Bis zu 67 Prozent Kriegsrisiko in Nahost, aber die Sicherheitslage in den Touristenregionen Ägyptens ist bislang stabil. Dennoch gelten Teilreisewarnungen für bestimmte Gegenden.

Digital Desk: Michael Maier (mic)

Während die Situation im Mittleren Osten insgesamt schwer zu beurteilen ist, sprach das Auswärtige Amt seit dem 24. Februar 2026 offiziell von einer „zugespitzten Lage in Iran, aufgrund der „eine zeitnahe militärische Eskalation in der Region, so auch in Israel, nicht ausgeschlossen werden“ kann. Dies hat sich nun dramatisch bewahrheitet. Die USA fordern ihre Landsleute bereits zur sofortigen Ausreise aus Ägypten auf. Auch andere Reisewarnungen werden verschärft.

 

Anders als für Dubai oder Saudi-Arabien gibt es für Ägypten/Hurghada bislang aber keine Eilmeldung vom Auswärtigen Amt (Stand: 2.3., 12.36 Uhr). Auch die Türkei ist bislang nicht tangiert.

Dennoch stellen sich viele eine berechtigte Frage: Muss die Reise ins beliebte Urlaubsland Ägypten etwa abgesagt werden? Fluggastrechte auf Entschädigung gibt es in Fällen von höherer Gewalt jedenfalls nur sehr bedingt. Hier eine aktuelle Analyse zur Situation.

Nur Teilreisewarnung für Ägypten (Stand 2.3.)

Für Ägypten besteht keine allgemeine Reisewarnung, sondern eine Teilreisewarnung des Auswärtigen Amts (Stand: 2.3.2026). Die Sicherheitsbewertung wurde seit Ende November 2025 nicht verschärft, trotz der wiederholten Spannungen im Nahen Osten. Auch für das benachbarte Zypern gab es trotz Drohneneinschlägen und eines abgesagten EU-Gipfels indes zunächst weder Reisewarnung noch Eilmeldung - möglicherweise aus politischen Gründen, da das Land aktuell die EU-Präsidentschaft inne hat.

Konkret warnt das Auswärtige Amt in Ägypten vor Reisen in:

  • Den Norden der Sinai-Halbinsel
  • Das ägyptisch-israelische Grenzgebiet (mit Ausnahme von Taba)
  • Entlegene Gebiete der Sahara

Die Sicherheitslage in Ägypten wird bislang jedoch insgesamt als „stabil und ruhig“ beschrieben, bei gleichzeitig bestehendem Risiko terroristischer Anschläge.

Vom Iran kontrollierte Huthi-Milizen im Jemen. Foto: IMAGO/Hamza Ali

Rotes Meer und Huthi-Angriffe vor Ägypten

Seit Oktober 2023 hat die vom Iran gesteuerte jemenitische Huthi-Miliz wiederholt Schiffe im Roten Meer unter Beschuss genommen. Die Bundesregierung hat für deutsche Schiffe in der Region erhöhte Gefahrenstufen festgelegt.

Diese Angriffe haben massive wirtschaftliche Auswirkungen auf Ägypten . Die Einnahmen des Suezkanals fielen 2024 von 10,3 Milliarden auf etwa 4 Milliarden US-Dollar. Positiv: Die Reederei Maersk hatte kürzlich wieder vorsichtig erste Transitfahrten durch das Rote Meer aufgenommen.

US-Kriegsschiff im Roten Meer. Foto: IMAGO/ZUMA Press Wire

Iran-Krise und Auswirkungen auf Ägypten

Seit Ende Dezember 2025 erschüttern landesweite Proteste Iran, mit einer vierstelligen Zahl vonTodesopfern. Die USA haben dem Land über Wochen mit Militärschlägen gedroht - und un damit Ernst gemacht.

Obwohl die Huthi-Miliz als enger Verbündeter Teherans gilt, hat das Auswärtige Amt bislang keine direkte Verbindung zwischen der Iran-Krise und einer erhöhten Gefährdung für Touristen in Ägypten hergestellt.

Von der zu Jemen gehörenden Insel Sokotra im Roten Meer mussten Anfang des Jahres Touristen evakuiert werden. Foto: Annika Hammerschlag/AP/dpa

Faktenlage für Ägypten

Mehrere Faktoren sprechen gegen eine unmittelbar bevorstehende Vollreisewarnung für ganz Ägypten:

  • Unveränderter Status seit November: Trotz der Iran-Proteste wurde die Sicherheitsbewertung nicht angepasst
  • Einschätzung „stabil und ruhig“: Diese Kernaussage bleibt trotz regionaler Konflikte bestehen
  • Gezielte Verschärfungen: In früheren Krisen hat das AA nur bestimmte Länder auf der arabischen Halbinsel hochgestuft – nicht den gesamten Nahen Osten
  • Internationale Einschätzung: Auch andere Länder wie die Schweiz, USA oder UK haben Ägypten nicht in die höchste Warnstufe eingeordnet

Könnte sich die Lage in Ägypten ändern?

Eine landesweite Reisewarnung wäre vor allem denkbar bei:

  • Konkreten Anschlägen oder Huthi-Angriffen in Touristengebieten
  • Direkter militärischer Ausweitung des Iran-Konflikts auf Ägypten
  • Deutlicher Verschlechterung der innenpolitischen Stabilität

Hochdynamische regionale Situation

Derzeit ist nicht erkennbar, dass eine allgemeine Reisewarnung für ganz Ägypten unmittelbar bevorsteht. Die regionale Lage bleibt jedoch hochdynamisch.

Empfehlungen:

  • Vor Reiseantritt: AA-Eintrag zu Ägypten regelmäßig prüfen und sich in der Krisenvorsorgeliste ELEFAND registrieren
  • Bei Reisen ans Rote Meer: Bei Kreuzfahrten die Reederei nach Sicherheitskonzepten fragen
  • Im Land: Warnung für Sinai-Nord und andere Sperrgebiete ernst nehmen; Demonstrationen meiden

Reisewarnungen für Ägypten

Die USA stuften Ägypten auf Level 2 („Exercise Increased Caution“) ein, mit „Do not travel“-Empfehlungen nur für bestimmte Regionen wie den nördlichen Sinai (Stand: 27.2.).

Das Vereinigte Königreich warnte ebenfalls nur vor Reisen in spezifische Regionen (Stand: 27.2.).

Die Iran-Krise und die Huthi-Angriffe im Roten Meer beeinträchtigen primär die Schifffahrt und Ägyptens Wirtschaft, bislang aber nicht die Sicherheitslage für Touristen an Land. Nach aktuellen Fakten gibt es keine zwingenden Anzeichen für eine unmittelbar bevorstehende landesweite Reisewarnung.

Kriegsgefahr in Nahost bei 67 Prozent

Angesichts der dynamischen Lage im Nahen Osten bleibt eine regelmäßige Überprüfung der aktuellen Reisehinweise dennoch unerlässlich. Auf dem Wettportal Polymarket, das gegen alle Demoskopen den Wahlsieg von Donald Trump richtig vorhergesagt hatte, wurde die Wahrscheinlichkeit für einen US-Militärschlag gegen Iran bis zum 31. März jedenfalls auf 67 Prozent geschätzt. Das ist nun eingetreten, und somit könnte es im gesamten Mittleren Osten brenzlig werden.