Reisen in Franken Im Land der Zwetschgermännla
Zur Adventszeit halten die Franken besondere Überraschungen bereit – etwa im Industriemuseum in Lauf an der Pegnitz oder auf dem Nürnberger Christkindlmarkt.
Zur Adventszeit halten die Franken besondere Überraschungen bereit – etwa im Industriemuseum in Lauf an der Pegnitz oder auf dem Nürnberger Christkindlmarkt.
Bahnreisende können verwirrt sein. Es gibt ein Lauf links Pegnitz, eines rechts. Und Lauf West, das ist in jedem Fall verkehrt. Doch welche Zuglinie man wählt und von welcher Seite man kommt: Der Ort lässt sich finden.
Die Pegnitz wiederum ist ein dynamischer Fluss, sie führt ordentlich Wasser und spielte für die Entwicklung der Stadt eine entscheidende Rolle: Warenumschlag und Lagerplatz vor den Toren von Nürnberg. Schon im Mittelalter wurden zahlreiche Werkstätten gegründet und Gewerbe angesiedelt.
Die Wasserkraft trieb die Mühlen an, gesteigert durch die gezielte Verengung des Flusslaufes. Im Industriemuseum kann man das trefflich beobachten: Da tost und schäumt es durch die schmalen Kanäle, dass es eine Pracht ist. Ein mächtiges Hammerwerk wurde bis 1970 betrieben, ein großer Teil der Planken ist original erhalten.
„Vorsicht, Rutschgefahr!“, warnt ein Schild. Auch Museumspädagogin Steffi Schweikert rät zur Vorsicht auf dem nassen Holz: Sie zeigt die massiven Stellwerke, mit denen die Pegnitz geleitet und gesteuert wurde. Hinter dem Werksgebäude öffnet sich ein schöner Blick flussaufwärts. Schweikert führt vor allem Kindergruppen durch das Museum, an mehreren Stationen können sie erfahren, wie die Schwerkraft überlistet oder Korn gemahlen wurde.
Im ehemaligen Hammerwerk riecht es nach Maschinenöl, in der Kornmühle nach Holz und Mehl. Die Museumspädagogin lotst ihre Besucher weiter, in original eingerichtete Wohnungen – schlichte Behausungen, zu Weihnachten vielleicht mit einem Tannenzweig geschmückt. Rechter Hand wurde eine Wohnung im Stil der 1950er Jahre möbliert, die Dekoration ruft bei vielen Kindheitserinnerungen wach.
„Oh, meine Oma hatte einen solch roten Adventskranzständer mit Bändern!“, freut sich eine junge Frau. Eine betagte Lebkuchendose diente als Sammelbox für Schrauben, in vielen Kellern in der Nürnberger Umgebung seien sie noch alltäglich, so Steffi Schweikert.
Erste Elektrokerzen schmückten den Baum, eine fantastische Neuerung in den 1950ern. Angestellt wurden sie aber nur für kurze Zeit. Auch aus dem Deckenleuchter mit sechs Tulpenkerzen wurden drei der Birnen entfernt, um Strom zu sparen. „Das war eine Sache des Etats“, erklärt Steffi Schweikert und erinnert an die Ermahnung von der „Festbeleuchtung, die ja wohl nicht nötig sei!“. Vielleicht kommt die ja nochmals wieder. Unter dem Baum stehen „bunte Teller“ mit Nüssen, Äpfeln und Waffeln. Geschenkt wurde vor allem Praktisches, Socken, ein neuer Schlafanzug.
Zum Abschluss des Rundgangs findet sich die Gruppe im Bastelraum wieder, und Schweikert erzählt die Sage vom armen Drahtzieher aus Nürnberg: „Ein Drahtzieher lebte am Laufer Tor, arm war er, aber sehr nett. Gerne besuchten ihn die Kinder der Stadt, um mit ihm zu singen. Eines Winters wurde er krank und hatte mit dem Leben schon abgeschlossen. Da kamen die Kinder und sangen für ihn. Das gab ihm neuen Lebensmut, und er wurde gesund. Um den Kindern zu danken, nahm er, was er hatte: ein wenig Dörrobst, das er auf dem Ofen getrocknet hatte, und Draht. Und so bastelte er die ersten Zwetschgermännla.“
„Männla“, sagt man hier in Franken, wie es auch „Weggla“ heißt – statt Brötchen oder Weckle. Semmel sagt man keinesfalls! Man ist in Franken, das wurde einem schon bei der Ankunft klargemacht: unter Napoleon quasi zwangseingemeindet nach Bayern. Unter Napoleon! Das zergeht Baden-Württembergern auf der Zunge, die längst nicht so lange zusammengehören und doch gescholten werden, wenn sie ihre Rivalität pflegen. Ob Zwetschger oder Zwetschgen, sei wiederum weniger entscheidend. „Das wechselt selbst in Nürnberg von Stadtteil zu Stadtteil“, betont Lars Hochreuther vom Museum.
