Reisen in Rheinland-Pfalz Buddha
Ein Jugendstil-Gebäude im Städtchen Traben-Trarbach an der Mosel beherbergt eine europaweit einzigartige Sammlung, die die faszinierende Welt des Buddhismus beleuchtet.
Ein Jugendstil-Gebäude im Städtchen Traben-Trarbach an der Mosel beherbergt eine europaweit einzigartige Sammlung, die die faszinierende Welt des Buddhismus beleuchtet.
Traben-Trarbach - Er sitzt mit überkreuzten Beinen unter freiem Himmel hoch über der Mosel. Über dem Fluss hängen letzte Fetzen des Frühnebels und zwei Schwäne ziehen im Uferbereich ihre Bahn. Doch der Buddha sieht die Schwäne nicht, denn er hält seine Augen geschlossen. Seine linke Hand ruht im Schoß, die rechte Hand berührt den Boden unter ihm und um seine Lippen spielt ein Lächeln. Es sieht aus, als träume er gerade einen schönen Traum. Oder lächelt er, weil ihn der Tautropfen kitzelt, der an seiner Nasenspitze in der Morgensonne glitzert?
Schön, anmutig, beruhigend – man kann den Blick nur schwer losreißen von dieser Skulptur im Freiluftbereich des Buddha-Museums in Traben-Trarbach. Nicht von dieser hier im Dachgarten des Museums. Und auch nicht von den anderen, die auf einer Ausstellungsfläche von rund 4000 Quadratmetern präsentiert werden. Manche sind fünf Meter hoch, andere so winzig wie ein Streichholzkopf. „Das hier ist die kleinste Buddha-Statue der Welt“, sagt die Leiterin des Museum Lydia Unger. „Sie steht im Guinnessbuch der Rekorde.“
Es gibt eben nicht nur einen Buddha. Weit über 2000 Darstellungen des indischen Siddhartha Gautama, kurz Buddha, dessen Lehre die Weltreligion des Buddhismus begründet hat, und weitere fernöstliche Kultgegenstände sind in Traben-Trarbach insgesamt zu sehen – Buddhas, die sitzen, und Buddhas, die stehen oder liegen, schlanke und mollige, gemalte und gemeißelte.
Die Statuen sind aus Stein, Holz, Elfenbein oder Porzellan. Sie stammen aus Indien, Afghanistan, Vietnam, Thailand und China, aber auch aus Tibet und Japan. „Manche sind bis zu 1700 Jahre alt“, sagt Lydia Unger und führt die Besucher zu einer Vitrine, in der man die sogenannten Gandhara-Buddhas bestaunen kann. Sie stammen aus dem 2. oder 3. Jahrhundert nach Christus und zählen damit zu den ältesten Darstellungen des Buddhas in menschlicher Form. Gefertigt wurden sie in Gandhara, einem Gebiet zwischen Afghanistan und Pakistan, in dem hellenistische mit indischen Einflüssen verschmolzen.
„Das ist das Alleinstellungsmerkmal dieser Sammlung: Wir haben aus allen Richtungen und allen relevanten Epochen typische Originalstatuen. Man kann das wirklich erleben, wie die Statuen ihre Schönheit, ihre Pracht und ihre Kraft entfalten“, schwärmt die Museumsleiterin.
Dass diese europaweit einzigartige Sammlung heute nicht in einer großen Metropole wie Berlin oder München präsentiert wird, sondern in Traben-Trarbach, verdankt das kleine Städtchen an der Mosel einem mittlerweile verstorbenen Privatsammler, dem Unternehmer Wolfgang Preuß sowie dessen Frau Brigitte. Es war ihre Idee, ein Museum zu stiften und so die Sammlung ihres Mannes einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
In ihrem Wohnort Traben-Trarbach besaß das Ehepaar eine leer stehende alte Weinkellerei direkt am Moselufer. Sie ließen noch einen Neubau ansetzen und schufen so ein Zuhause, in dem ihre Buddhas dauerhaft „wohnen“ konnten. Das war 1990. 2009 zogen die Buddhas ein.
Das Gebäude selbst hat der berühmte Jugendstil-Architekt Bruno Möhring entworfen. In Traben-Trarbach baute Möhring 1898/1899 auch die erste Brücke über die Mosel und das imposante Brückentor. Die Jugendstilelemente, die bis heute das Buddha-Museum zieren, ergeben gemeinsam mit der riesigen Ausstellungsfläche ein wunderbares Umfeld für die faszinierenden Exponate. Lydia Unger: „Unser Museum ist nicht nur dokumentarisch und kunsthistorisch gedacht. Es ist auch ein Ort der Stille, der Besinnung und der Neugier.“
Mit dem Zug bis Koblenz, dort umsteigen und bis Bullay fahren. Weiter mit der Moselweinbahn nach Traben-Trarbach.
Das Hotel Moselschlösschen liegt in Südlage direkt an der Uferpromenade der Mosel. DZ mit Frühstück ab 145 Euro.Das Hotel Bellevue im Stadtteil Traben zählt zu den schönsten Jugendstilhotels Deutschlands, DZ mit Frühstück ab 140 Euro.
Historische Stadt-Mühle, Weihertor-platz 1: Probieren Sie Ochsenbäckchen mit Gräwes, eine lokale Spezialität. Regionale Köstlichkeiten gibt es auch in der Alten Zunftscheune, Neue Rathausstraße 15 – serviert in einem historischen Gewölbekeller zwischen Holzbalken und altem Werkzeug.
Das Museum liegt direkt an der Mosel, am Bruno-Möhring-Platz 1 in Traben-Trarbach, Tel. 0 65 41 / 8 16 51 80, Öffnungszeiten: Dienstag bis einschl. Sonntag von 10 bis 18 Uhr.