Reise nach Namibia Die Wüste lebt

Auf den ersten Blick tot, auf den zweiten voller abenteuerlicher Begegnungen: Die Wüste Namib Foto: Bettina Bernhard

Nebelgrauer Himmel über sandfarbenem Geröll: Namibias namensgebende Wüste scheint farblos, tot und langweilig. Aber nur, bis man in der Namib auf giftige Puffottern, bezaubernde Babygeckos und glitzernde Sandgemälde trifft.

Freizeit & Unterhaltung: Bettina Bernhard (bb)

„Puffottern tarnen sich super im Sand. Ohne es zu merken, trittst du einer auf den Kopf und sie beißt mit den klappbaren Frontzähnen zu. Das Gift bringt dich nicht um, aber der Schmerz ist fast nicht auszuhalten“, sagt Christopher Nel und strahlt dabei. Die Gäste seiner Wüstentour im namibischen Dorob-Nationalpark schauen sich an. Macht er Witze?

 

Die Puffotter lockt Beute mit ihrer Schwanzspitze

Weil angeblich alle fünf Meter solch ein Tier wohnt, laufen die Wüstenneulinge brav in einer Spur, die der Chef von Living Desert Adventures anführt. Wie Hütehunde um eine Schafherde kreisen seine Spurensucher Pietrus und Isaak um die Truppe, halten Ausschau nach Tierspuren und . . . „Stopp!!“ Pietrus hat gesehen, dass sich unter dem Schuh eines Wanderers etwas bewegt hat. Volltreffer – es ist eine sandfarbene Puffotter. Die Kleine schlängelt sich seitwärts, gräbt sich ein und schnauft heftig „puff puff puff“, als Pietrus sie erneut freilegt. „Ihre Beute lockt sie mit der Schwanzspitze an. Die lässt sie aus dem Sand gucken und wackelt damit. Das sieht für Eidechsen aus wie leckerer Wurm“, erklärt er.

Weiter geht’s im Gänsemarsch durch hellen Sand, dessen Hügel stachliges Gestrüpp ziert. In einem davon lebt die nächste tierische Überraschung, ein Chamäleon. „Es wird bis zu 30 Zentimeter groß und etwa 30 Jahre alt“, referiert Christopher. Aus seiner Vesperbox zaubert er einen Wurm und wedelt dem Chamäleon damit vor der Nase herum. Das lässt seine XXL-Zunge herausschnellen und weg ist der Wurm. Dann verdreht es seine Augen ringsum, wechselt kurz die Farbe und entschwindet.

Chamäleon im sandfarbenen Tarnkleid Foto: Bettina Bernhard

Hier in der Namib, was offener Platz bedeutet, herrscht laut den Wüstenführern „mehr Leben als irgendwo sonst in der Wüste“. Und das liegt an zweierlei: dem Wind aus Botswana, der reichlich Samen in die Namib bläst, die sich mit Fasern, Schalen und Haaren zu nahrhaften Knäueln verbinden, und dem Nebel. Er bildet sich jeden Morgen, wenn frischer Wind über dem dank Antarktis-Strom eiskalten Meer auf warme Wüstenluft trifft. Er liefert der Tierwelt das nötige Wasser. Nebelbadende Käfer machen extra einen Kopfstand, damit der Nebel auf ihrem Rücken kondensiert und als Rinnsal in ihr Mäulchen läuft.

Mineralien bringen Farbe in die Wüste

Auch der Rest der Tierwelt – Ameisen, Silberfischchen, Käfer, Eidechsen, Spinnen, von denen sich wiederum Erdmännchen, Springmäuse, Schlangen und Raubvögel ernähren – hat wüstentaugliche Strategien entwickelt. So trägt der namibische Dünengecko, den Spurensucher Isaak durch ein Muster im Sand aufspürt, als einzige Art keine Saugnäpfchen, sondern Sandschuhe an den zarten Füßchen.

Der Namib Dune Gecko ist noch sehr jung und fast durchsichtig Foto: Bettina Bernhard

Mit dem Jeep geht es zurück durch die Dünen, die im langsam durchsickernden Sonnenlicht in den tollsten Farben leuchten: von Granatrot über Rostbraun und Magnetitschwarz bis hin zu Muschelfarben und Kalkweiß – je nach Mineralgehalt. Der Wind zeichnet Ribbelmuster und gestaltet die Dünen immer neu zu fantastischen, vergänglichen Gemälden.

