Reise nach Uganda Mehr als Gorillas

Eine Herde Kaffernbüffel kommt zum Trinken an das Wasser des Kazinga-Kanals, der die beiden Seen Lake Edward und Lake George verbindet. Foto: Susanne Hamann

Ugandas größter touristischer Trumpf sind die vom Aussterben bedrohten Menschenaffen. Doch das ostafrikanische Land punktet auch mit Raubkatzen, Elefanten oder Nilpferden und einer bezaubernden Landschaft.

Leben: Susanne Hamann (sur)

Kampala - Der gnädige Herr hat alle viere weit von sich gestreckt. Locker baumeln die mächtigen Pranken von einem großen Ast der Kandelaber-Euphorbia, einer Baumart, die von Weitem aussieht wie aufgestellte Rasierpinsel. Der Löwe hat sich zum Schlafen nach oben verzogen, die Augen sind geschlossen, nur einmal dreht er träge brummend den Kopf. An seiner rechten Flanke sieht man eine Verletzung. „Wahrscheinlich hat er sich mit einem Büffel angelegt“, sagt Fahrer und Guide Peter Ndawula. „Zwischen diesen Tieren kommt es öfter zu erbitterten Kämpfen.“

 

Der Ugander hat ein paar Jahre in Osnabrück gelebt und spricht ausgezeichnet Deutsch. Ebenso gekonnt lenkt er den achtsitzigen, moosgrünen Toyota-Jeep über die Mweya-Halbinsel, einen Teil des Queen-Elizabeth-Nationalparks im Südwesten Ugandas. Ein paar Hundert Meter vom Baumlöwen entfernt erspähen Peters scharfe Augen wieder etwas. Langsam fährt er durch das hohe Gras. Und tatsächlich: Unweit einer Akazie liegen drei Löwenweibchen. Entzücktes Staunen, Kameras klicken.

Afrika im Westentaschenformat

Die meisten Touristen kommen wegen der seltenen Berggorillas nach Uganda. Im undurchdringlichen Dschungel des Bwindi-Nationalparks an der Grenze zu Ruanda leben die berühmten, vom Aussterben bedrohten Menschenaffen. Und ja: Eine Begegnung mit ihnen ist imposant und einzigartig. Aber das ostafrikanische Land hat noch so viel mehr zu bieten.

Wer eine Vielfalt an exotischem Getier in freier Wildbahn erleben will, ist im Queen Elizabeth Park goldrichtig: Das insgesamt rund 2000 Quadratkilometer große Reservat beherbergt rund 100 verschiedene Säugetiere und über 600 Vogelarten. Dazu kommt eine bezaubernde Landschaft: Savanne, dichter Dschungel, Sumpfgebiete, dazwischen leuchten wie hingetupft blaue Kraterseen. Hier leben Kaffernbüffel, Antilopen, Warzenschweine. Ein Geier pickt die Reste aus einem Impala-Skelett, das Löwen oder Geparden übrig gelassen haben. Afrika im Westentaschenformat, ganz kompakt.

Wehe, wenn die Elefanten die Felder stürmen

Wieder ein Stück weiter stampft eine Elefantenfamilie vorbei. Die fünf ausgewachsenen Tiere haben zwei Junge in die Mitte genommen und achten peinlich genau darauf, dass der Nachwuchs nicht ausbüxt. Die Touristen beobachten das Schauspiel aus sicherer Entfernung durch das geöffnete Dach des Allradfahrzeuges. Während sich die fremden Besucher über den Anblick der Dickhäuter freuen, sind die Einheimischen nicht gerade begeistert, sie zu sehen. Jedenfalls nicht außerhalb des Parks.

Doch ab und an zieht es eine Herde auf die umliegenden Kaffee-Plantagen, um sich einen besonderen Snack zu genehmigen. Wer mag schon jeden Tag nur Buschgras fressen? Im Dorf Katara nicht weit vom Park entfernt sieht man viele Kinder an der Straße herumstehen. „Die Kinder halten Wache. Wenn die Elefanten kommen, schlagen sie mit Steinen gegen die Leitplanke und machen richtig Lärm“, erklärt Peter Ndawula.

