Reise-Influencerin aus Ehningen „Uns geht es nicht darum, kostenlos Urlaub zu machen“

Immer auf der Suche nach der perfekten Aufnahme: Aylin Gürkan und ihr Verlobter Lukas Sturzenegger. Ursprünglich kommt die 30-Jährige, die ihr Geld seit einiger Zeit als Luxus-Travel-Influencerin verdient, aus Ehningen. Foto: Influenced Social Media Agency

Aylin Gürkan aus Ehningen zeigt auf Instagram beruflich ein Leben voller Reisen, Palmen und Infinity-Pools. Einblicke in eine schimmernde Welt, die auch ihre Schattenseiten hat.

Volontäre: Janina Link (jali)

Die Drohne gleitet durch die Luft. Unter ihr breitet sich ein riesiger Infinity-Pool aus, der mit dem Horizont zu verschmelzen scheint. Das Türkisblau des Wassers wirkt fast surreal, der Sand rund herum ist weiß und frei von Fußspuren. Palmen recken sich in sattem Grün dem Himmel entgegen. Inmitten dieser Kulisse zieht ein Mann mit kraftvollen Zügen durchs Wasser – er hat das Becken ganz für sich allein. Der Pool endet direkt dort, wo das Meer in noch tieferem Blau beginnt. Die Farben sind satt, die Aufnahmen gestochen scharf. Fast zu perfekt, um echt zu sein.

 

Für Aylin Gürkan und ihren Verlobten Lukas Sturzenegger, den Mann aus dem Video, ist das Realität. Mehr noch: Es ist ihr Beruf. Wer sich durch das Instagram-Profil des Influencer-Paares scrollt, landet in einer Welt aus Sonne, Palmen und Luxus. 762 000 Menschen verfolgen die beiden dabei, wie sie in exklusiven Hotels absteigen und ferne Orte bereisen. Auf den Bildern: perfektes Licht, perfekte Posen, perfekte Menschen – mit strahlenden Zähnen und sonnengebräunter Haut, scheinbar eins geworden mit der Traumkulisse.

Ursprünglich kommt die 30-Jährige aus dem Kreis Böblingen

Ein Anruf bei Aylin Gürkan führt in die Schweiz – ihrer Wahlheimat, in die sie der Liebe wegen gezogen ist. Ursprünglich kommt die 30-Jährige aber aus hiesigen Gefilden: In Böblingen wurde sie geboren, aufgewachsen ist sie in Ehningen. Von einer kleinen Gemeinde hinaus in die Luxusresorts dieser Welt – wie man zu solch einem Beruf kommt, lässt sich nicht in einem Satz beantworten. Dafür muss die Influencerin weiter ausholen.

Wer sich durch das Instagram-Profil des Influencer-Paares scrollt, landet in einer Welt aus Sonne, Palmen und Luxus. Foto: Influenced Social Media Agency

Am Anfang sei das Reisen nur ein Hobby gewesen – ein ziemlich kostspieliges. Um es sich zu ermöglichen, habe sie bereits mit 16 Jahren in einem Café auf dem Böblinger Flugfeld gejobbt. Mit 18 begann Gürkan dann ihr Studium in Wirtschaftsinformatik, arbeitete weiterhin nebenher in dem Café und nahm obendrein noch einen Werkstudentenjob mit 20 Stunden die Woche an.

„Über einen längeren Zeitraum habe ich das nebenberuflich gemacht“

Zu dieser Zeit begann sie, sich auf Instagram einen Namen zu machen, warb dort für verschiedene Produkte und Dienstleistungen. Schließlich kam so auch die erste heiß ersehnte Zusammenarbeit mit einem Hotel zustande. „Anfangs waren diese Kooperationen noch unbezahlt“, erinnert sich Aylin Gürkan. Das bedeutete: Das Hotel übernahm zwar die Kosten für Unterkunft und Verpflegung, ein zusätzliches Honorar gab es nicht.

„Über einen längeren Zeitraum habe ich das nebenberuflich gemacht“, erzählt sie. Nach ihrem Masterabschluss arbeitete sie zunächst in Vollzeit als Entwicklungsingenieurin bei Porsche. Bei einer ihrer Kooperationsreisen lernte Gürkan dann Lukas Sturzenegger kennen. „Ich war direkt in love“, blickt sie am Telefon auf diesen Moment zurück und muss lachen. Es dauerte nicht lange, bis die 30-Jährige den Kreis Böblingen hinter sich ließ und zu ihrem Partner in die Schweiz zog.