Die Gruppe bastelt eine einfachere Variante des Zwetschgermännlas, mit Alufolienkörper und Zahnstochern als Basis. „Man nehme: eine Nuss, vier Zwetschgen, drei Zahnstocher – und Alufolie für den Korpus“, erläutert Schweikert. Dazu etwas Stoff zum Dekorieren, Klebstoff und Geduld, mehr braucht es nicht.
„Müssen wir die mitnehmen?“, fragt eine Teilnehmerin aus Berlin. Nein, muss man nicht, ein Regal steht für die Krummen und Ausgesetzten parat: „Als Anschauungsmaterial für die Kinder“, sagt Steffi Schweikert und lacht. „Das soll nicht so perfekt sein.“ Die meisten lassen sich aber doch eine Plastiktüte für den Transport geben. „Knirps“ steht drauf, und sie ist selbst eine Antiquität.
Nach einem Rundgang über den kleinen, aber feinen Laufer Weihnachtsmarkt geht es weiter nach Hersbruck: Die Hoheit wartet. Bereits 2010 wurde hier Waldemar Bogner zum „Schäufelekönig“ gekürt. Mangels Konkurrenz ist er bis heute im Amt – und zeigt nebenbei die Schönheiten der Stadt. Am liebsten von oben, und so steigt man hinauf auf den Turm des Rathauses.
Der Umgang wird Samstagabend um 18 Uhr von den Turmbläsern genutzt, genau wie am Sonntag früh um Viertel vor zehn. Der „Repräsentant des Fränkischen Nationalbratens“ erklärt die Geschichte der Stadt und spart auch ihre unrühmliche Rolle als KZ-Außenstelle in der Nazizeit nicht aus. Das alte Rathaus wurde drei Tage nach dem Einmarsch der Amerikaner abgebrannt, sehr wahrscheinlich, um keine Spuren zu hinterlassen – der Neubau stammt von 1948.
Zu seinen Füßen liegt heute der friedliche Weihnachtsmarkt und um die Ecke das Gasthaus Bauer. Dort wiederum lässt sich das fränkische Schäufele verkosten, wahrlich ein Schweinsbraten, auf und am Schulterknochen liegend, obenauf mit röscher Kruste. Mehrfach begossen mit Dunkelbier soll sie am besten sein. Mit einem badischen Schäufele, das ja gepökelt ist, hat das rein gar nichts zu tun.
Anreise
Mit der Bahn ab Stuttgart über Nürnberg nach Lauf (links Pegnitz), www.bahn.de.
Unterkunft
Mit typisch fränkischer Küche im Gasthof Restaurant Bauer, Hersbruck, DZ ab 100 Euro, www.restaurant-cafe-bauer.de. In Nürnbergs Altstadt und dennoch sehr ruhig gelegen ist das Dürer Hotel, DZ ab 146 Euro, www.duerer-hotel.de. Das Altstadthotel Bruderherz hat eine eigene Brauerei und gute Küche, DZ ab 117 Euro, www.bruderherz-nuernberg.de.
Essen und Trinken
Gemütlich sitzt man im historischen Gasthaus „Der Zwinger Melber“ in Lauf an der Pegnitz, gute Hausmacherküche, www.zwinger-melber.de.Traditionelle Speisen in erhabener Lage im „Burgwächter“ in Nürnberg, www.burgwaechter-nuernberg.de. Fein auch die „Drei im Weggla“, drei Bratwürste im Brötchen, die es an vielen Ständen zu kaufen gibt.
Aktivitäten
Lohnend ist ein Besuch im Industriemuseum Lauf, das Mi. bis So., 11–17 Uhr, geöffnet hat (Eintritt 6 Euro, Kinder 2,60 Euro). Führungen und Workshops für Gruppen auch außerhalb der normalen Öffnungszeiten, www.industriemuseum-lauf.de. Sehenswert sind die Felsenkeller am Laufer Marktplatz unter der Altstadt: Führungen in den früheren Bierkellern über www.altstadtfreunde-lauf.de.
Allgemeine Informationen
Franken Tourismus, www.frankentourismus.de.