Die Bauern können es sich nicht leisten, einen Teil ihrer Ernte zu verlieren. In dem ostafrikanischen Land leben rund 20 Prozent unter der Armutsgrenze. Die wichtigste Einnahmequelle für Devisen ist der Tourismus, doch der hat in Coronazeiten – wie überall auf der Welt – gelitten. Da die Infektionszahlen recht niedrig sind, kommen seit einigen Monaten wieder Urlauber ins Land.

Nilpferde und Kaffernbüffel am Kazinga-Kanal

Leise tuckert die doppelstöckige Prahmfähre über den Kazinga-Kanal, dank ihres extrem flachen Rumpfs kommen die Boote ganz nah ans Ufer ran. Selten ist eine Tierbeobachtung komfortabler. Die Fahrt geht vorbei an einem Steilufer, die lehmige Böschung ist durchlöchert, als wäre sie mit Schrotflinten beschossen worden. „Das sind Brutstätten von Eisvögeln“, sagt Azariah Kameraho.

Seit 18 Jahren arbeitet er für die ugandische Wildtierbehörde als Ranger und räumt dabei mit vielen Vorurteilen auf. Wer die hellrosa blühenden Wasser-Hyazinthen hübsch findet, habe keine Ahnung: „Die Pflanzen binden zu viel Sauerstoff. Das ist schlecht für die Wasserqualität. Wir müssen sie immer wieder entfernen.“ Löwen sind gefährlich? Von wegen: „Die meisten Menschen, die in Afrika von Tieren getötet werden, fallen Nilpferden zum Opfer.“ Wer hätte das von den putzig wirkenden, allgemein beliebten Hippos gedacht?

Spuren der britischen Kolonialherren

Der Kazinga-Kanal ist eine natürliche Wasserstraße, 32 Kilometer lang, und verbindet den Edward- und den George-See, beide benannt nach britischen Königen. 1962 rollten die Kolonialherren in Uganda ihre Fahne ein und gingen, doch die Namen blieben. Die Landkarte des ostafrikanischen Landes liest sich bis heute wie ein „Who’s who“ der britischen Royals, auch Albert und Victoria sind prominent vertreten.

Majestätisch schreitet ein Elefant ans Wasser. Der Rüssel greift kraftvoll in die Papyrus-Büsche und stopft sich ein großes Bündel Zweige ins Maul. 300 Kilogramm frisst ein ausgewachsenes Tier am Tag. Die Zone am flach abfallenden Wasser bietet ein Bild des Friedens: Kaffernbüffel dösen neben ägyptischen Gänsen, Kormoranen und Pelikanen, eine Nilpferd-Familie kuschelt so innig, dass sie sich nicht einmal von den auf ihrem Rücken landenden Seeschwalben stören lässt. Ein Krokodil geht auf Tauchstation. Ein Kronenkranich stolziert erhobenen Hauptes vorbei, offenbar weiß der Vogel um seine besondere Bedeutung als Wappentier Ugandas.

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Schimpansen-Trekking im Kibale-Nationalpark

Erst raschelt es nur weit entfernt in den meterhohen Baumwipfeln, dann lugt ein Stück dunkles Fell zwischen den Blättern hervor. Ein Schimpanse sitzt im Geäst des Zürgelbaums und knabbert genüsslich an dessen Früchten. Plötzlich ein Schrei, der zu einem ohrenbetäubenden vielstimmigen Lärm anschwillt. „Die Schimpansen streiten sich wohl um ein Weibchen“, sagt Sarah Nemigisha. Die Rangerin führt Touristen durch das Dickicht im Kibale-Nationalpark. Sie trägt einen militärisch wirkenden Camouflage-Anzug, über der Schulter baumelt ein Sturmgewehr – falls ein Elefant oder Büffel gefährlich nahe kommt. Die gibt’s hier nämlich auch.

