-Landschaft mit Alt-Reichenbach im Zentrum hat Fritz Roos um einen kleinen Wasserlauf ergänzt und das, wie er selbst sagt, „mit großer Freude“.

Gerüst mit Sonnenschutz errichtet

Selbst von sengender Hitze ließ sich der Senior nicht abhalten. Um zu verhindern, dass die Farben zu schnell eintrocknen – und wohl auch um dem Vater etwas Gutes zu tun – stellte Sohnemann Ulrich ein Gerüst mitsamt Sonnenschutz auf. Als das Schaffen von Fritz Roos sich schließlich dem Ende zuneigte und ihm die Mitgliedern bei ihren gelegentlichen Stippvisiten großes Lob zollten, fand nur er selbst es „schade, dass jetzt alles fertig ist“. Gudrun Buschle indes ist froh, dass zumindest dieses Projekt realisiert werden konnte. „Keine Feste, keine Ausflüge, keine Treffs und kein Blütenrundgang: Doch mit dem schmucken Wandbild hatten wir bei einer coronamäßig abgespeckten Feier in diesem Jahr wenigstens ein Highlight.“




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