Devonport - Eine Insel war der australische Bundesstaat Tasmanien nicht immer, erst vor etwa 12 000 Jahren verschwand mit der letzten Eiszeit die Landbrücke zwischen Australien und Tasmanien. Seither trennt die rund 240 Kilometer breite und bis zu 100 Meter tiefe Bass-Straße die Insel vom Festland.
Damit endete die Wanderung von Mensch und Tier, die sich auf dem 68 400 Quadratkilometer großen Eiland nun ungestört entwickeln konnten – in den Regenwäldern des Westens und im sonnigen Ostteil. Milde Winter und kühle Sommer bescheren rund ums Jahr Schnee, Wind und Sonne – je nachdem, wo man gerade ist.
Anreise
Die Anreise nach Tasmanien ist einfach – etwas Zeit muss man allerdings einplanen, denn allein der Flug von Deutschland nach Australien dauert rund einen Tag, Zwischenstopps noch nicht eingerechnet. Von Melbourne, Sydney oder Brisbane aus ist es dann aber nur noch ein gut einstündiger Hüpfer nach Hobart oder Launceston auf Tasmanien (www.qantas.com, www.jetstar.com, www.virginaustralia.com). Oder man schippert noch neun Stunden mit der Autofähre von Melbourne nach Devonport.
Tiger und Teufel
Auf Tasmanien gibt es manches nicht, was sonst so auf der Welt kreucht und fleucht, dafür lebt anderes nur hier – allen voran der Tasmanische Teufel. Dem kleinen Raubbeutler mit schwarzem Fell und bei Aufregung leuchtend roten Ohren machten auf dem Festland eingewanderte Dingos den Garaus. +Bis Tasmanien kamen die Teufelsmörder aber nicht. Der Tasmanische Tiger (ein Wolf mit gestreiftem Fell) dagegen wurde von Zweibeinern tot gejagt. Dafür überlebten Pfuhlhuhn, Kurzschnabeligel, Panther- vogel, Tüpfelbeutelmarder und Bürstenrattenkänguru in bestem Einvernehmen mit Zwergpinguinen, Robben, Wombats und Wallabys.
Rund ein Viertel der Insel erklärte die Unesco zum Welterbe-Schutzgebiet „Tasmanische Wildnis“. Fast 40 Prozent der Fläche mit Regenwald, Gebirge, Höhlensystemen, Inselchen, Klippen und Buchten sind als Nationalparks ausgewiesen und so vor Massenandrang, Jagd, Holzeinschlag und Bergbau relativ geschützt.
Das tut auch not, denn das Interesse an der Nutzung von Wald und Wasserkraft ist so groß, dass sich aus Protest schon 1972 auf Tasmanien die weltweit erste grüne Partei gründete.
Paten
Die Insel stand Pate für die Tasman-Serie, ein Automobilrennen Anfang der 1960er in Australien und Neuseeland. Ferrari entwickelte dafür eigens den 246 Tasman.
Arno Schmidts Roman „Abend mit Goldrand“ spielt in Tasmanien und die irische Rockband U2 besang Van Diemen’s Land aus Sicht eines Häftlings. Einer der bekanntesten Tasmanier ist Schauspieler Errol Flynn.
Entdecker
Als Erster nahm der Niederländer Abel Tasman 1642 offiziell Notiz von der Insel, als er im Auftrag seines Generalgouverneurs vorbeisegelte. Nach diesem, einem Herrn Van Diemen, benannte er das neu entdeckte Land auch. Es folgten britische und französische Entdecker.
Die Briten richteten 1803 die ersten europäischen Siedlungen auf Van Diemen’s Land ein. 1856 bekamen die australischen Kolonien Autonomie und Tasmanien seinen neuen Namen. Das Staatsoberhaupt heißt heute noch Queen Elizabeth II..
Tasmanier
Gut eine halbe Million Menschen leben auf Tasmanien, ein Mix aus aller Welt. Ureinwohner sind nicht mehr darunter, denn die etwa 5000 Aborigines, die bei Ankunft der Briten auf Tasmanien lebten, waren 60 Jahre später Geschichte – samt ihrer Kultur und Sprache. Dazu trugen neben schießwütigen Siedlern und durchziehenden Robbenfängern die Krankheiten bei, die diese einschleppten.
Ein englischer Prediger rettete um 1840 die letzten 300 Ureinwohner auf eine vorgelagerte Insel, wo Hunger und Siechtum ihnen den Rest gaben. Die Nachfahren aus Mischbeziehungen von Europäern und Ureinwohnern summieren sich auf einige Tausend Menschen, deren Status als Ur-Tasmanier aber umstritten ist.
Sträflinge
Aus Geschichte und Literatur weiß man: Inseln sind prima Gefängnisse, vor allem, wenn sie weit draußen im wilden Ozean liegen. Auch Tasmanien war eine britische Strafkolonie. Zwischen 1803 und 1853 wurden rund 75 000 Häftlinge dorthin gebracht. Taschendiebe waren nicht darunter, nur schwere Jungs vom Mörder bis zum Brandstifter. Eine Reihe von Aufsehern überwachte sie bei der Zwangsarbeit. Die Flucht gelang nur wenigen Sträflingen, viel mehr bekamen dank guter Führung ihre Freiheit zurück.