Auf einmal klettert ein Affe behände vom Baum und legt sich nur ein paar Meter von den Menschen entfernt auf den Boden. Wie bei einem Fotoshooting posiert er, dreht sich mal auf die Seite, richtet sich dann wieder auf. „Das ist Enfuzi, der Anführer der Gruppe“, sagt Sarah Nemigisha. „Er findet Besucher sehr interessant.“

Menschliche Züge

Die Affen von Kibale sind habituiert – sie wurden behutsam an Menschen gewöhnt. Sie zu beobachten ist ein bisschen wie in den Spiegel schauen: Schimpansen sind den Menschen erstaunlich ähnlich, die Erbanlagen beider Spezies unterscheiden sich nur zu 1,2 Prozent.

Pro Tag wird nur eine bestimmte Anzahl von sogenannten Permits vergeben. Die Berechtigung, die Affen im Dschungel zu besuchen, kostet viel Geld. 200 US-Dollar (umgerechnet 172 Euro) für eine Stunde mit den Schimpansen, 700 Dollar (603 Euro) zahlt man für eine Stunde mit den Gorillas. Touristen, die Tiere in freier Wildbahn beobachten wollen, bringen also wichtige Devisen nach Uganda.

„Das Geld fließt zum größten Teil zurück in den Naturschutz. 20 Prozent gehen an Projekte in der Umgebung, damit die Menschen nicht mehr wildern“, sagt Paul Ninsiima von der Wildtierbehörde. Zu den Aufgaben der Ranger gehört leider, immer wieder Fallen aus dem Wald zu entfernen. Die Leute aus den Dörfern wollen eigentlich Antilopen jagen. Doch wenn es dumm läuft, stirbt ein Schimpanse im Eisen.

Zebras und Giraffen im Lake-Mburo-Nationalpark

Die Bäume sehen aus, als hätte man sie zu einer Gartenparty geschmückt: Wie Lampions schaukeln die Nester der Webervögel in den Ästen. Ein Hirte aus dem Stamm der Hima treibt eine Herde langhorniger Ankole-Rinder zum Grasen. Plötzlich muss der Jeep bremsen: Eine Herde Eland-Antilopen galoppiert vorbei. „Die sind sehr selten“, sagt Fahrer und Guide Peter Ndawula fast ehrfürchtig. Vor Schreck verfährt er sich doch glatt in dem unübersichtlichen Gelände. Doch was stören einen die paar Extra-Runden, wenn es so viel zu sehen gibt?

Der Lake-Mburo-Nationalpark zählt mit seinen 260 Quadratkilometern zu den kleineren Reservaten Ugandas. Auf den rumpeligen Schotterpisten durch die Buschsavanne muss der Wagen immer wieder stoppen: Zebrastreifen! Diese sind allerdings nicht auf den Boden gemalt, sondern werden als Fell durch die Gegend getragen. Neugierig stellt eine Giraffe das Wiederkäuen ein und schaut durch beneidenswert lange Wimpern auf den Jeep.

Unheimlicher Besuch in der Nacht

Die Langhälse waren bis vor Kurzem hier ausgestorben und mussten wieder angesiedelt werden. Sie sind so gelassen, weil sie in ihrem neuen Zuhause keine negativen Erfahrungen gemacht haben. Im Park gibt es keine Löwen, weshalb er sich auch für Safaris zu Fuß oder mit dem Fahrrad eignet.

Nachts in der Lodge sorgen trappelnde Geräusche auf der Terrasse für Unbehagen. Sind das die Affen, die öfter auf Futtersuche die Gästezimmer heimsuchen? Siedend heiß erinnert man sich an einen Müsliriegel im Koffer. Aus dem Dunkeln schälen sich zwei große Augen: ein nachtaktiver Primat aus der Familie der Buschbabys. Der mag nur Motten und Moskitos. Herzlich willkommen!

Reiseinfos

Anreise
Der Flughafen in Entebbe nahe Ugandas Hauptstadt Kampala ist mit verschiedenen Fluggesellschaften erreichbar, z. B. mit Qatar Airways (www.qatarairways.com) via Doha oder mit Emirates über Dubai (www.emirates.com).

