In Reiseführern wird New York gern als „pulsierende Metropole“ beschrieben. Wie diese Stadt wirklich tickt, wissen wenige so gut wie Sebastian Moll. Der langjährige Korrespondent der StZ hat ein Buch für all jene geschrieben, die hinter die funkelnde Fassade blicken möchten.

New York – Man muss sich nicht lange in New York aufhalten, um zu erahnen, dass die „aufregende und pulsierende Metropole“, wie Reiseführer die Stadt gerne darstellen, immer mehr vom Kommerz beherrscht wird. Weite Teile Manhattans sind in fester Hand von Starbucks und Co., von austauschbaren Edelrestaurants und Kaufhausketten. Selbst Touristen, die mehr erleben wollen als den lärmenden Time Square, spüren rasch, dass jene Orte, die authentisch gewachsen sind, die noch eine Geschichte erzählen können, immer schwerer zu finden sind.

 

Sebastian Moll, Korrespondent für die Stuttgarter Zeitung, lebt seit vielen Jahren in New York und ist unmittelbar vom Wandel betroffen. In seinem Buch „Uptown Blues in der funkelnden Metropole“ erzählt er von dieser traurigen Entwicklung, der sogenannten Gentrifizierung, unter der mittlerweile viele Großstädte leiden. In kurzen Geschichten beschreibt er Orte wie den Garment District, die sich im Umbruch befinden, und Menschen, die dagegen ankämpfen – und am Ende immer wieder gegen die Macht des Geldes verlieren. Dabei ist fast überall seine eigene Wut auf die von ihm beschriebene „keusche, keimfreie und fade Konsumkultur“ zu spüren.

Manche schwimmen auch gegen den Mainstream

Wie zum Trost widmet Moll zwischendurch jenen Personen ein paar Kapitel, die gegen den Mainstream schwimmen, wie beispielsweise die Künstlerin Marjorie Elliot, die jeden Sonntag in ihrer Wohnung kostenlose Jazzkonzerte veranstaltet.Im Epilog beschreibt Moll schließlich seine eigene Lebenssituation im Norden von Harlem, der von Immobilienspekulanten noch weitgehend verschont geblieben ist. Moll ist sich dabei bewusst, dass er als freischaffender Journalist „zu den Vorboten“ der Gentrifizierung gehört. „Ein paar Jahre ist aber gewiss noch Zeit“, schreibt er.

„Uptown Blues in der funkelnden Großstadt“ ist eine empfehlenswerte Lektüre für all jene, die hinter die glänzende Fassade des Big Apple blicken möchten. Das kleinformatige Buch, das nur gut 130 Seiten umfasst, vermittelt ein tieferes Verständnis für diese kaum fassbare Stadt als manch klobiger Reiseführer.