Reichenbach an der Fils Ein Familienstreit endet tödlich

Die Spurensicherung war den ganzen Sonntag vor Ort und  sammelte Indizien zum Tathergang. Foto: 7aktuell.de/Alexander Hald 8 Bilder
Die Spurensicherung war den ganzen Sonntag vor Ort und sammelte Indizien zum Tathergang. Foto: 7aktuell.de/Alexander Hald

Eine Bluttat hat am frühen Sonntagmorgen die Gemeinde Reichenbach an der Fils erschüttert. Ein 34-jähriger Mann soll seine 32-jährige Ehefrau getötet­ haben.

Esslingen: Ulrich Stolte (uls)
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Reichenbach - Noch ist nicht viel über die Tat in einem schmucken Neubaugebiet in der Reichenbacher Karlstraße bekannt. Die Polizei teilte mit, dass Anwohner etwa um 3.30 Uhr vor dem Haus laute Rufe gehört hatten. Auch hatten sie gesehen, dass es vor dem Hauseingang zu Handgreiflichkeiten gekommen war. Sie alarmierten die Polizei, die aber vor dem Gebäude niemanden mehr vorfand. Nachdem der 34-jährige Mann den Beamten die Türe geöffnet hatten, fanden sie seine Ehefrau leblos in der Wohnung auf. Sofort begannen sie mit Reanimationsmaßnahmen­, doch ohne Erfolg­, der hinzugerufene Notarzt konnte nur noch den Tod der Frau feststellen.

Der verdächtige Ehemann wurde noch an Ort und Stelle festgenommen und befindet sich auf Anordnung des Haftrichters mittlerweile in Untersuchungshaft. Er hatte sich widerstandslos festnehmen lassen. Das Ehepaar hat zwei minderjährige Kinder, beide haben von der Tat nichts mitbekommen. Der zwölfjährige Sohn war zur Tatzeit zwar im Haus, schlief aber tief und fest, die zehnjährige Tochter hatte bei Verwandten übernachtet. Die beiden Kinder sind zunächst bei Angehörigen­ unter­gekommen und werden nun auch vom Notfallnachsorgedienst betreut.

Das Ehepaar ist noch nie bei der Polizei aufgefallen

Den ganzen Sonntagvormittag über war die Spurensicherung vor Ort und suchte nach weiteren Details zum Tatherhang. Diese Sorgfalt war notwendig, denn der mutmaßliche Täter hat nur ein Teil­geständnis abgelegt. Zum Tathergang hat er anscheinend nichts Genaues gesagt. Für den Montag ist eine Obduktion der Leiche geplant, wobei dann die genaue Todesursache festgestellt werden kann. Die Polizei geht aber eindeutig von einem Tötungs­delikt aus, das machte Andrea Kopp, die Pressesprecherin des Reutlinger Polizeipräsidiums, ganz deutlich.

Das Ehepaar ist noch nie wegen häuslicher Gewalt oder Tätlichkeiten bei der Polizei aufgefallen, auch gebe es bei beiden keine Vorstrafen. Das Motiv des Streits ist auch noch völlig unbekannt. Andrea Kopp teilte lediglich mit, dass „die Polizei in Abstimmung­ mit der Staatsanwaltschaft zur Zeit keine weiteren Informationen herausgeben­ kann“. Der Grund seien die laufenden Ermittlungen, bei denen sich die Polizei den Rücken freihalten will. Die Beamten befragen jetzt Nachbarn, Verwandte und andere Zeugen. „Wir wollen nicht, dass ihre Aussagen beeinflusst werden durch Informationen, die wir jetzt preisgeben“, erklärt Andrea Kopp. Sie kündigte aber für den Montag an, weitere Ergebnisse­ zu veröffentlichen, vor allem, was die Obduktion betrifft.

Die Leidtragenden sind immer die Kinder

Obwohl die Verbrechenrate auch bei Tötungsdelikten­ seit Jahren rückläufig ist, kommt es immer wieder zu brutalen Taten zwischen Ehepaaren. Einer der gravierendsten Fälle in den letzten Jahren war ein Mord im Jahr 2011 in Plochingen, wo eine damals 41 Jahre alte Sportschützin ihren Mann von hinten erschossen hatte. Das Paar hatte fünf Kinder. Auch in diesem Fall gab es keine Anhaltspunkte dafür, dass der wohl seit langem schwelende Streit in einem solchen Gewaltexzess enden würde.

Die Leidtragenden sind immer die Kinder. Zum einen, weil sie häufig die Tat mitansehen und dann in den Prozessen aussagen müssen. Zum anderen verlieren sie nach einer solchen Tat immer beide Eltern – da ein Elternteil tot ist und das andere zum Teil lebenslang im Gefängnis sitzt. Können die Kinder nicht von Verwandten aufgenommen werden, bleibt oftmals nur der Weg in ein SOS-Kinderdorf.




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