Pünktlich zum Beginn der Pfingstferien zieht es die Massen in die Ferne. Nach zwei Jahren gedämpfter Reiselust aufgrund von Corona-Beschränkungen, scheint sich eine weitaus harmlosere Erkrankung virusartig zu verbreiten: das Reisefieber. Bernfried Kraft vom gleichnamigen Reisebüro in Schönaich gehört zu der Branche, die Corona mit am härtesten getroffen hat. Ein Umsatzrückgang über 80 Prozent mussten Reisebüros allein 2020 verkraften.
„Manch einer hat das nicht überlebt“, sagt der Geschäftsführer. Doch im aktuellen Jahr, in dem das Virus durch die eher harmlose Omikron-Mutation seinen Schrecken verloren hat, sieht die Tourismus-Welt schon wieder ganz anders aus. „Was die Buchungen angeht, sind wir jetzt fast wieder auf dem Niveau von 2019. Und das war unser umsatzstärkstes Jahr seit Bestehen“, sagt Kraft. Zwar seien seine Kunden bei den ganz weiten Destinationen und auch bei Kreuzfahrten zurückhaltender als vor der Pandemie. Doch dafür gehen unter anderem die Club-Urlaube durch die Decke.
Empfehlung vom Fachmann: Drei Stunden vor Abflug am Terminal sein
„Wir haben uns auf diesen Bereich spezialisiert, auch weil die Nachfrage seit Jahren steigt“, sagt Kraft. Außerdem gönnten sich die Reiselustigen nach zwei eher enthaltsamen Jahren auch wieder etwas. Kraft: „Es wird sowohl länger als auch hochpreisiger gebucht.“ In diesem Jahr besonders beliebt: die Kapverdischen Inseln. Der Flug sei zwar länger als auf die Kanaren, „doch im Preis schlägt sich das nicht nieder“, sagt Kraft. Die Kombination aus idyllischen Stränden und angenehmen Temperaturen sei derzeit sehr gefragt. Genauso das östliche Mittelmeer mit Türkei und Griechenland, da das Meer dort jetzt schon wärmer sei. Insgesamt nehme der „erdgebundene Tourismus“, wie Kraft es nennt, aber zu. Kraft: „Manche scheuen noch die Enge im Flieger.“
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Wer aber zu einer Flugreise aufbricht, dem empfiehlt Kraft dringend, drei Stunden vor Abflug am Flughafen zu sein. „Da der Flughafen während Corona viele Sicherheitskräfte nicht beschäftigen konnte, sind diese abgewandert, jetzt herrscht daher Personalmangel.“ Die Folge: Urlauber stauen sich meterlang an den Sicherheitskontrollen, und der Abflug wird zur Nervenprobe. Reisende sollten sich außerdem informieren, ob auf ihrem Flug oder in ihrem Urlaubsland eine Maskenpflicht gilt. In den Terminals wird das Tragen einer FFP2-Maske weiterhin dringend empfohlen.
In der Tat herrscht am Stuttgarter Flughafen zum Ferienbeginn reger Betrieb auf dem Rollfeld. Allein am Freitag vor Pfingsten waren es 260 Starts und Landungen, teilt der Flughafen mit. Das sei mehr als an allen anderen Tagen in den Pfingstferien, in denen der Airport auf insgesamt 4000 Starts und Landungen kommt. Mit rund 370 Verbindungen sei die türkische Küstenstadt Antalya 2022 die Nummer eins bei den Zielen, gefolgt von Palma de Mallorca mit 300 Flügen.
ADAC: Die Reiselust dürfte zu langen Staus führen
Auf den Straßen schlägt sich die allgemeine Reiselust ebenfalls deutlich nieder. Für das Pfingstwochenende erwartet der ADAC Württemberg ähnlich viel Verkehr wie vor Beginn der Pandemie. 2019 erfasste er von Freitag bis Pfingstmontag 645 Staus bei einer Gesamtlänge von 1200 Staukilometern auf den Autobahnen in Baden-Württemberg. Zu den stauträchtigsten Strecken gehören der Großraum Stuttgart ebenso wie die A 81 Stuttgart-Singen oder der Albaufstieg der A 8. „Besonders am Freitagmittag wird es eng auf den Straßen, wenn Pendel- und Reiseverkehr zusammentreffen“, sagt Joachim Baumhauer, Stauberater beim ADAC.
„Insgesamt wird der Urlaubsverkehr deutlich heftiger ausfallen als in den Vorjahren, denn die Reiselust ist groß bei den Menschen.“ Mit einer zweiten Reisewelle rechnet Baumhauer am Samstagvormittag sowie am Pfingstmontag mit den ersten Rückkehrern vom Wochenendausflug. Am Samstagabend und vor allem am Sonntag sollte sich die Lage hingegen etwas beruhigen.
Sein Ratschlag lautet, bei Stau nicht auf die Nebenstraßen auszuweichen. „Solange es keine Vollsperrung gibt, spart man durch Umfahren keine Zeit, sondern steht dann auf der Landstraße im Stau“, sagt Baumhauer. Der Verkehrsexperte empfiehlt außerdem, einen ausreichenden Zeitpuffer für die Fahrt einzuplanen und sich über mögliche Alternativrouten zu informieren.