Reinhold Würth wird 80 Der Glanz der Kunst hebt das Image

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Reinhold Würths Engagement für die Kultur ist enorm. Auf 16 000 Werke ist die Sammlung inzwischen angewachsen. Aber er sammelt durchaus mit Hintersinn.

Reinhold Würth mit seinem bronzenen  Ebenbild von  Alfred Hrdlicka (1996). Foto: StZ
Reinhold Würth mit seinem bronzenen Ebenbild von Alfred Hrdlicka (1996). Foto: StZ

Künzelsau - Ob er die Kunst wirklich liebt? Schlägt sein Herz im tiefsten Innern für die berühmte Schutzmantelmadonna oder die vielen Picassos, die er besitzt? Reinhold Würth ist da eher nüchtern. Große Gefühlsduseleien sind seine Sache nicht. Klassische Musik könne ihn zu Tränen rühren, hat er mal gesagt, vor der Kunst lasse er dagegen eher die Gedanken schweifen. Manchmal mag sie ihm unter die Haut gehen, aber, und das wiederholt Würth gern und oft, deshalb drifte er noch lang nicht „in die Esoterik“ ab. Er verweile gern fünf, zehn Minuten vor einer Skulptur. Das war’s.

Reinhold Würth hat eine gigantische Kunstsammlungen aufgebaut – und sich trotzdem einen eher pragmatischen Umgang mit der Kunst bewahrt. Als junger Mann fing er in den sechziger Jahren an, hier und dort etwas zu kaufen und sammelte eher amateurhaft. Heute ist die Sammlung Würth auf 16 000 Werke angewachsen. Es gibt Sammler, die strategisch vorgehen, sich auf einen Stil, bestimmte Künstler konzentrieren. Reinhold Würth kauft dagegen kreuz und quer durch die Kunstgeschichte, er besitzt die wichtigsten Vertreter der Klassischen Moderne wie Picasso und Ernst Ludwig Kirchner, aber auch regionale Künstler, Skulpturen und Gemälde, große und kleine Meister. Nicht nur das, zur Sammlung gehören auch Weihnachtskrippen, historische Kfz-Werkzeuge und -Ersatzteile. Reinhold Würth sammelt grad so, wie es ihm beliebt, schließlich sei er, wie er sagt, niemandem Rechenschaft schuldig.

Die Alten Meister gehören dem Privatmann Würth

Dabei gehört allerdings nur ein kleiner, aber gewichtiger Teil der Sammlung Würth als Privatmann: die Alten Meister. Da sie auf der Liste der zu schützenden Kulturgüter stehen, sind sie von der Erbschaftsteuer befreit. Der Rest der Sammlung ist dagegen Eigentum des Konzerns und steht entsprechend in der Bilanz. Denn Reinhold Würth ist zwar kunstaffin, aber auch durch und durch Geschäftsmann. Was immer er tut – und er tut extrem viel für Kunst und Kultur – geschieht immer auch mit einer gewissen Berechnung.

So ist Würth einerseits ein wichtiger und großzügiger Unterstützer zahlloser Kulturinstitutionen und -veranstaltungen. Es ist ihm ein Anliegen, dass Kultur in der Gesellschaft breit verankert ist und viele Menschen die Möglichkeit haben, seine Sammlungen zu sehen. Aber wenn es an den Standorten des Unternehmens Kunstausstellungen und Kulturprogramme gibt, so auch, weil Würth weiß, dass er mit kulturellen Aktivitäten das Wirgefühl der Belegschaft fördert. In Oslo oder auch im elsässischen Erstein wurden sogar auf dem Firmengelände neue Museen errichtet – weil solche Projekte dem Konzern eben auch „eine beachtliche Erhöhung des Bekanntheitsgrads“ bringen, so Würth.

Er verbindet das Nützliche mit dem Schönen

So verbindet Würth das Nützliche mit dem Schönen. Und am liebsten ist es ihm, wenn er bei seinem Engagement auch noch seine Heimat unterstützen kann – wie mit der Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall und der benachbarten Johanniterkirche, die er eigens umbauen ließ für die Alten Meister. Als 2003 eine ganze Reihe Bilder altdeutscher Maler aus der Fürstlich Fürstenbergischen Sammlung verkauft wurden, ließ sich Würth, der sich bis dahin auf Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts konzentriert hatte, von seiner Frau Carmen „breit schlagen“. Einen zweistelligen Millionenbetrag soll Würth für die Werke des Meisters von Meßkirch und Lucas Cranach aufgebracht haben – womit er verhinderte, dass die wichtigen Kulturschätze ins Ausland abwanderten. Der absolute Glanzpunkt in der Sammlung ist aber die Schutzmantelmadonna von Hans Holbein dem Jüngere, die Würth 2011 für rund 50 Millionen Euro der Erbengemeinschaft des Prinzen Ludwig von Hessen abkaufte. Jetzt hängt sie nicht mehr im Frankfurter Städel – sondern in der Johanniterkirche in Hall.

Auch kaufmännisch betrachtet seien die Alten Meister ein kluger Zug gewesen, sagt Würth nüchtern – und macht kein Hehl daraus, dass sein Kunstengagement wichtig für das Unternehmen ist, denn die auch internationalen Zeitungsberichte, – etwa über die David-Hockney-Ausstellung in Schwäbisch Hall – bekomme er durch die Kunst, nicht durch die Schrauben.

Würths Engagement im Sport, im sozialen und wissenschaftlichen Bereich ist gigantisch, aber vor allem die Kultur im Land profitiert enorm. So machte Christo zwischen New York und Abu Dhabi Station in Schwäbisch Hall, um dort einen Baum zu verpacken oder pilgerten Hunderte nach Hall, um Alfred Hrdlicka in einer seiner letzten großen Ausstellungen noch einmal die Reverenz zu erweisen. Reinhold Würth ist ein großer Förderer von Kunst und Kultur – und wird doch immer Kaufmann bleiben. Als er die Restaurierung der Cappella Palatina in Palermo mit unterstützte, sagte er entsprechend, es sein „wunderschön“ geworden, aber eben auch „ein toller PR-Erfolg“ gewesen.