Frischer Fisch und reine Diamanten

Reich an Bodenschätzen – von Uran bis hin zu Diamanten – ist neben der Namibwüste auch der direkt angrenzende Atlantik. Hier werden nicht nur reichlich Fisch und Meeresfrüchte herausgeholt, sondern auch Öl gefördert und Diamanten vom Meeresboden gesaugt und ausgefiltert. „Es sind sehr reine Diamanten, weil alles Unsaubere und Unperfekte schon vom Sand und der Wellenbewegung weggewaschen wurde“, weiß Christopher Nel, der auch schon als Diamantentaucher gearbeitet hat.

Im Wasser leben Seehecht, Sardinen, Seeteufel, Tintenfisch und Langusten – die man im nahen Swakopmund fangfrisch serviert bekommt. Falls sie nicht schon weggefuttert wurden von den mehr als 100 000 Zwergpelzrobben, die allein bei Cape Cross stinken und planschen und röhren.

Robben bis zum Horizont am Cape Cross Foto: Bettina Bernhard

Hier ging 1486 der Portugiese Diogo Cão an Land, weil er Bewegung sah. Als er statt Menschen aber nur Robben vorfand, hinterließ er ein Kreuz und segelte weiter. Die nächsten Weißen, die sich an der Küste breitmachten, waren Briten und schließlich, als Südwestafrika deutsches Protektorat wurde, die Deutschen. 1892 setzte die Kaiserliche Marine erste Baken an der Mündung des Swakop und Swakopmund war gegründet.

Alte Zeiten und Zukunftspläne

Noch heute findet man in der blitzsauberen und fast schon pedantisch ordentlichen Stadt Brauhaus, Hansehotel und Café Anton. Hier sitzen weiße Senioren, die wehmütig der alten Zeiten gedenken. Mondesa, die einstige Township von Swakopmund, ist jung, bunt und lebendig. Hier arbeiten sie an der Zukunft. Gegründet als Viertel für die Schwarzen, als die damalige Mandatsmacht Südafrika nach dem Zweiten Weltkrieg auch in Namibia die Apartheid einführte, leben dort heute rund 60 000 Menschen.

Ein Rundgang führt zum Markt für afrikanische Medizin, zur Rinderrösterei über offenem Feuer, durch Gassen mit Kiosken, Barbershops und Werkstätten und ins Handwerkszentrum. Hier gestalten Arbeitslose Perlenschmuck und Schnitzarbeiten, nähen, malen und basteln Untersetzer aus Kronkorken und Deko-Tiere aus Kabelresten. Gäste sind willkommen – wie im Afrikanischen Restaurant, wo Hirsebrei, Spinat und Mopani-Würmer serviert werden und zum Nachtisch die Band Rivonia Music aufspielt – junge Leute, die sich das Geld fürs Studium mit Trommeln und Singen verdienen.

Info

Anreise
Ab Frankfurt mit Ethiopian Airlines via Addis Abeba nach Windhuk, www.ethiopian-airlines.com, oder mit Eurowings Discover, www.eurowings.com.

Unterkunft
Mit Poolbar auf dem Dach in Windhuk: Avani Windhoek Hotel & Casino, DZ/F ab 79 Euro, www.avanihotels.com Ruhig und zentral in Swakopmund: The Delight, DZ/F ab 83 Euro, www.store.gondwana-collection.com

Veranstalter
Enchanting Travels bietet maßgeschneiderte Touren in Namibia an, zum Beispiel 10 Tage „Verborgene Schätze in Namibias Norden“ ab 6390 Euro pro Person inklusive Verpflegung, Fahrten, Safari etc. zuzüglich Flug, www.enchantingtravels.com/de/ Touren in Namibia bieten auch Berge & Meer, www.berge-meer.de, oder Gebeco, www.gebeco.de.

Wüstentour
Touren in die Namib-Wüste bietet Living Desert Adventures in Swakopmund, www.livingdesertnamibia.com Buchtipps
D. Schetar/F. Köthe: Namibia, Reise KnowHow, 516 Seiten, 24,90 Euro Christian Selz: Namibia, Marco Polo Reiseführer, 152 Seiten, 14,95 Euro

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