Manche fragten: Mit wessen Geld reist du eigentlich?

Mittlerweile hat Aylin Gürkan ihr Hobby zum Vollzeitberuf gemacht: Sie reist an die schönsten Orte – und wird dafür bezahlt. Dass das nicht nur auf Zustimmung stößt, ist in der Ära digitaler Anfeindungen keine Überraschung. Gerade am Anfang ihrer Karriere, als sie noch allein auf den Social-Media-Plattformen unterwegs gewesen sei, habe sie viele abwertende Kommentare zu lesen bekommen. „Manche schrieben: ‚Mit wessen Geld reist du eigentlich? Zeig doch mal den Typen, mit dem du unterwegs bist.‘“, erinnert sie sich. Die Vorstellung, dass eine Frau ihre Reisen selbst bezahlt, passte für viele offenbar nicht ins Bild.

„Mittlerweile nehme ich mir Hass-Kommentare nicht mehr zu Herzen“, sagt Gürkan. Konstruktive Kritik würde sie hingegen gerne annehmen, betont sie. Apropos Kritik: Wer beruflich um die Welt reist, bleibt in der Klimadebatte nicht unbeachtet, das merken auch Gürkan und Sturzenegger. Nachvollziehbar, wie sie sagt. Sie versuche, ihre Reisen so zu planen, dass sie vor Ort mehrere Kooperationen auf einmal umsetzen kann, anstatt für einzelne Projekte mehrfach zu fliegen. „Aber ich weiß natürlich, dass das nicht optimal ist.“

Aylin Gürkan hat ihr Hobby zum Beruf gemacht: Sie reist an die schönsten Orte – und wird dafür bezahlt. Foto: Influenced Social Media Agency

In aller Frühe aufstehen für den perfekten Sonnenaufgang

Am Telefon erzählt Gürkan, dass sie und ihr Verlobter – den Heiratsantrag gab es damals übrigens auf den Malediven – gerade erst von den Seychellen zurückgekehrt seien. Doch wie läuft so eine werbefinanzierte Reise eigentlich ab?

„Wir planen schon vor der Reise grob, was für Content wir dort machen wollen. Vor Ort schauen wir uns dann noch mal alles genau an: wo die Sonne auf- und -untergeht, wie das Licht fällt und so weiter. Morgens steht man ganz früh auf für den Sonnenaufgang. Man ist top gestylt und fotografiert erst mal“, erzählt die 30-Jährige. So ein Shooting könne sich dann auch mal mehrere Stunden lang hinziehen. Schließlich sollen nicht nur sie selbst, sondern auch die Location in perfektem Licht erscheinen.

„Wenn man es richtig macht, ist das ein Vollzeitjob“

„Ich finde es schade, dass der Job als Influencer noch immer oft abwertend betrachtet wird“, sagt Aylin Gürkan. „Wenn man es richtig macht, ist das ein Vollzeitjob.“ In Gesprächen mit Hotelmanagern würden sie immer wieder hören, dass bei manchen Influencern die Bereitschaft schwindet, für erhaltene Leistungen auch etwas zurückzugeben. Anders bei Gürkan und ihrem Partner: „Uns geht es nicht darum, kostenlos Urlaub zu machen.“

Zum Landkreis Böblingen habe sie immer noch eine ganz besondere Verbindung. „Ich liebe Böblingen“, sagt sie. „Der Großteil meiner Familie wohnt hier immer noch. Das ist einfach meine Heimat.“ Mindestens einmal im Monat versucht sie, ihre Familie zu sehen. In solchen Momenten genehmige sie sich dann bewusst eine Auszeit vom Influencer-Dasein. Dann, so erzählt sie, „bin ich einfach mal nur Aylin.“

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Influencer-Marketing ist ein wichtiger Bestandteil der modernen Werbeindustrie geworden. Es birgt sowohl Chancen als auch Risiken, da Authentizität, Transparenz und die Einhaltung von Werbekennzeichnungspflichten entscheidend für Erfolg und Glaubwürdigkeit sind.

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