Unterkunft
Stilecht afrikanisch und komfortabel wohnt man in Uganda in Lodges – das sind Anlagen mit kleinen, über ein meist weitläufiges Gelände verteilten Häuschen, oft aus Holz. Da es in der Umgebung meist keine Restaurants gibt, werden alle Preise inklusive Vollpension angegeben. Getränke gehen extra. Üblicherweise bezahlt man in den Lodges in US-Dollar, nicht alle nehmen Kreditkarten. Für Trinkgelder sollte man immer auch Uganda-Schilling bereithalten.

Hoteltipps Die Gästehäuschen der Katara Lodge nahe dem Queen-Elizabeth-Park bilden eine gekonnte Mischung aus Hütte und Zelt. Wer mag, kann sich das Himmelbett auf die Terrasse schieben lassen und nachts die Sterne beobachten. DZ ab 400 US-Dollar (344 Euro), www.kataralodge.com.Direkt an einem Vulkansee beim Kibale-Nationalpark liegt die Crater Safari Lodge. Man wohnt romantisch in Holzhäusern am Wasser – nachts geben die Frösche ein lautstarkes Konzert. DZ ab 480 US-Dollar (413 Euro), www.cratersafarilodge.com.Die Ndali Lodge ist ein wunderschönes, von einer britischen Familie geführtes Anwesen mit großem Garten und Pool auf einer Anhöhe hoch über dem Lake Nyinambuga. Hier fühlt man sich wie bei Freunden zu Gast. DZ ab 600 US-Dollar (517 Euro), www.ndalilodge.com.Auf einen Granitfelsen mitten im Lake-Mauro-Nationalpark thront die Mihingo Lodge. Der Blick reicht weit und sorgt für eine Stimmung wie im Film „Out of Africa“. DZ ab 500 US-Dollar (430 Euro), https://mihingo-lodge.com/

Hoch über dem Lake Mutanda liegt die Chameleon Hill Lodge. Die kunterbunt gestrichene Anlage wird von einer Münchnerin geleitet. Tolle Küche, herzlicher Service, DZ ab 500 US-Dollar (430 Euro), www.chameleonhill.com.

Das Hotel Latitude 0 liegt außerhalb des Stadtzentrums von Kampala im Vorort Makindye. Herrschaftliche Anlage mit Pool, mehrere Restaurants, Doppelzimmer mit Frühstück ab 122 US-Dollar (105 Euro), https://0.thelatitudehotels.com/

Ein Kleinod hoch über dem Lake Albert ist die Kikonko Lodge. Abends blickt man auf ein Lichtermeer – keine glitzernde Großstadt, sondern die Fischer, die ihren Fang anlocken wollen. Doppelzimmer ab 210 US-Dollar (180 Euro), https://kikonko.com/

Ein guter Ausgangspunkt für das Gorilla-Trekking im Bwindi-Impenetrable-Nationalpark ist die Gorilla Safari Lodge. DZ 500 US-Dollar (431 Euro), www.gorillasafarilodge.com

Aktivitäten
In Uganda gibt es diverse Nationalparks. Queen Elizabeth, Bwindi Impenetrable, Kibale und Lake Mburo gehören alle zur teuersten Kategorie A, das heißt der Eintritt kostet für Erwachsene 40 US-Dollar (rund 35 Euro), Kinder zahlen 20 US-Dollar (17 Euro). Dazu kommen Gebühren je nach benutztem Fahrzeug. www.ugandawildlife.org.Das Schimpansen-Tracking im Kibale-Nationalpark kostet 200 US-Dollar. Gorilla-Tracking 700 US-Dollar, unbedingt vorher anmelden oder über einen Reiseveranstalter buchen. Uganda-Reisen in der Gruppe oder privat gibt es z. B. bei Diamir, www.diamir.de, Globetrotter, www.globetrotter-select.de, oder Karawane, www.karawane.de.

Allgemeine Informationen
Ugandisches Fremdenverkehrsamt, https://exploreuganda.de

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